Stand: Juli 2008
 
Malerin in den Fußstapfen der alten Ägypter:
Kunst für Jenseits und Diesseits
Ein Sarg im Garten ist nicht jedermanns Sache. Ausgerechnet am reizvollen Kanalufer in der Spreestraße türmen sich zuweilen gleich mehrere „Erdmöbel“.
Zu danken ist dies „Antje an der Spree“. So bezeichnet sich die 41-jährige ehemalige Sozialarbeiterin und gelernte Familienhelferin Antje Homrighausen, seit sie sich hauptberuflich als Künstlerin betätigt. Spezialität sind Sarg-Malereien, fast wie im alten Ägypten.

 „Das ganze Leben legt man Wert auf Individualität. Am Ende ist dann alles ziemlich uniform“, legt sie ihre Beweggründe dar und erläutert, dass sie „der Tod einer nahen Freundin“ dazu gebracht hat, sich intensiv mit dem Ende des Lebens zu beschäftigen.

Und so kommt es, dass im idyllischen Grundstück die Gartenparty mitunter zwischen Särgen stattfindet. „Die Nachbarn haben sich noch nicht dazu geäußert“, hofft die Künstlerin auf weiteres Verständnis zu ihrer ungewöhnlichen Auseinandersetzung mit dem Tod.

Zweimal haben sich bisher Hinterbliebene für ihre,
allerdings vorgefertigten Kunstwerke entschieden. „Leider hatte ich mit ihnen keinen direkten Kontakt, dabei wäre es am besten, wenn ich mehr über den Verstorbenen wissen würde.“

Im Gegensatz zu den alt-ägyptischen Künstlern steht Antje Homrighausen im Falle des Falles aber unter erheblichem Zeitdruck: „Ich habe für meine Sarggestaltungen maximal eine Woche.“ Mehr Zeit kann sie sich lassen, wenn Urnen künstlerisch zu gestalten sind.

Die Künstlerin, im Nebenberuf Sterbebegleiterin, lernt man als offene und humorvolle Person kennen. Sie zeigt gerne weiblicheAkte, die sie „zur Übung“ zeichnet und überrascht mit „Illusionsmalerei“. Das mit Pinsel und Farbe gestaltete Fenster ist fast lebendiger als das „richtige“ daneben. So hat sie schon in Arztpraxen südländisches Flair geholt, einer Schwimmhalle zu thailändischem Flair verholfen oder einen Friseursalon verzaubert. Im Unterschied zur Sargmalerei überdauern diese Werke länger. Oder ist es umgekehrt? Über die alten Ägypter erfuhren wir ja erst durch die Gräber!

Infos:
Tel. 0 33 62/2 88 60
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