Stand Juni 2011
Väter und Töchter im Rampenlicht
Wie der Vater so die Tochter? Bei den „Dreamdaddys“ in Falkensee werden ganz offensichtlich Mädchenträume wahr! Das führte nun zu großem deutschlandweiten Aufsehen!
Sozusagen „über Nacht“ gaben sich in Falkensee Fernsehsender, Radiostationen und Zeitungsjournalisten die Klinke in die Hand. Anlass war die Auszeichnung der „Dreamdaddys und ihrer Töchter“ durch Bundespräsident Christian Wulff als
„Sterne des Sports“ im Februar 2011.
Carsten Klinke, 46, treffen wir gerade beim Üben mit Tochter Cindy, 14. Das „Paar“ gehörte mit sieben weiteren Vätern zu den Gründern der ungewöhnlichen Gruppe. „Bei uns geht es darum, dass die Väter zusammen mit ihren Töchtern gemeinsam auftreten“, umreißt Carsten Klinke.
12 Väter, 14 Töchter
„Seit unserer Gründung 2003 ist die Gruppe auf zwölf Väter mit 14 Töchtern angewachsen.“ Ziel der Übungen ist, beim akrobatischen Showturnen erfolgreich zu sein. Saltos, Überschlag, Tanzschritte und Turnfiguren verschmelzen zu fließenden Bewegungen, meist nach der Choreografie der Falkenseerin Ines Meintzer, die zugleich für die Kostüme sorgt.
Was für die Mädchen, die 2003 im Alter von fünf bis sechs Jahren mit dem Üben begonnen haben, mit viel Elan erreichbar war, stellt viele Väter vor schwierige Herausforderungen. Manche hatten vorher keinen Sport betrieben und sollten nun akrobatische Übungen machen!
Sportschule verpasst
Carsten Klinke war beim Vorläufer des heutigen TSV Falkensee, bei Motor Falkensee, ein hoffnungsversprechendes Talent. „Ich habe in den 1970-er Jahren Turnen als Leistungssport betrieben, verpasste aber knapp die Delegation an die Sportschule“, blickt Familienvater Klinke zurück.
Die Idee, zusammen mit den eigenen Kindern aufzutreten, wurde von Vorstandsmitglied Birgit Faber mit entwickelt. „Viele unserer Leistungssportlerinnen suchen eine Abwechslung im Showturnen.“
Kinder geben das Niveau vor!
Die stolzen Väter wollten sich da nicht „lumpen“ lassen und sagten kurzerhand ja. Nun stellte sich aber als Problem, dass man vor den eigenen Kindern unbedingt glänzen musste. „Also galt es für manchen Daddy sehr viel zu üben“, schmunzelt der heute 46-jährige Carsten Klinke, der hauptberuflich als Bauleiter tätig ist. Denn es gilt: „Die Kinder geben das Niveau vor!“
Zusammen mit dem Vater um Erfolge kämpfen, das ist ein ganz neues Erlebnis in der Familie. Die Großen erleben, dass die Kleinen ihnen in manchem überlegen sind. Die Mädchen spüren im Sport den großen Rückhalt durch den eigenen Vater.
Pubertät als Problem?
„Selbst jetzt, wo viele Mädchen in die Pubertät kommen, bleibt dieses Zusammengehörigkeitsgefühl erhalten. Natürlich gibt es nun vermehrt Diskussionen. Allerdings wissen beide Seiten durch die Erfahrung im Sport, dass man Probleme fair austrägt, am Schluss wieder aufeinander zugeht und weitermacht. Durch den Sport ist die Bereitschaft zum gegenseitigen Verständnis sicher viel größer als sonst zwischen den Generationen“, beschreibt Klinke.
Stars im Fernsehen
Gerade bereiten sich die Falkenseer auf die Weltgymnastrada vor, die vom 10. bis 16. Juli 2011 im schweizerischen Lausanne am schönen Genfer See stattfinden wird. Dort werden sie beim weltweit größten Turnfest mit 23 000 Sportlern aus 50 Ländern als Showturngruppe Deutschland mit repräsentieren!
Sportliches Aufsehen erregten das Dutzend Väter mit ihren gelenkigen Töchtern schon früher. So wurden sie beim bundesweiten Wettbewerb „TuJu-Stars“ 2007 als zweitbeste Showturngruppe von ganz Deutschland ausgezeichnet. 2009 waren sie zu den Feierlichkeiten „60 Jahre Bundesrepublik Deutschland“ in den ZDF-Fernsehgarten geladen. Beim dortigen Wettbewerb konnten sie vor einem Millionenpublikum den dritten Platz gewinnen.
Die Tänzerinnen sind größtenteils zugleich Leistungsturnerinnen. Als solche konnte Cindy Meintzer  2010 beim Wettkampfturnen um den Deutschlandcup einen beachtlichen 10. Platz erreichen.
Präsidenten-Plausch
Wer so bekannt ist, kommt viel herum. Carsten Klinke erinnert sich noch gut an das Zusammentreffen mit dem früheren Bundespräsidenten Horst Köhler am Rande des Bundesjugendevents in Weimar. „Köhler ließ seinen Wagen anhalten, kam zu uns und unterhielt sich ganz ungezwungen über unser Projekt. Man sagte ihm ja immer nach, dass er so steif sei, das war bei dieser Begegnung gar nicht der Fall“, so Carsten Klinke. Ebenso überzeugt ist er von dessen Nachfolger.
Die Dreamdaddys sind übrigens nur deshalb ohne Dreammamis, „weil sich leider noch keine Mutti bei uns eingefunden hat“.
Wie lange?
Klinke ist mittlerweile an Interviews, Fernsehauftritte und Reporterfragen gewöhnt: „Eine Frage taucht immer auf: ‚Wie lange macht ihr das noch, die Mädchen werden ja älter.“
So lästig diese Frage scheint, sie kreist immer mehr im Kopf der Dreamdaddys: „Einerseits werden wird selbst ja nicht jünger. Andererseits werden die Mädchen natürlich erwachsener. Irgendwann kommt sicher der Tag, wo sie nicht mehr unbedingt mit dem Vater auftreten wollen.“
Mit Verwurzelung
Erfahrungen, auf die man zurückgreifen könnte, gibt es keine. Falkensees Dreamdaddys sind Pioniere auf
ihrem Gebiet.
„Unsere Idee wurde vom Sportbund begeistert aufgenommen und propagiert. Es sind immer wieder ähnliche Gruppen entstanden. Doch keine hielt wirklich durch und ist so kontinuierlich über die Jahre aktiv wie wir. Das hob der Bundespräsident auch besonders hervor.“
Schön ist, dass die ausgezeichneten Showturner gerne in Falkensee auftreten. „Ein guter Anlass wäre dieses Jahr das Stadtfest, schließlich wird in diesem Rahmen 50 Jahre Stadtrecht Falkensee gefeiert“, hat sich Carsten Klinke schon überlegt. Ob die Idee der Dreamdaddys als Bewegung im Sport auch mal dieses Alter erreichen wird?
Infos: Tel. 01 76/66 65 52 29
Silber 002.tif
2010 Dreamdaddys und ihre Töchter.tif
dd10346.tif
2007 Weimar 001.tif
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