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Autos statt Ehefrau!

Stand Juni 2014

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Es dauerte seine Zeit, bis der Funke für
die große Liebe zündete. Da war der
Falkenseer bereits solide 37 Jahre alt.
Seine Freundin glänzte mit noch mehr
„Reife“. Die Brieselangerin konnte
damals bereits auf ein halbes
Jahrhundert zurückblicken!

„Allerdings war sie in einem
bedauernswerten Zustand“, erinnert sich
Horst Higeist. „Dennoch wollte ich sie
unbedingt haben!“ Trotz oder gerade
wegen des Altersunterschieds hielt die
große Liebe ungebrochen bis heute.
Erstaunlicherweise glänzt die Angebetete
trotz ihrer mittlerweile über 80 Jahre wie in
jungen Jahren. Rentner Horst Higeist hat
das in einem ganz speziellen
„Verjüngungsverfahren“ erreicht.  

Hobby statt Familie

Allerdings, bei der großen Liebe handelt es
sich nicht um eine lebendige Frau, sondern
um eine Schönheit auf vier Rädern. Es ist
eine Oldtimer-Limousine der Marke
„Wanderer“ Typ W10/4 aus dem Jahr
1931. Doch das mit der Liebe stimmt, denn
neben dem Fahrzeug und einer
ausgedehnten Sammlung von Motorrad-
Oldtimern war einfach kein Platz mehr für
eine Ehe. „Ich war mit 21 Jahren für kurze
vier Jahre verheiratet und seitdem nie
wieder“, verblüfft der Rentner.  

Schwierige Steigung

Der „Lohn“ für das Opfer ist, dass er seine
Leidenschaft für mobile Schönheit voll
genießen konnte. Seit den 1980-er Jahren
ist Horst Higeist der gute Geist von
Oldtimer-Freunden im Havelland.
Anstoß war ein Gespann, ein Motorrad mit
Beiwagen. „Ein Freund hat mir erzählt,
dass das in Brieselang vor sich
hingammelt. Die Besitzerin wusste nichts
damit anzufangen und wollte es unbedingt
loswerden. Es war eine NSU 501T von
1928. Obwohl das Motorrad einen für
heutige Verhältnisse sehr großen
Motor mit 500 Kubikzentimeter Hubraum
hat, kam es gerade mal auf elf PS. Dafür
brachte es mit Seitenwagen stolze 300
Kilogramm auf die Waage. Die
Höchstgeschwindigkeit hatte der Hersteller
mit 95 Stundenkilometer angegeben, bei
mir war der absolute Spitzenwert Tempo
70. Besonders bei Steigungen tut man sich
damit schwer“, schildert Higeist die
spannenden Details früherer
Ingenieurkunst.  

Gemächlich zum Erfolg  

Seine Liebe zur Technik und die Lust, sein
Leben dem Duft von Benzin und Öl zu
widmen, führt Horst Higeist auf seinen
Vater Kurt Higeist zurück: „Der langweilte
sich als Verwaltungsangestellter bei der
Bahn. In der Folge reparierte er alles, was
es so im Haus zu tun gab. Dabei wurden
mein Bruder und ich immer mit
einbezogen. Das führte dazu, dass uns die
Leidenschaft für Technik sozusagen in die
Wiege gelegt wurde.“ Der Oldtimer-Fan
machte eine Lehre in der Feinmechanik,
ließ sich dann als Werkzeugmacher
ausbilden. Im zarten Alter von 30 Jahren
beschloss er, nochmals die Schulbank zu
drücken, um sein Elektronikstudium zu
absolvieren. Er sammelte praktische
Erfahrung im Gerätewerk in Brieselang
und bei Polymat in Staaken.  

Falkensee als Zentrum

Trotz der Liebe zu Fahrzeugen, die uns
bewegen, ist der in Falkensee geborene
Oldtimer-Fan seiner Stadt immer treu
geblieben. „Ich bin viermal umgezogen,
aber immer nur innerhalb von Falkensee
und nie weiter als einen Kilometer von der
vorherigen Wohnung entfernt.“ Horst
Higeist hat mit seiner Leidenschaft dafür
gesorgt, dass Falkensee zu einem
Begriff für Oldtimer-Freunde wurde. Er
organisierte bis zur Wende immer wieder
Treffen, die Fans aus ganz Ostdeutschland
mit ihren „Schätzen“ ins Havelland
brachten. Als Vorsitzender der
„Oldtimerfreunde Falkensee“ hält er in der
Stadt die Liebe zu verflossener
Ingenieurskunst hoch und macht bei
„Ausfahrten“ in ganz Deutschland auf das
Havelland aufmerksam.  

Langer Atem

Wer den Atem alter Zeiten
aufrechterhalten möchte muss mitunter
einen langen Atem haben: So dauerte es
bei Horst Higeist sagenhafte 30 Jahre, bis
er seinen „Wanderer“ wieder dazu brachte,
Wanderungen auf  vier Rädern zu
ermöglichen. Doch in den mittlerweile vier
Jahren, die der völlig restaurierte Wagen
nunmehr wieder am allgemeinen
Verkehrsgeschehen teilnehmen kann, hat
der Oldtimer zusammen mit seinem
Inhaber viel gesehen: Der Tacho weist über
4000 neugefahrene Kilometer auf. Dabei
ist jeder Meter echte Handarbeit: „Die
Lenkung hat keine Servounterstützung und
verlangt dem Fahrer viel Kraft ab. Dazu
kommt, dass man beim Schalten aufpassen
muss, denn das Dreigang-Getriebe ist nicht
synchronisiert.“

Kanone im Vorgarten  

Bei so vielen fahrbaren Schätzen gilt es
sich gegen fremde Eindringlinge zu
schützen. Horst Higeist macht das auf
seine ganz spezielle Weise, mit einer
funktionstüchtigen antiken Kanone im
Vorgarten: „Die stammt von 1804 und war
auf einem schottischen Handelsschiff
untergebracht, um sich gegen Piraten zu
schützen!“ Offenbar erfolgreich, denn
sonst wäre sie ja nicht mehr erhalten.

Infos:
Tel. 01 52/07 26 24 56
www.oldtimerfreunde-falkensee.de 

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