Neues Wappen bringt’s ans Licht

Der Ort im Turbo-Alterungsprozess

Kaum hat Brieselang 2005 mit viel Freude seinen 80. Geburtstag gefeiert, muss die Geschichte schon umgeschrieben werden. Dafür sorgte ausgerechnet Brandenburgs Innenminister.
Nachdem Jörg Schönbohm mit der Gemeindegebietsreform viele kleinere Orte zu einem größeren Gemeindegebilde zusammengefügt hat und in diesem Zuge die Gemeinden Bredow und Zeestow zu Ortsteilen der Gemeinde Brieselang wurden, musste als ein Zeichen der neuen Gemeinsamkeit auch ein neues Wappen her. Der Entwurf des international geschätzten Typografen und Grafikers Volkmar Brandt fand nach langwierigen kontrovers geführten Diskussionen und Änderungswünschen des Landesheraldikers endlich im Februar 2006 die Zustimmung der Gemeindevertreter. Das Brandenburger Innenministerium prüfte indes seinerseits ebenfalls noch als genehmigende Behörde. Heraus kam eine rapide Alterungskur fürs junge Brieselang. Nach historischen Recherchen des Ministeriums wurde „Brieselanck“ erstmals im Jahr 1315 erwähnt, was Bürgermeister Wilhelm Garn erstaunt und fasziniert. Nun wäre es interessant, wie, wo und was in der Zeit bis zur bekannten Besiedlung von nunmehr 81 Jahren passierte. „Das wäre eine interessante Aufgabe für den Ortschronisten“, so der Bürgermeister. Pech nur, dass ihm dieser gerade jetzt, wo es spannend wird, abhanden
gekommen ist. Arno Heinrich hat nunmehr die Geschichte gegen die Gegenwart im reizvollen Garten zuhause getauscht. „Nun hoffen wir, dass sich jemand bei uns meldet, der diese Aufgabe weiter machen möchte“, appelliert der Bürgermeister an seine Bürger, die Geschichte der Gemeinde neu aufzurollen.
Bis dahin ist Wilhelm Garn mit ganz anderen Rollen beschäftigt. Gerade noch freute er sich darüber, dass am Bahnhofsvorplatz auf Initiative des Märkischen Künstlerhofes Brieselang eine Kunst Oase entstehen soll. Und schon sitzt er auf einem Berg grüner Rollen – von Kunstrasen, der im Hof des früheren Konsums unter mysteriösen Umständen abgelagert wurde und für den sich nun niemand zuständig fühlt.
Umso zuständiger fühlten sich die Denkmalschützer für das Mahnmal für die Opfer des Faschismus am Bahnhofsplatz. So musste „Brieselangs einziges Denkmal“ nun Stein um Stein abgetragen werden. Jedes Stück wurde sorgfältig nummeriert, damit es dann wieder exakt zusammengebaut werden konnte. Denn obwohl die Geschichte der Ziegel-Säule nur bis in die 1950-er Jahre zurückreicht, konnte sie nicht einfach im kostensparenden Schnellverfahren versetzt werden, um die Erneuerung des Bahnhofsvorplatzes zu ermöglichen.
Vom Bahnhofsvorplatz zurück zum Rathaus geht es durch eine Unterführung. Und da strahlt Wilhelm Garn, denn an dieser Stelle hat er einen weit sichtbaren Sieg errungen: Keine Graffiti sind mehr zu sehen. Eine Spezialbeschichtung der Fliesen sorgt dafür, dass die Farbe nicht mehr anhaftet! Ob das nun schöner aussieht? Doch wehe, ganz gewonnen werden konnte der Kampf gegen unerwünschte „Kunst“ doch nicht. Denn die Türen geben sich immer noch aufnahmefreudig und sorgen nun für bunte Abwechslung im grauen Tunnelleben.
Bunt soll das Leben auf dem Markt werden. Eine Freiluft-Gastronomie lädt dazu ein, das nunmehr mit Fahne und neuem Wappen ausgestattete Rathaus zu genießen.
Dabei hat man öfters die Chance, des Gemeindeoberhaupts optisch habhaft zu werden. Entsprechend dem Trend ist das Rathaus nun rauchfreie Zone – was den nikotinfreudigen Bürgermeister dazu bringt, manche Minute auf der Terrasse vor seinem Amtszimmer zu verbringen.
Man darf sich sicher sein, dass der Blick von oben manch neue Idee für Brieselang entzündet, die, so es die Gemeindevertreter wollen, sich nicht in Schall und Rauch, sondern wie gewohnt in neuen Impulsen für ein noch schöneres Brieselang manifestiert.

Mit neuem Wappen und Fahne vor dem Rathaus zeigt Brieselang deutlich Flagge.

Der Bahnhofplatz wird rechtzeitig fertig, ist sich Wilhelm Garn sicher.

Eine Besucher-Befragung zeigt, dass der Service im Rathaus gut ankommt.

Im Kampf gegen Graffiti in der Bahnhofsunterführung trüben nur noch wenige Ecken den „Sieg“.