Mit dem Boot durchs brandenburgische Venedig

Durch die Stra§en wandern kann man ja uberall. Doch in Erkner gibt es fur einen Stadtbummel einen viel besseren Tipp: Fast wie in Venedig lasst sich der Ort prachtig vom Wasser aus erkunden.Dafur sorgt die Lage zwischen Dameritz- und Flakensee. Heute ist ein schoner Tag, die Sonne lacht und wir machen uns zu der kleinen Bootstour auf. Wer kein eigenes Boot hat, der leiht sich am besten eines im Bootsverleih in der Werftstra§e aus, von wo aus wir nun starten. Los geht es in Richtung Erkner, also Steuerbord. Wer nicht genau wei§, wo das ist, halt sich am besten nach rechts. Genau gegenuber ist der Hafen. Der wurde 1835 geschaffen. Ausloser war die Fertigstellung des Langhanskanals und die Senkung des Kriensees auf die Hohe des Muhlenflie§es. Dadurch wurde die Schifffahrt zu den Ziegeleien am Stienitzsee ermoglicht, um Baumaterial furs aufstrebende Berlin zu befordern. Obwohl es sich hier um einen offentlichen Hafen handelt, sind private Anleger eher selten zu sehen. Heute legen dort fast ausschlie§lich die Ausflugsdampfer der Stern- und Kreisschiffahrt Berlin und die Schiffe der Reederei Kutzger an, die dort ihre Schiffsguter Be- und Entladen. Da wir gerade gestartet sind, wollen auch wir hier nicht anlegen und fahren weiter gerade aus. Rechter Hand teilt sich vom See ein kleiner Graben ab – der Brettersche Graben. Der schlangelt sich durch schone Natur und kleine Spazierwege im Rathauspark, ist aber nicht mit dem Boot befahrbar. Also bleiben wir auf Kurs und kommen zur Brucke der Friedrichstra§e. Links davor sind Anlegemoglichkeiten fur Sportboote. Hier kann man kurz halten um Erkners Hauptstra§e per Fu§ zu geniessen, was einzukaufen, ein Eis essen oder eine Angelegenheit im Rathaus klaren. Unter der Brucke durch geht es weiter. Wer mit einemMotorboot unterwegs ist und den Treibstoff vergessen hat, kann hinter der Brucke links festmachen. Die Boschung rauf ist man gleich an der Stra§entankstelle am Kreisverkehr. Wir fahren weiter den Kanal entlang. Schon geht es unter der Eisenbahnbrucke durch. Der Vorteil hier ist, dass man auf dem Wasser nicht an der Schranke halten muss, wie es die Autofahrer taglich unzahlige Male erleben. Im Jahre 1844 wurde ubrigens die erste Bahnhofshalle in Erkner eingeweiht und damit die Basis fur den komfortablen Schienenverkehr geschaffen. 1862 war bereits ein ausgebautes Schienennetz erschlossen. Seit 1928 konnten die Einwohner von Erkner die erste stadtische S-Bahn nutzen, nachdem die Bahnlinie 1914 an das Berliner Hochspannungsnetz angeschlossen wurde. Hinter der Bahnbrucke erblicken wir links einen gro§en klotzigen Bau auf dem Gelande der fruheren Teerfabrik, die einst Erkners Aufstieg zur Industriestadt begrundete. Heute kann man sich das gar nicht mehr vorstellen, aber riechen kann man es an dieser Stelle immer noch. Jedenfalls, das neue Gebaude ist die Stadthalle. Leider sind hier noch keine Anlegestellen, sonst konnte man mit dem Boot zur Disko oder zum Pop-Konzert, dann ware das mit dem Alkohol sicher nicht ganz so problematisch. Denn nachts schlaft ja in der Regel auch die Wasserschutzpolizei! Die Stadthalle in Erkner wurde 1998 als Mehrzweckhalle erbaut und bietet Platz fur 800 Besucher. Die Freiflache des Parkettbodens betragt 27 mal 45 Meter und ist dreifach teilbar. Durch die Installierung einer mobilen Buhne ist das Spektrum der Veranstaltungen enorm vielfaltig. Wir fahren weiter und gelangen in den Flakensee. Er ist umsaumt von vielen Baumen, kleinen Hausern und naturlich Bootsanlegestellen. Hier kann man entweder zur Schleuse Woltersdorf (mehr dazu auf Seite 34/35) oder man schippert nach rechts in die Locknitz, wo es durch kleine Gartensiedlungen und romantische Natur geht. Man fuhlt sich fast wie in einem verwunschen Paradies. Oder man macht das, was wir machen – einfach Anker ins Wasser lassen, baden gehen und sich in die Sonne legen. Am Abend fahren wir gemutlich beim Sonnenuntergang zuruck und geben unser Boot ab. Aber Vorsicht mit dem Tempo, die Wasserschutzpolizei wacht! Katrin Ehrig

Unter der Bahnbrucke durch geht es weiter Richtung Flakensee.

Auf dem Gelande der alten Teerfabrik ist nun die neue Stadthalle.