Brieselanger weltweit gefragt

Kunst fürs MoMa in New York

Wer ist der berühmteste Brieselanger?
Viele denken jetzt erst mal an sich – aber leider, weit gefehlt! Denn weltweiten Ruhm könnte nur einer für sich beanspruchen. Doch der ist so bescheiden, dass er am liebsten gar nicht darüber redet. Dabei ist Volkmar Brandt der einzige Brieselanger, der es mit einem seiner Werke bis ins weltberühmte Museum of Modern Arts in New York schaffte. Wer sich noch an den Ansturm auf die MoMa-Ausstellung in Berlin erinnert, kann sich vorstellen, welche Auszeichnung dies darstellt!
Kurioserweise ist es ein Jugendwerk von 1962, das es den MoMa-Kuratoren offenbar angetan hatte. Es handelt sich um den „Schriftbaum“, den der gebürtige Magdeburger als Teil seiner Diplom-Arbeit erstellt hatte. Dabei waren es offenbar damals nicht nur die Fachleute in Übersee, die die Präzision und Kreativität des jungen Grafikers faszinierten: „Üblicherweise waren die Diplom-Arbeiten in der Hochschule ausgestellt. Als wir von den Ferien zurückkamen, waren aus meiner Serie fünf Seiten einfach verschwunden!“

Begehrte Diplom-Arbeit
Trotz des Diebstahls wussten die Professoren das Talent von Volkmar Brandt richtig einzuschätzen. Sie sollten sich nicht irren, denn schon bald machte er positive Schlagzeilen. Sein von ihm für dem Insel-Verlag in Leipzig gestaltetes Buch mit Schriften, die ursprünglich der Mönch Leonhard Wagner in Augsburg Anfang des 16. Jahrhunderts zusammen getragen hatte, war, ebenfalls in New York, als „Schönstes Buch der Welt“ prämiert worden.
Seit 1963 lebt Volkmar Brandt in Brieselang. Er avancierte 1965 zum künstlerischen Leiter beim renommierten Dietz-Verlag – und wurde ein Opfer seines eigenen Erfolgs. Die Schweizer Fachzeitschrift „Graphis“ hatte den liebevoll ausgestatteten Büchern, die unter Brandts Leitung entstanden waren, so viel fachliches Lob beschert, dass die DDR-Oberen hellhörig wurden: „Anschließend sollten wir alle Entwürfe vom Politbüro genehmigen lassen!“
Soviel Einengung war dem Brieselanger zuviel. Er warf 1968 das Handtuch und wollte freiberuflich tätig sein. „Dazu musste man Mitglied im Verband Bildender Künstler sein. Das erreichte man nur, wenn man zwei Jahre Probezeit als Kandidat besteht!“
Anschließend gehörte es zu seinen wiederkehrenden Aufgaben, in Handarbeit die Ausstellungsstände der Kombinate des DDR-Maschinenbaus bei der Leipziger Messe zu gestalten. Die Messe war damals das wichtigste Export-Fenster der Comecon Staaten und diente der DDR als Drehscheibe zum Westen. „Der Stand war 4400 Quadratmeter groß“, erinnert sich Brandt.

Glück mit Buchstaben
Typografie-Künstler Volkmar Brandt sieht in Schriften ein „Werkzeug“ für Textbotschaften vergleichbar mit der Farbe des Malers bei Bildern. Seine Sensibilität, Stimmungen und Themen in entsprechenden Buchstabenzügen auszudrücken, ließ ihn nach der Wende zu einer Institution für Werbung werden. Und die Schrift war es auch, die sein persönliches Lebensglück bestimmte. 1974 ging es darum, der HO-Gaststätte Ratskeller Nauen einen neuen Werbe-Auftritt zu verleihen. Und siehe da, bei der Begutachtung von feinen Linien zwischen den Buchstaben kam es zu immer mehr feineren Linien zwischen Brandt und seiner Auftraggeberin, der hübschen HO-Werbeleiterin. Bald darauf hieß sie Karin Brandt. Nun haben Karin und Volkmar Brandt einen großen Traum: Eine Reise nach New York, um im neuen MoMA nachzusehen, wo der Schriftbaum der Weltöffentlichkeit präsentiert wird!

Infos Tel. 03 32 32/3 56 73

Volkmar Brandt träumt von einer Reise nach New-York, um zu sehen, wo sein Schriftbaum präsentiert wird.

Volkmar Brandt wurde für das „schönste Buch der Welt“ ausgezeichnet. Die zarten Bande zu Ehefrau Karin Brandt erfolgten ebenfalls über eine Linien, die er für den Ratskeller Nauen entwerfen sollte.