Von der Sekretärin zur Theaterchefin

Samstags nie!

Samstags nie! Das könnte der Namen eines lustigen Einakters sein, den Brieselangs neues und einziges Theater aufführt. Ist es aber nicht!
Vielmehr steckt dahinter die bittere Erfahrung der Theaterbegeisterten um Erika Junke, dass die Brieselanger ausgerechnet am Samstag nicht zu Unterhaltung und Kulturgenuss zu bewegen sind.

Drei reizende Damen lassen bitten
Immer spielte sie vor vollem Haus. Wenn die „Drei reizenden Damen“ riefen, ließen sich die Brieselanger nicht lange bitten. Nur die einzige Samstagsvorstellung, die geplant war, musste nun gestrichen werden, mangels Nachfrage.
Doch die frischgebackene Theaterchefin ist ja lernbereit. Schließlich verdiente sie ihre beruflichen Sporen erst mal ein Arbeitsleben lang als Sekretärin.

Von der Schule ins Theater
Lange Zeit genoss sie es, wenn die Kinder in der Anne-Frank-Grundschule in Berlin-Tiergarten um sie wimmelten. Später war sie dort in der Bezirksverwaltung im Bereich „Wohnungswesen“ tätig. Ihre Kinder, die als junge Familie nach Brieselang gezogen waren, schwärmten so intensiv vom Havelland, dass Oma schließlich nachzog. „Ich wollte näher bei meiner Enkelin Michelle sein!“

Name verpflichtet
So schön Brieselang ist, „wo ist denn hier nur das Theater“, machte sich Oma Junke auf die, im Endeffekt erst mal vergebliche Suche. Klar, Name verpflichtet. Wer in Berlin Junke heißt muss, selbst wenn keine Verwandtschaft mit dem großen Entertainer Harald Junke besteht, was mit Theater zu tun haben. Und tatsächlich: Die quirlige Sekretärin und passionierte Hobbymalerin kann auf eine lange Erfolgs-Story als Freizeit-Schauspielerin zurückblicken. Von 1990 an war sie beim renommierten Amateurtheater „Vineta Bühne“ in Neukölln festes Ensemble-Mitglied.

Verschlossene Sektflasche
Pro Jahr gab es eine Eigenproduktion, die meist auf großer Bühne in der Neuköllner Oper aufgeführt wurde. „Wir machten alles, vom Spielen bis zur Bewirtung. Nur mit dem Öffnen der Sektflaschen hatte ich so meine Probleme! Von dieser Erfahrung kann ich heute zehren“, erinnert sich die Chefin der neuen Brieselanger Felizia-Bühne zurück.

Künstler-Atelier als Theater
Da lag die Idee eines eigenen Theaters in Brieselang sehr nahe. Als sich Räumlichkeiten auf dem Areal des Gerätewerks boten, überlegte Erika Junke nicht lange. Über Anzeigen fand sich das Ensemble mit Birgit Beckmann, Mareike Bruns, Petra Drews, Simone und Tobias Gablunsky, Oliver Guss, Ingo Konwischer sowie Juliane und Holger Kreklau zusammen. Nur mit Eigenmitteln und viel Engagement verwandelten sie die früheren Fabrikationsräume, die zeitweise ein Künstler-Atelier beherbergten, in ein kuscheliges Theater mit 35 Plätzen, Bühne, Garderobe, reizvollem Foyer und sogar Bewirtung während der Theaterpause.
Nach dem erfolgreichen Einakter „Drei reizende Damen” arbeitet das Ensemble nun an einem Berlin-Programm als neuer Eigenproduktion. Dazu kommen Gaststpiele meist bekannter Bühnen aus dem Amateuerbereich.

Schauer vor Vereinsmeierei
Trotz des finanziellen Risikos graut es Erika Junke vor der Idee, einen „schützenden” Verein zur Unterstützung zu gründen: „Das wäre mir viel zu viel Vereinsmeierei und Bürokratie.” Sie setzt stattdessen darauf, dass die Brieselanger ihr die Stange halten. Wäre ja auch schade, wenn die Bürger diese für die Größe des Ortes völlig ungewöhnliche Kultur-Chance verpassen würden.

Infos: Tel. 033232/224944
www.felizia-buehne.de

Vorhang auf – für eine neue Vorstellung in der Felizia-Bühne!

Erika Junke lädt nun wie ihr Namensvetter auf die Bühne ein.

Vor Erika Junke ist kein Pinsel sicher: neben Theater liebt sie das Malen.