Neuer Wind im Heimatverein

Alt-Bürgermeister kämpft um Baustart

Als Bürgermeister ist man gewohnt, Bürgerklagen zu hören. Sehr oft geht es dabei um lange und umständliche Genehmigungsverfahren bei Bauanträgen. Sind diese Klagen nun berechtigt?
Erkners langjähriger Bürgermeister trat nun zum „Selbsttest“ an! Denn als neuer Vorsitzender des Heimatvereins wurde Joachim Schulze selbst Bauantragssteller. Schließlich soll die Scheune nun zusätzlichen Ausstellungsraum beherbergen, nachdem schon der Kuhstall so idyllisch ausgebaut wurde. Jetzt kann er also testen, wie schnell die Verwaltung ist, der er selbst von 1991 an acht Jahre bis zum freiwilligen Verzicht 1999 vorstand.
Doch selbst wenn die Baugenehmigung vorliegt, wird es dauern, bis das Heimatmuseum mehr Platz hat. Mangels Geld will der Verein das auf 200000 Euro geschätzte Projekt in fünf Jahresabschnitten verwirklichen. Dieses Jahr kann man bereits über 20000 Euro aus der EWE-Stiftung verfügen – sofern die Baugenehmigung nicht allzu lange auf sich warten lässt. Erkners neuer Heimatvereins-Vorsitzender ist in Personalunion Chef des Heimatmuseums und hat mit dem Haus eine ganze Menge vor: Unter dem Stichwort „Lebendiges Museum“ sollen zukünftig Wechselausstellungen dafür sorgen, dass es immer wieder interessant wird, in das strohgedeckte Haus zu kommen. Außerdem soll die Industriegeschichte einen breiteren Platz erhalten. Der Freundeskreis Chemie-Museums soll die Möglichkeit erhalten, Teile der Sammlung zu zeigen. Außerdem strebt Joachim Schulze an, Jugendliche fürs alte Erkner zu begeistern. Schließlich hat der gelernte Schweißer als Bürgermeister gezeigt, dass er Menschen zusammenschweißen und begeistern kann. Erster Schritt soll eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Schulen sein. Übrigens ist Joachim Schulze trotz aller Begeisterung für Erkner und der langjährigen Mitarbeit im Heimatverein gar kein „echter“ Erkneraner. Er kam in Karlshorst zur Welt – in der S-Bahn! Ungeduldig, wie er nun mal ist, wollte er früher als geplant, das Licht der Welt erblicken und überraschte seine Mutter bei der Bahnfahrt. Mit dem Effekt, dass er erst im Alter von sieben Tagen zum ersten Mal Erkneraner Luft atmete!
Infos Tel. 03362/3067

ZUR PERSON: Joachim Schulze war nach der Wende Mitbegründer der örtlichen SPD, deren Vorsitzender er immer noch ist. Seine tiefgreifendste demokratische Erfahrung machte er als „Kirchenältester“ in der evangelischen Kirche, was ihm allerlei Schikanen in der DDR einbrachte. Er lernte beim Gleisbau Berlin, qualifizierte sich zum Ingenieur-Pädagogen und war für die innerbetriebliche Ausbildung zuständig. Besonders gern beschäftigte er sich mit Schweißtechnik, später sollte er dann als Bürgermeister immer wieder divergierende Interessen zusammenschweißen. 1998 war es aus mit Schulzes Karriere als „Dorf-Schulze“. Denn mit der Stadternennung stand der Erkneraner, der in seinem Namen den Bürgermeistertitel trägt und in seiner Ahnentafel tatsächlich einen Bürgermeisters-Kollegen gefunden hat, einer richtigen Stadt vor. Joachim Schulze ist begeisterter Sänger. Im evangelischen Kirchenchor donnert sein Bass, während Ehefrau Edda den Sopran flötet. Das Paar hat drei Kinder und fünf Enkel. Lieblingsspeise des neuen Heimatvereins-Vorsitzenden sind grüne Bohnen, am liebsten frisch aus dem Garten, mit Kartoffeln, Rindfleisch und Speck. Dabei gilt es Geduld zu beweisen, denn „das schmeckt am besten, wenn man es einen Tag stehen lässt!“

Joachim Schulze hat sich vorgenommen, das Heimatmuseum in Fahrt zu bringen.

Schlaf Kindchen schlaf, Joachim Schulze hütet ... das Heimatmuseum.