Rundgang durchs neue Rathaus

Kommt der Bürgermeister ins Schlafzimmer?

Bürgerfreundlich soll es sein, das neue Rathaus von Erkner. Wie lässt sich dies in einem Bau ausdrücken?
„Zunächst einmal geht es darum, dass alle Bereiche mit großem Publikumsverkehr leicht erreichbar sind. Deshalb haben wir das Bürgerbüro und die Tourist-Information im Neubau im Erdgeschoss geplant“, berichtet Michael Horstmann. Er ist der Mann, dem wir in wesentlichen Teilen das neue Erkner zu verdanken haben: So zeichnete der 54-jährige Architekt mit seinem Büro „für die Flächenutzungspläne, nahezu alle Bebauungspläne, die Gestaltungssatzung in der Bahnhofssiedlung oder die Innenbereichssatzung verantwortlich“, wie er berichtet. Und nun auch für das neue Rathaus! Zur Seite steht ihm dabei mit Cornelia Curin-Genterczewsky charmanter Sachverstand mit Behördenerfahrung: „Ich war früher im Bauamt von Erkner tätig“, berichtet sie. Dort ist nun Marlies Franz für Erkners neues „Herz und Gehirn“ zuständig.
Mitte 2004 soll das Gesamtprojekt fertig sein. Dann sollen hier 53 Mitarbeiter arbeiten können. Durch die Konzentration der bisherigen Verwaltungsstandorte erhofft sich Bürgermeister Jochen Kirsch einen wichtigen Einspareffekt.
Momentan wird im Gebäude überall geschuftet. Die Innentüren fehlen, die Böden sind aufgerissen. Man muss aufpassen, nicht über schuhhohe Stahlschienen zu stolpern, die je zwei Stück längs durch die Räume gehen.
„Die Bechstein-Villa wurde um 1860 gebaut und beim Bombenangriff im März 1944 weitgehend zerstört. Heute wissen wir nicht mal, wer ursprünglich der Architekt war. Beim Wiederaufbau nach dem Krieg hatte man wohl keine Möglichkeit, auf historische Details zu achten. Deshalb ist hier kaum mehr etwas aus Bechsteins Zeiten erhalten“, erklärt sich Horstmann, warum er sich nun mit Stahlschienen am Boden herumplagen muss. „Wie soll man da einen Schwimm-Estrich hinbekommen!“ Ebenso erstaunt ihn, dass das Haus viele abgehängte Decken hatte. Dazu waren Holzbohlen ins Mauerwerk getrieben worden.
Wenn schon der Urzustand nicht mehr erreichbar ist, soll zumindest denkwürdiges aus neuerer Zeit erhalten werden. So wird der „legendäre Raum 11“, in dem in der Wendezeit per rundem Tisch die Zukunftsweichen gestellt wurden, weiterexistieren. Dort haben es die Bauarbeiter nicht leicht: Ein massiger Holzschrank unbekannter Herkunft stellt sich immer noch quer: „Der ist so schwer und unförmig, dass wir ihn im Raum ließen. Jetzt bauen wir eben drum herum“, schmunzelt Horstmann.
Noch ist nicht ganz klar, wer wo sitzen wird. In der Diskussion ist, dass im Obergeschoss, wo früher wohl die Schlafzimmer der Bechsteins waren, die „Manager-Ebene“ mit Bürgermeister und Dezernenten entsteht.
Das Mansardendach wird ein Panorama-Fenster zur Seeseite bekommen. Dahinter ist dann der Sitzungssaal vorgesehen. Im Erdgeschoss wird das Trauzimmer sein, das mit seinen vielen Fenstern schon heute sehr einladend wirkt.
Das neue Rathaus von Erkner wird inklusive Anbau übrigens 3,5 Millionen Euro kosten und sich auf einer Netto-Gesamtfläche von 1700 Quadratmeter erstrecken. Die Nutzfläche wird sich auf gut 1300 Quadratmeter belaufen.

So soll Erkners neues Verwaltungsgebäude 2004 aussehen.

In den Turm der Bechsteinvilla kommt der Aufzug.

Cornelia Curin-Genterczewsky, Marlies Franz und Michael Horstmann im legendären Raum 11.

Hier entsteht das Trauzimmer.