Stand Dezember 2012
Neuer Wind beim Karneval
 Den Blick zurück und mit Volldampf vorwärts, so lautet das neue heimliche Motto von Erkners organisierten Narren. Dass es dabei nicht zu einer folgenschweren Karambolage kommt, darum kümmert sich der neue „Fährmann“ von Erkners fröhlichen Karnevalsfreuden.
Sie haben mit dem neuen Präsidenten Christoph Albert einen „Profi“ an ihre Spitze geholt, der weiß, wie man die Weichen richtig stellt, um mit wohl ausgedachter Regie für spektakuläre Veranstaltungen zu sorgen, die lange in Erinnerung bleiben. Schließlich ist Albert erfahrener Fernseh-Regisseur, der in diesem Metier für den Mitteldeutschen Rundfunk „MDR“ über zehn Jahre ostdeutsche Fröhlichkeit in der „fünften Jahreszeit“ begleitete.
„Lustige“ Präsidenten-Runde
„Meine Partner waren die Präsidenten großer Vereine und Landesvorständen der Karnevalisten“, zeigt er, dass er von ganz oben Einblicke hinter die Kulissen der mit großer Ernsthaftigkeit und lange vorbereiteten „Fröhlichkeit“ gewonnen hat.
Diese reichhaltige Erfahrung möchte er nun in die traditionsreiche „Erkneraner Woltersdorfer Karneval Gemeinschaft“ einbringen. „Für mich hängt Karneval ganz eng mit Brauchtum zusammen. Von modischen Neuerungen halte ich deswegen sehr wenig“, zeigt er auf, wohin die Fahrt nun gehen wird.
Dazu gehört für ihn die richtige Bezeichnung: „Eine Karnevals-Saison gibt es nicht, das heißt Session!“ Einschneidender wird die Rückbesinnung auf „alte Werte“ in der Zusammensetzung der „Gremien“ sein.
Männer auf dem Vormarsch?
„Ich habe nichts gegen Emanzipation, aber im Karneval hat die Frau nun mal eine andere Funktion als bei uns in der
modernen Gesellschaft. So gab es niemals einen gemischten Elferrat, das war Domäne der Männer und soll es bei uns bleiben!“ Erstaunlich, dass Christoph Albert damit keine Probleme in der Familie bekommt!
Schließlich sind Ehefrau Gabriele Albert und Tochter Désirée Beck ebenfalls mit im närrischen Schiff, letztere sogar an wichtiger Position: „Ich bin als Fachgruppenleiterin Tanzsport für alle Tanzgruppen verantwortlich“, berichtet sie. Und wie jeder weiß, sind diese das Herzstück jedes Karneval-Vereins. In der EWG, wie sich der Verein
abkürzt, können schon die jüngsten bei den Bambinis den richtigen Rhythmus für die Bühne proben. Es gibt die „Jugend Garde Anglika Mill“ und die „Junioren Garde Löcknitz Dancers“, dann die „Zwei Tanzmariechen“, die „Flakensee Libellen“, das Männerballett, die Frauentanzgruppe „Germany’s top hoppelZ“ und die Showtänzer.
Show von Profis
Die Trainercrew steht unter Leitung von Freddy Bretfeld. „Damit haben wir einen routinierten Profi für uns gewinnen können. Er kann auf eine lange Erfahrung als Choreograf beim Friedrichstadt-Palast
zurück blicken“, strahlt Präsident Christoph Albert. Denn mit Bretfeld möchte Albert bei allem Blick zurück ins Brauchtum mit Volldampf in Richtung professionell organisierter Veranstaltungen steuern. Als weiteren Profi konnte der Verein mit über 70 Mitgliedern den Musiker Helge Beck für sich gewinnen. Er ist der Ehemann von Tanz-Chefin Désirée Beck und besticht mit professioneller Vielseitigkeit.
Er wurde 1989 Sieger des
deutschen Komponistenwettbewerbs in Langenhagen bei Hannover und ein Jahr später Gewinner des Internationalen Komponistenwettbewerbs in Siegburg. Er sang und arrangierte im Friedrichstadt-Palast, war für die musikalische Unterlegung von Fernsehbeiträgen, so für den MDR, aktiv und stand mit Stars wie
Howard Carpendale auf der Bühne. Daneben hatte er als Regieassistent im Filmpark Babelsberg „Hollywood-Luft“ geschnuppert. Seit 2007 ist er darüber hinaus mit dem
Comedy-Trio „Ribbeck&Klo.
KG“ zu sehen. Mit ihm und Choreograf Freddy Bretfeld kann sich Christoph Albert
also auf Profis stützen.
Neuling im organisierten Humor
Albert selbst ist übrigens erst seit 2007 überhaupt in der Erkneraner Woltersdorfer Karneval Gemeinschaft. Initialzündung war die Vorbesprechung für Veranstaltungen im Landesverband Sachsen-Anhalt, bei der Christoph Albert als „Karnevals-Fachmann des MDR“ teilnahm. „Als ich meine Meinung sagte, hieß es: ‚Seit wann dürfen Nicht-Karnevalisten beim Karneval mitreden?‘ Das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen!“
Christoph Albert ist, was den Karneval angeht, einer, der sich vom Saulus zum Paulus gewandelt hat. Der heute 58-Jährige kann auf eine lange Karriere zurückblicken, in denen vor allem
„seriöse und ernsthafte Themen“ in seinem Fokus als Regisseur beim Fernsehen standen: „Ich arbeite viel für ARD, ZDF, RTL und andere Sender“, berichtet er. Sehr stark ist er mit dem  „MDR“, verwurzelt. Dabei geht es dort nur selten um humorvolle Dinge. Stattdessen ist er unter anderem für „MDR aktuell“ und momentan  regelmäßig für die Mittagssendung „MDR um ELF“ aktiv.  
Heavy Metal und Pop-Stars
Seine Filmfirma hat ein denkbar breites Spektrum: „Ich mache Videos für Heavy Metal Bands und bin andererseits bei großen Volksmusikgalas fürs Fernsehen gefragt. Ich liebe diese große Bandbreite, spezialisieren kann ich mich ja, wenn ich in Rente gehe“, zeigt Albert, dass er durchaus Sinn für Humor hat.  Sehr beeindruckend fand er  das Konzert von „Karat“ mit Herbert Dreilich in der Wuhlheide, wo der stark von Krankheit gezeichnete Band-Chef seinen Sohn Claudius Dreilich „offiziell“ ins Bühnenleben und als Bandmitglied einführte.
Zum Karneval beordert
Die Wandlung zum Karnevalisten kam „auf dem Dienstweg“. Albert erinnert sich: „Ich bekam einen Anruf des Unterhaltungs-Chefs vom MDR, ob ich bereit wäre, eine Karnevalsveranstaltung für den Sender zu gestalten. Meine Begeisterung hielt sich sehr in Grenzen. Um Pappnasen und Narrenkappen hatte ich bisher wie sicher die Meisten bei uns
einen Bogen gemacht!“
Doch als Christoph Albert hautnah erlebte, wieviel Energie und Herzblut in
der Veranstaltung steckte, als er spürte, dass hier „ganz
normale Menschen für eine Sache, die ihnen ein großes Anliegen ist, oftmals übers ganze Jahr hinweg trainieren“, packte ihn der journalistische Ehrgeiz. Er wollte hinter die Kulissen sehen. Mit diesem Schlüsselerlebnis im Jahr 2000 wurde
Albert zu einem der Karnevals-Fachleute des MDR.
Hübsche „Kleinigkeit“
Bei allem Blick zurück scheint Karnevals-Präsident Christoph Albert vor Neuerungen nicht zurück zu schrecken. Dazu gehören die brandneuen Narrenkappen. „Sie sehen sehr schick aus, doch man muss die Damenkappen mit Klammern im Haar festmachen. Ich bin gespannt, wie das Frauen mit Kurzhaar-Frisur hinbekommen“, macht sich Désirée Beck ein wenig Sorgen.
Zu den Neuerungen mit
Humor gehört, dass „seine Tollität“ Prinz Steffen keine „Lieblichkeit“, wie sonst die Bezeichnung für die Prinzessin lautet, zur Seite gestellt bekam. Statt dessen muss Prinzessin Manuela den
eigens für sie geschaffenen Titel „Kleinigkeit“ eine Session lang ertragen, als Hinweis auf ihre Körpergröße.
Verpasstes Jubiläum?
Offenbar ist der Blick zurück selbst beim neuen Präsidenten Christoph Albert manchmal nicht ungetrübt. „In Erkner startete der 1960 gegründete Klub der Werktätigen mit Günter Kluge an der Spitze, unterstützt vom Amateur-Tanzorchester und dem traditionsreichen Männerchor, am 23. Februar 1963 in der Kantine des Teerwerks den ersten „Faschingscocktail der guten Laune: Erkner alaaf!“. So steht es in der Chronik. Damit könnten die Narren aus der Stadt am Dämeritzsee 2013 das runde 50. Jubiläum feiern – was sich in der Präsidenten-Familie weniger herumgesprochen hat!
Infos:
www.ewg-alaaf.de
Tel. 01 72/3 00 85 34
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