Stand Juni 2010
Witze ohne Freundin
Er steht auf Heavy Metal und brachte sich die Riffs in nächtelanger Fleißarbeit selbst an der Gitarre bei. Doch niemand wollte ihn hören. Was tun?
„Also beschloss ich, Kabarettist zu werden“, schmunzelt Tilman Birr. Der Falkenseer, erst 30 Jahre alt, blickt auf
humoristische Erfolge seit den Anfängen mit der Abiturrede zurück.
Richtig bekannt machte ihn
allerdings, dass er in München 2008 den begehrten Nachwuchs-Preis „Kabarett Kaktus“ gewann, der unter anderem von der „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ getragen wird.
Unpolitisch und persönlich
Allerdings, im Gegensatz zu denen geht es dem Falkenseer nicht um politisches Kabarett. „Ich erzähle fast immer aus meinem Leben und möchte die Menschen einfach zum Lachen bringen“, beschreibt Birr seinen Ansatz. „Mein größtes Kompliment ist, wenn die
Zuhörer über meine Witze lachen. Dann gehe ich mit einem schönen Gefühl nach Hause.“
Für seine Ideen pendelt er zwischen der WG in Berlin-Friedrichshain und dem idyllischen Haus der Großeltern in
Falkensee. „In der WG gehe ich oft allen auf die Nerven, weil die nicht dauernd Witze hören wollen“, berichtet er. „In Falkensee finde ich die Ruhe, um meine Programme zu entwerfen.“
Tilman Birr setzt auf der Bühne auf Minimalismus. Er tritt gerne ganz alleine auf, liest seine Texte wie aus einem Tagebuch vor. „Manchmal
mische ich das mit eigenen Liedern und Musikparodien“, berichtet er weiter.
Krönung in der Schweiz
Das Konzept kommt an:
Tilman Birr hat feste Fans in Berlin, wo er einmal im Monat mit seiner eigenen „Samstagsshow“ in der Z-Bar in Mitte auftritt. Seine spröde-komischen Texte sind in Westdeutschland gefragt, er ist beim WDR „Poetry Slam“ zu Gast. Besonders viele Fans hat er in der Schweiz: „Die haben ein besonderes Verständnis für Humor“, hat der Falkenseer erfahren. So hat er beim Kleinkunstfestival „Krönung“ im Casino-Theater Burgdorf bei Zürich „den Tag“ gewonnen. Überhaupt, was Humor angeht, so macht Tilman Birr ein regelrechtes Nord-Süd-Gefälle aus: „In Sachsen und Bayern lachen sie aus ganzem Herzen während die gleichen Pointen in Niedersachsen
keinen Anklang finden.“
Lesetheater für Frankfurt
Übrigens ist Tilman Birr sogar Unternehmer: Er wunderte sich darüber, dass es in Frankfurt am Main keine einzige „Lesebühne“ gibt: „Dort können unbekannte Autoren ihre Werke vortragen. Dazu gibt es Musik, Parodie und Unterhaltung“, erläutert der umtriebige Künstler. Also gründete er flugs ein derartiges Podium und pendelt nun ständig zwischen West und Ost.
Tilman Birr kann auf zahlreiche Fernseh- und Rundfunkauftritte zurückblicken. Seine erste Faszination für humorvolle Texte begann im zarten Alter von 14 Jahren. Während andere sich nach Mädchen umsahen, begann Tilman Birr sich mit dem israelischen Satiriker Ephraim Kishon zu beschäftigen.
Kishon zeigte Wirkung, Birr steht heute mit Stars wie Herbert Feuerstein auf der Bühne. Die Mädchen allerdings lassen immer noch auf sich warten!
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