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Heute gibt es immer wieder heiße Debatten, wenn es um den Straßenausbau geht, denn die Gemeinde ist
gesetzlich verpflichtet, die Grundstückseigentümer zur Kasse zu bitten. Um bei wenig befahrenen
Anwohnerstraßen zu sparen, wird nun vielfach auf Gehsteige verzichtet.
Wer würde denken, dass diese Problematik gar nicht so neu ist, wie es scheint? So gab es bereits drei Jahre nachdem
Brieselang 1925 selbstständige Gemeinde wurde, einen Beschluss der Ratsherren, dass Straßenausbau generell „mit
Gehsteig“ zu erfolgen hat!  
Rund 80 Jahre eingemauert
Diese und weitere interessante Erkenntnisse aus der Geschichte traten ans Licht, als 2011 ein altes Haus am Ende der
Birkenallee abgerissen werden sollte, weil es nicht sanierbar war. Die neuen Eigentümer Ronny Giese und sein Vater
Gerd Giese staunten nicht schlecht, als sie in der früheren Wohnzimmerwand auf ein eingemauertes Buch voller
handschriftlicher Aufzeichnungen stießen!        
Weibliche Intuition
Mutter Monika Giese beschäftigte sich etwas mit der heute für die meisten unleserlichen alten deutschen
Sütterlinhandschrift. „Da habe ich gemerkt, dass unser Zufallsfund Protokolle des SPD-Wahlvereins Brieselang aus den
Jahren 1925 bis 1931 waren. Norbert Jütterschenke, Vorsitzender des örtlichen SPD-Ortsvereins und erfahrener
Gemeindevertreter, erkannte sofort, welcher Schatz hier „ausgegraben“ worden war.      
In Sicherheit gebracht
Schnell machte er sich unterstützt vor allem von Ingrid Ettelt-Gelke und Professor Hans-Jürgen Brandtner daran, die
Protokolle zu untersuchen. „Die damaligen Genossen engagierten sich dafür, dass Kirmesüberschüsse allen zugute
kommen, dass eine Gemeindebibliothek eingerichtet wird, dass der Schulneubau beschleunigt wird und sogar ein Kino
entstand.“ Norbert Jütterschenke vermutet, dass das bis 1931 reichende Protokollbuch vom damaligen SPD-Chef
Hermann Eckert selbst oder einem seiner nächsten Angehörigen kurz vor oder kurz nach dem Machtantritt der Nazis
1933 eingemauert wurde und das Haus zu jener Zeit wahrscheinlich noch seiner Familie gehörte, die es 1925 gebaut
hatte.  
Biersteuer gefällig?
Liest man die Protokolle etwas genauer, fällt vieles auf, dass immer noch Thema in Brieselang ist. So wurde in der
Gemeinde ständig darüber debattiert, wo das vorhanden Geld am besten einzusetzen sei. Immer ganz vorn dabei stand
der Ausbau der Straßen und Wege. Obwohl regelmäßig satte Kirmesüberschüsse die Gemeindekasse füllten, wurde
diskutiert, mit einer Biersteuer die Einnahmen noch mehr zu erhöhen. Wie ein Schlag ins Gesicht mussten den
Brieselangern dementsprechend die Untaten ihres damaligen Bürgermeisters Alfred Manker vorgekommen sein. Der
wurde 1927 überführt, von 1925 an wohl Gemeindegelder, Überschüsse vom Kirmes und sogar Geld des
Schulverbandes für sich selbst abgezweigt zu haben. Er soll sich Ende 1927 selbst erschossen haben. Unvorstellbar ist
heute, dass bei der angesetzten Neuwahl des Gemeindevorstehers 130 Bewerbungen auf diesen Posten eingegangen
waren!
Nachdruck erhältlich
Anfang Juli 2015 erschienen die bis vor Kurzem eingemauerten Protokolle „in lesbare Schrift übersetzt“ als Broschüre.
Sie wurde vom SPD-Ortsverein und Mitarbeitern der Friedrich-Ebert-Stiftung in Potsdam erstellt und passend zu den
Feierlichkeiten zum 90. Jahrestag der Umwandlung der Kreissiedlung Brieselang in eine selbstständige Gemeinde
vorgestellt. Damit sorgen nun weitere Mosaiksteine dafür, dass Licht in die relativ kurze Geschichte der beliebten
aufstrebenden Luchgemeinde kommt.
Infos: 
Tel. 03 32 32/3 98 98
Stand Juli 2015
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130 Bewerber fürs Bürgermeisteramt
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