Bauchkitzel ist bei den Badegästen verpönt!

Unterwasser-Rasenmäher für den Nymphensee

Rasenmähen unter Wasser? In Brieselang ist das gang und gäbe!
„Wir fahren regelmäßig auf den Nymphensee, um das Gras zu mähen“, verblüfft Jörg Reinsperger. Der 40-Jährige ist seit diesem Jahr für den in der weiten Region für sein klares Wasser bekannten Badesee zwischen Brieselang und Falkensee zuständig. „Der See wird ausschließlich vom Grundwasser gespeist. Da es weder Abfluss noch Zulauf gibt, findet keine natürliche Wasserbewegung statt. Und weil der See so klar ist, scheint die Sonne bis auf den Grund. Dadurch fühlt sich das Seegras hier so wohl, dass es im Eilzugstempo bis an die Oberfläche wächst“, schildert der neue See-Chef das Problem. „Viele Schwimmer sind aber alles andere als begeistert, wenn es an den Bauch kitzelt. Also mähen wir das Gras mit einer Unterwasservorrichtung!“ Bei einer Fläche von etwa zehn Hektar kommt da einiges zusammen: „Unser Rekord waren 15 LKW-Ladungen voll“, erinnert sich Schwimmmeister Silvio Zipser. Dazu kommen noch Gras und Baumabfälle vom Strand, schließlich legt Brieselangs „Obernymphe“ Wert auf Sauberkeit und Komfort rund um seinen See. Da würde sich fast eine eigene Kompostieranlage rentieren? „Erst mal müssen wir aus den roten Zahlen kommen“, benennt See-Pächter Reinsperger sein Nahziel für 2006. Denn dann gibt es keine Zuschüsse mehr aus der Gemeindekasse. „Das war ja schließlich der Grund für die Privatisierung“, weiß Reinsperger. Und was bringt einen Weißenfelser, den die Liebe nach Hohen Neuendorf verschlug, nun dazu, seine privaten Ersparnisse dafür zu riskieren, dass die Brieselanger und ihre Nachbarn einen schönen und geschützten Badesee haben? „Ich war als Projektleiter der Kommunalen Entwicklungsgesellschaft bereits seit 1996 für den Nymphensee zuständig. Damals war das ein wilder Badesee, an dem manchmal sogar Schutt abgeladen wurde oder Autos gewaschen wurden. Deshalb haben wir den See umzäunt, Badestrände angelegt, an der anderen Seite einen Ruheplatz mit Schilfflächen für Wasservögel eingerichtet und die Inseln für den Badebetrieb gesperrt. Es gibt nun einen Bademeister, der aufpasst und einen Imbiss mit erschwinglichen Preisen. Anfänglich betrug der Zuschuss der Gemeinde 80000 Euro. Ich habe das Defizit dann auf 20000 Euro gedrückt. Ich habe mich mittlerweile so in diesen einzigartigen See verliebt, dass ich bei der Privatisierung ein Angebot abgegeben habe. Mit mir gab es insgesamt nur zwei Interessenten, ich habe den Zuschlag bekommen.“ Nun hofft der gelernte Diplom-Ingenieur, der bei so unterschiedlichen Projekten wie einer Schloss-Sanierung in Westdeutschland oder der Belebung des Bernstein-Sees bei Velten Erfahrungen sammeln konnte, auf möglichst viele heiße und lange Sommer. Denn nur dann kann er erwarten, dass er mit Tagespreisen zwischen einem und zwei Euro fürs Bad sowie nochmals zwei Euro für den Parkplatz, in die Gewinnzone kommt. Sofern er nicht doch noch eine zusätzliche Einnahmequelle, etwa durch Handel mit Nymphensee-Seegras, erschließen kann!

Jörg Reinsperger hofft auf viele Badegäste – sonst wird er bald aus eigener Tasche das Defizit für den Nymphensee begleichen müssen.

Mit Bademeister Silvio Zipser geht es auf den See – zum Rasenmähen!