Effekte für Sonnenallee, Enemy at the Gates oder Tatort kommen aus Brieselang

Medizin-Student sorgt für Spannung

Brieselang als Filmstadt? Das würde kaum jemand denken. Dennoch ist es wahr. So unterschiedliche Filme wie die Kassenschlager Sonnenallee, Enemy at the Gates oder Fernsehserien wie „Tatort“ oder „SK Kölsch“ sind ohne das Mitwirken aus dem Havelland undenkbar.
Denn von hier aus sorgt Christoph von Lengerke für „Spezialeffekte“. Das können Explosionen, atemberaubende Stunt-Szene, Schlägereien, Messerstechereien oder traumhafte Sequenzen für Märchenfilme sein. Der frühere Medizinstudent, der in seiner Zivildienstzeit als Rettungswagen-Fahrer durch die Stadt brauste, kam durch Semesterjobs mit dem „Filmgeschäft“ in Berührung. Als Autodidakt wurde er einer der vielseitigsten Fachleute für schwierige Filmszenen. So entwickelte Lengerke für „Sonnenallee“ den berühmten Party-Pickel als Latex-Maske, der sogar hätte platzen können. Der Fachmann war mit beteiligt, als sich beim Weltkriegs-Epos „Enemy at the Gates“ 600 Komparsen durch ein Meer von Explosionen bewegen mussten, „ohne in Wirklichkeit einen Kratzer abzubekommen“. Wenn Stuntmen durch Glasscheiben springen, in einem Container landen und dieser plakativ umkippt, dann ist das ebenso das Metier von Lengerke wie eine „Leiche“ für SK Kölsch, die so perfekt nachmodelliert wird, dass sie völlig „echt“ aussieht. Dabei kommen dem mittlerweile 37-jährigen Familienvater immer wieder seine anatomischen Kenntnisse aus dem früheren Medizin-Studium zu Hilfe.
„Natürlich geht es im Film darum, dass alles echt aussieht. Manchmal muss man aber mächtig übertreiben. So würde eine Schussverletzung in Wirklichkeit wenig spektakulär sein. Ein kleines Einschussloch, sonst nichts. Im Film muss allerdings Blut spritzen – das ist dann unsere Aufgabe!“
Szenen, die früher den Crews im Studio wochenlange Arbeit bescherten, können heute mit digitaler Technik am Bildschirm hergestellt werden. Für den trick-reichen Fachmann ist das keine Konkurrenz sondern eine Bereicherung, die neue Anforderungen stellt. „Die Menschen wollen im Film eine richtige Hauptfigur erleben. Die kann nicht digital sein. Ein ausschließlich digitaler Film wäre zu flach und hätte im Kino keine Chance.“ Also greift man selbst bei Märchenfilmen auf die technischen Einfälle des Brieselanger Studios zurück. So arbeitete Lengerke lange an einer Szene mit der Meerjungfrau für die Verfilung eines Andersen-Märchens. Schließlich musste eine Schauspielerin durch eine Wasserwanne mit „richtigen“ Wellen gezogen werden. Den Fischschwanz bekam sie später durch den Computern.
Zu Lengerkes Auftraggebern gehören neben Filmstudios Stars wie Otto Walkes oder „Didi“ Dieter Hallervorden. Und die kürzlich verstorbenen „Mutter der Nation“ Inge Meißel kennt er ebenfalls „vom Dreh“. Schade nur, dass es Christoph von Lengerke in den vier Jahren seiner Arbeit von Brieselang aus nicht gelang, die Adresse bei den international agierenden Filmleuten hoffähig zu machen.
Deshalb sorgte er nun in Berlin-Tiergarten für eine zweite repräsentativer klingende Briefkopf-Anschrift. Die guten Ideen kommen ihm aber immer noch sehr oft im grünen Brieselang in den Räumen des Sanitärfachhandels Ralph Wenzel.
Infos Tel. 0172/6366398

Christoph von Lengerke sorgte für so manchen Filmpickel, wie hier für die „Sonnenallee“.

Für jeden Film schafft von Lengerke die „richtige“ Ausstattung.