Stand Juni 2011
Mathe für den König, Arien fürs Volk
Selbst ein König muss die Schulbank drücken. Ein guter Lehrer kann da manche Weichen stellen.
Dass Friedrich der Große gut rechnen konnte, verdankte er mit einer Familie aus dem lothringischen Metz, die wie viele andere protestantische Franzosen vor den religiösen Verfolgungen ins liberale Preußen geflüchtet war. „Mein Vorfahre Philip Naudé war Professor und hat den späteren Preußenkönig als Kind in Mathematik unterrichtet“, weiß Kristina Naudé. Damit kann Falkensee nun von sich sagen, ganz Wesentliches zu Glanz und Gloria von Preußen beigetragen zu haben. Wer hätte das von einer gerade mal 50 Jahre alten Stadt gedacht. Kristina Naudé tritt in diese Fußstapfen, mit Gesangsunterricht.
Musik im Blut
Kristina Naudé erinnert sich außerdem an die lange musikalische Tradition in ihrer Familie. So war es für sie eigener Wunsch, als kleines Mädchen im Alter von sechs Jahren Geige zu üben. „Unseren Eltern war die Musikausbildung wichtiger als Schulerfolge.“
Der elterliche Wunsch ging gleich mehrfach in Erfüllung: Kristina Naudé ist heute als sehr vielfältige Sängerin bekannt. Sie sammelte Erfahrungen mit Musicals, machte eine klassische Gesangsausbildung an der Hochschule der Künste in Berlin, ist als Mozart-, Bach- und Brahms-Interpretin ein Begriff und tritt mit eigenem Chanson-Programm zusammen mit Bruder Ulrich Naudé auf. Der ist bekannter Pianist und war mit der Reihe „Annettes DaschSalon“ regelmäßig auf „3Sat“ zu sehen.
Mutti hat die Hosen an!
Wer mit der freundlichen Künstlerin ohne Starallüren spricht, würde kaum denken, dass sie äußerst gerne „die
Hosen an hat“, zumindest auf der Opernbühne. Auf der „heimischen Bühne“ in Falkensee setzt die Mutter von Magdalena, 6, und Simon, 10, auf
harmonische Kooperation mit ihrem Ehemann, dem bekannten Maler und Illustrator Ludvik Glazer-Naudé. Die Freude an „Hosenrollen“ im Theater entdeckte sie gleich nach dem Studium, als sie in der Rolle des Ramiro in der Mozart-Oper „La finta giadiniera“, zu deutsch „Die Gärtnerin aus Liebe“ während einer Tournee mit der Berliner Kammerphilharmonie das Publikum in Kanada begeisterte.
Opulente Schlussszenen
Die Lieblingsrolle für Kristina Naudé ist dennoch eine ganz weibliche, die Partie der „Dorabella“ aus der Mozart-Oper „Cosi fan tutte“. Dabei fasziniert sie vor allem das feurige Temperament der Rolle. Mit zur Mozart-Faszination tragen die opulenten Schlussszenen bei: „Dann kommen alle auf die Bühne, jeder singt was anderes, und dennoch klingt es einfach toll!“
Kristina Naudé trat mit viel Beifall bei den bekannten Bad Hersfelder Opernfestspielen, im reizvollen Theater von Putbus auf Rügen, am Landestheater Detmold, auf Bühnen in Görlitz, Bad Lauchstädt, im Schloßparktheater Berlin und an der Neuköllner Oper auf. „Ich reise gerne“, sagt sie und freut sich, dass Ehemann Ludvik Glazer-Naudé sein Atelier im geschmackvoll-bunten Holzhaus in Falkensee untergebracht hat und so bei der Kinderbetreuung mitmachen kann. „Wenn nötig, helfen meine Eltern gerne aus.“
Von Oper bis Konzert
Neben Opern der Wiener Klassik faszinieren sie ebenso neuere Werke. In der 1893 uraufgeführten Oper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck hat sie, typisch Kristina Naudé, nicht die Rolle der Gretel sondern  die des Hänsel für sich entdeckt. Allerdings, in dieser Partie kann man sie oftmals nur hören und nicht sehen. Denn die Falkenseerin wurde vom weltberühmten Salzburger Marionettentheater verpflichtet, diese Rolle auf CD einzusingen.
In der Oper „La voix humaine“ von Francis Poulenc von 1959 ist sie stets in der Hauptrolle zu sehen: „Das ist eine Ein-Personen-Oper und deshalb sehr anstrengend“, gibt sie zu. In der Oper liebt sie die werksgetreue Inszenierung: „Die Stoffe von damals erlauben uns einen Einblick in die Zeit, den man sonst oftmals gar nicht bekommen würde. So kann man beispielsweise durch die ‚Zauberflöte‘ Einblicke in das Logenwesen erhalten, wie es ja heute immer noch existiert.“
Liebe und Leid
Wer nicht das Glück hat, die Opernsängerin bei einer ihrer weltweiten Auftritte zu erleben, dem sei das „Trio Notturno“ mit Kristina und Ulrich Naudé sowie Tenor Marcel Sindermann empfohlen. Hier gibt es einen speziellen Leckerbissen: Für die szenischen Chansons greift die Künstlerin wieder in den Geigenkasten und lässt, neben ihrem Mezzosopran, das Instrument ihrer Kindheitstage erklingen. Die Chansons aus den 1920-er und 1930-er Jahren sind zu einer Liebesgeschichte arrangiert, die vom Sich-Kennlernen und Wieder-Verlieren erzählt.
Allerdings, autobiografisch ist das Thema bei Kristina Naudé nicht, denn ihre Liebe zu Ehemann Ludvik Glazer-Naudé, die am Rande eines Konzerts begann, weist keine Brüche auf und hat damit bis auf den Anfang wenig von den Opern- oder Liederstoffen, für deren Interpretation sie in vielen Ländern der Welt überaus geschätzt wird.
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