Stand Juni 2010
Mammut und Mörder
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Sein „Handwerk“ hatte er im Krieg gelernt und wurde dafür mit dem „Eisernen Kreuz“ ausgezeichnet. Anschließend konnte er
allerdings nicht mehr von der Waffe lassen. So kam es, dass Falkensee das zweifelhafte „Verdienst“ zukam, als Tatort für den „ersten Serienmörder der Neuzeit“ in die deutsche Rechtsgeschichte einzugehen.
Friedrich Schumann machte als „Massenmörder vom Falkenhagener See“ Schlagzeilen. Er tötete scheinbar wahllos Männer und Frauen. Darunter waren Nachtwächter, Gendarmen, Dienstmädchen, Lehrer und Förster. Schumann war 1893 in Spandau auf die Welt gekommen, war bis 1916 im Krieg und trieb dann bis zu seiner Festnahme 1919 sein Unwesen. Er hatte, als er den Revierförster töten wollte, eine Kugel an der Schulter abbekommen und war blauäugig zum Arzt gegangen, der Verdacht schöpfte und die Polizei alarmierte. Nach einem Aufsehen erregenden Prozess in Berlin wurde Schumann zum Tode verurteilt. Trotz guter Chancen auf ein Revisionsverfahren drängte er selbst auf die Hinrichtung, die 1921 erfolgte.
Die Geschichte des Massenmörders Friedrich Schumann wird nun erstmals nach langer Zeit wieder ans Tageslicht geholt. Nach der baulichen Renovierung zeigt sich das frühere „Heimatmuseum Falkensee“ nun unter neuem modernerem Namen „Museum und Galerie Falkensee“. Es lädt in neu gestaltete Räume zu neuen Ausstellungen.
Eine davon widmet sich Menschen, die auf die eine oder andere Art in Falkensee Schlagzeilen gemacht haben. Dazu gehörten Bruno Cassirer, der 1910 das Gestüt Damsbrück gegründet hat. „Es wurde federführend bei der Zucht von Pferden für den Trab-Rennsport“, so Museumsleiterin Gabriele Helbig. Maria Benemann öffnete den Salon ihres Hauses in Finkenkrug der geistigen und gesellschaftlichen Elite des aufstrebenden Berlin. Bei ihr traf sich von 1912 bis 1915 was „Rang und Namen hatte“. Sie schrieb selbst Märchen und Gedichte. Mit dem Tod ihres Manns im Ersten Weltkrieg bekam sie Geldprobleme. Falkensee verlor einen wichtigen Anziehungspunkt.
Und noch einen „berühmten Falkenseer“ setzt das Museum erstmals richtig ins Bild: Endlich gibt es Platz, um dem einzigen Mammut weit und breit entsprechende Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.
Weitere neue Schwerpunkte der ständigen Ausstellung betreffen Falkensee während der NS-Zeit sowie die Phase bis zur Wende. Da trifft man dann auf „alte Bekannte“ wie die beliebte Schrankwand aus dem „VEB Möbelkombinat Neuzera, Betriebsteil Falkensee“ oder auf eine Saftpresse von 1946. „Natürlich werden wir daneben wie gewohnt interessante Wechselausstellungen anbieten“, lädt
Gabriele Helbig ein. Ein
Besuch in dem historischen Gebäude ist deshalb immer interessant.
Info:
Museum u. Galerie Falkensee
Falkenhagener Straße 77
14612 Falkensee
Tel. 0 33 22/2 22 88
www.museum-galerie.falkensee.de
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