Rundgang auf den Spuren der Geschichte

In Brieselang gibt die Jugend den Ton an

Brieselang ist jung, viel jünger als man denken würde. Fast ein Viertel der Bewohner sind Jugendliche. Damit ist das 80-jährige Brieselang eine der jüngsten Gemeinden im Land. Obwohl man das 80-jährige Jubiläum feiert, sind die 80-Jährigen und jüngere Rentner in der absoluten Minderheit. Nur 16,5 Prozent der mittlerweile gut 10 000 Bewohner der Gesamtgemeinde aus Brieselang, Zeestow und Bredow sind über 60 Jahre alt!
Bürgermeister Wilhelm Garn liest diese Zahlen aus seinem neuen statistischen Jahrbuch, das nun erstmals detaillierten Einblick in die Groß-Gemeinde gibt. Die hat sich seit der Wende mehr als verdoppelt. 1990 gab es nur 4 793 Brieselanger. Besonders junge Familien zog es in den letzten 15 Jahren ins Grüne. Die Folge davon ist: Während im ganzen Land Schulen und Kitas Nachwuchs-Probleme haben und oftmals von Schließung bedroht sind, gehen in Brieselang soviel Kinder wie sonst selten in den Unterricht: „Obwohl wir nur einen Bevölkerungsanteil von 6,6 Prozent im Landkreis haben, stellen wir über zehn Prozent der Grundschüler“, liest Garn weiter aus seinem Zahlenwerk. Das freute den Bürgermeister so sehr, dass er sich zum runden 50. Geburtstag letztes Jahr ein ganz besonderes Präsent erbat. „Statt Geschenke wünschte ich mir eine Spende für die geplante Skaterbahn.“
Offenbar hat der CDU-Bürgermeister viele Freunde: Jedenfalls sind mittlerweile 7 000 der veranschlagten 10 000 Euro zusammengekommen. Dabei versteht sich Wilhelm Garn darauf, vieles ins Rollen und Manches zum Sprudeln zu bringen. So strahlt er bei der Skater-Anprobe am Brunnen Am Markt über seinen neuesten Coup: Nach langer Zwangspause soll der Brunnen endlich wieder fröhlich plätschern! Dafür sorgen wird ein Sponsor. War es nun deutsche Vorsicht oder mangelnde Voraussicht der Bauherren, jedenfalls hatte der Amtsschimmel dem Wahrzeichen des Rathaus-Vorplatzes vor einiger Zeit den Hahn abgedreht: „Ein Brunnen darf nur in Betrieb sein, wenn er Trinkwasser-Qualität ausweist.
Unser Brunnen funktioniert mit einer Umwälzanlage ohne Filter. Also durften wir ihn nicht mehr betreiben!“
Da Brieselang dieses Jahr ganz im Zeichen des Ortsjubiläums steht, wollen wir vom Bürgermeister mal die historischen Teile gezeigt bekommen. Zwar zählen die Chronisten den Teil Alt Brieselang, der zur Hälfte zu Falkensee zählt, nicht zum eigentlichen Ort, dennoch geht es erstmal dorthin. Denn hier steht mit der Försterei das älteste Haus, das irgendwie mit Brieselang in Zusammenhang zu bringen ist. Neben dem liebevoll restaurierten Forsthaus sind die Stallungen besonders interessant. Das alte Pflaster dürfte noch aus Kaisers Zeiten stammen. „Dahinter sind noch Fundamente des früheren Remonte-Depots zu sehen.“ Viel blieb allerdings nicht erhalten, haben die kaiserlichen Pferde doch bereits 1872 dem 1745 gegründeten Vorwerk von Vehlefanz adé gesagt, so Ortschronist Frank Braun. In Brieselang selbst macht die Gaststätte „Zum ersten Siedler“ ihrem Namen alle Ehre, waren die Bauherren Ines und Friedrich Viele aus Falkensee doch tatsächlich die ersten Siedler. Die Schule in der Karl Marx Straße ist kurioserweise älter als Brieselang. Was damit zusammenhängt, dass die Siedler sich bereits um das Wichtigste gekümmert hatten, bis ihr Ort 1925 selbstständig wurde. Nun präsentiert sich die Schuluhr am Giebel traurig und zeigerlos. Ein Zustand, den engagierte Brieselanger ändern wollen. „Ehemalige Schüler sammeln, um der Schule wieder zu einer richtigen Uhr zu verhelfen“, freut sich der Bürgermeister.
Weil es gilt, das Alte zu erhalten, denkt die Gemeinde nun daran, im Zuge der Sportplatz-Sanierung das Gebäude des „Rosengarten“ wieder zu beleben. Der frühere Saal sollte dann als Versammlungsort dienen. Darüber würde sich der langjährige Wirt Heinz Brune besonders freuen. Er betrieb von 1957 an 20 Jahre lang mit Ehefrau Erna Brune den gesellschaftlichen Mittelpunkt von Brieselang. Brune entwickelte den Rosengarten von einem „Schlägerlokal“ zu einem Ort, wo man Feste feierte und Kapellen zum Tanz aufspielten. Viele Ehen in Brieselang und der Umgebung fanden ihren Ursprung im Rosengarten.
Die Fußgängerbrücke als Verlängerung der Karl Marx Straße führt über den 1951/52 in der Rekordzeit von nur einem Jahr gebauten Havelkanal. Sie stellt den höchsten Punkt von Brieselang dar und eignet sich deshalb gut, im Überblick zu vergleichen, wie die Planung von 1920, die der Bürgermeister als eines der wenigen historischen Dokumente wie seinen Augapfel hütet, im Lauf der Jahre umgesetzt wurde. „Viel Grün“ liest der Bürgermeister als Grundidee heraus, die sich nun in der weiteren Planung fortsetzen soll. Dass die Gemeinde das ernst meint, sieht man am „Bermuda-Dreieck“. So wird von einigen Bürgern der Flecken, wo Paul Mewes- und Bahnstraße zu einem Dreieck zusammenlaufen, genannt. Das Gammeleck wurde nun zu einer kleinen Grün-Oase. Auf der Rückkehr zum Rathaus weist der Bürgermeister auf zwei schmucke Eigenheime, die sich gerade im Bau befinden: „Hier wurden bronzezeitliche Funde gemacht. Damit ist klar, dass die ersten Brieselanger bereits 1 200 Jahre vor unserer Zeit hier waren“, schmunzelt Wilhelm Garn und versichert, dass das stimmt und keinesfalls Seemanns-Garn ist. Was man ihm getrost glauben darf. Schließlich steht Brieselangs Bürgermeister mit beiden Beinen fest auf dem Boden und freut sich, dieses Jahr besonders oft die Glocke erklingen zu lassen. Nein nicht die Kirchenglocke, sondern das bekannte Gedicht von Friedrich Schiller. Denn Literaturfreund Wilhelm Garn freut sich besonders übers Schillerjahr, hat er doch am selben Tag wie sein Idol Geburtstag. Nur eben 195 Jahre später!

Brieselangs Bürgermeister bringt manches ins Rollen. So gilt es gerade für die neue Skaterbahn, für die er sammelt, zu üben. Der Rathausbrunnen soll übrigens bald wieder sprudeln.

Im hundert Jahre alten Forsthaus von Alt Brieselang ließ im Lauf der Zeit mancher die Sau raus, wie dieses Wildschwein-Fell belegt.

Nun wird es höchste Zeit, dass die Schuluhr wieder die Stunde richtig anzeigt!

Heinz Brune würde sich freuen, wenn der Rosengarten wieder belebt würde.