Behält Erkner den Bundestags-Sitz?

Auf dem Prüfstand

Die Straßenbahn ist ein Verkehrsmittel, das nicht für Hast und Eile, dafür aber für Zuverlässigkeit, vernünftigen Umgang mit den Ressourcen und sozialen Ausgleich steht. Denn damit kommt jeder, vom Kind über Berufstätige bis zum Rentner sicher zum Ziel.
Ob diese Erfahrung den früheren Straßenbahn-Fachmann im Reichsbahn-Ausbesserungswerk nachhaltig geprägt hat? Irgendwie könnte man es meinen, denn Jörg Vogelsänger, Erkners junger Bundestagsabgeordneter, begann im jugendlichen Alter von 25 Jahren die Geschicke seiner Wahl-Heimat entscheidend zu prägen – doch als Heißsporn würde ihn niemand bezeichnen. „Ich wollte mich einbringen, meine Heimat mit zu gestalten“, erinnert er sich zurück, warum er gleich nach der Wende für die Kommunalvertretung kandidierte und prompt gewählt wurde. Sein ausgleichendes Wesen und der Sachverstand ließen ihn bereits zwei Jahre später zum Vorsitz des Gremiums werden, ein Amt, das er seitdem ausführt. Es folgten die Wahl in den Kreistag und von 1994 an für zwei Legislaturperioden in den Landtag. Eine Zeit, die prägend wurde. So unterschiedliche Politiker wie die stark sozial-engagierte aber auch sehr emotionale Regine Hildebrandt und den heutigen Ministerpräsident Matthias Platzeck nennt er als Vorbilder. „Wir hatten den Reformstau von 16 Jahren Kohl-Regierung aufzulösen und schafften es leider nicht immer, unsere Erfolge begreiflich zu machen. So ist es uns zu verdanken, dass das Gesundheitssystem vor dem Kollaps gerettet werden konnte“, erinnert er sich an die darauf folgende Legislaturperiode im Berliner Bundestag. Verkehrspolitik und Europafragen wurden zum Spezialgebiet des Parlamentsneulings, „weil beides sehr wichtig für unsere Region ist. Viele vergessen bei der Diskussion um Europa, dass Deutschland als Ganzes zwar Nettozahler ist, aber Brandenburg mehr bekommt, als es einzahlt.“ Dabei sind dem bodenständigen Maschinenbauer teure Ärgernisse wie zwei Parlamentssitze in Straßburg und Brüssel ebenso ein Dorn im Auge wie die Tatsache, dass „immer noch Ministerien in Bonn sind“.
Mit 41 Jahren ist Jörg Vogelsänger trotz junger Jahre einer der erfahrensten und vielseitigsten Politiker, die die Region aufweisen kann. Wer sonst kann in dieser kurzen Zeit die Erkenntnisse aus Kommunalpolitik, Kreis- und Landtag sowie Bundestag gepaart mit
Detailwissen in europäische Entscheidungsprozesse zum Wohle seiner Wähler einsetzen? Dennoch ist dem Vater zweier Töchter, der mit einer Physiotherapeutin verheiratet ist, die hohe Politik nicht zu Kopfe gestiegen. Zwar ist Jörg Vogelsänger kein Querulant und gehört nicht zu denen, die bei wichtigen Abstimmungen vom Fraktionschef per Sonderbehandlung überzeugt werden müssen, doch als es ums Vertrauensvotum ging, wollte der Erkneraner aus seinem Herzen keine Mördergrube machen: „Mein Vertrauen in den Bundeskanzler ist ungebrochen, also enthielt ich mich nicht, obwohl das gewünscht war.“ Die vorgezogene Bundestagswahl wird, zumindest für die Erkneraner, zur doppelten Schicksalswahl: Sie wird neben der politischen Frage darüber entscheiden, ob die kleine Stadt am Dämeritzsee weiterhin das Privileg eines eigenen Vertreters im Bundestag behalten kann!

Infos Wahlkreisbüro
Karl Tietz Str. 6, 15537 Erkner, Tel. 0 33 62/2 43 60

Jörg Vogelsänger engagiert sich für Erkner.

Familie Vogelsänger fühlt sich im Grünen wohl.