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Puppenserien wie Muppetshow oder die Teletubbies für die ganz Kleinen sind heute jedem Kind ein
Begriff. Hingegen erinnert sich ans „Kasperle“ fast nur noch die Oma!
Dabei ist diese Figur einer der Vorläufer heutiger Kinderserien. Sehr damit beschäftigt hat sich eine
Finkenkrugerin, die es im Leben alles andere als leicht hatte, ihre künstlerische Ader zu  beweisen. „Ottilie
Ehlers hatte immer das Problem, in dem Schatten ihrer berühmten Schwiegermutter Käthe Kollwitz zu
stehen“, weiß Gabriele Helbig.  
Vergessene Künstlerin
Die Leiterin von „Museum und Galerie Falkensee“ bringt nun erstmals Licht ins Leben der lange
„vergessenen“ Künstlerin aus Finkenkrug. Diese hatte unter anderem als Illustratorin eines „Kasperle“-
Buchs in den späten 1920-er Jahren Kinderherzen verzückt und zudem Ausgaben von Grimms Märchen
bebildert. Familie Ehlers, der die Künstlerin entstammt, spielte für Falkensee eine sehr wichtige Rolle. Ihr
verdankt Neu-Finkenkrug überhaupt erst die Entstehung.
Gründungsväter von Finkenkrug
Dies initiierte Bernhard Ehlers. Der Sohn eines bekannten Weinhändlers im ostpreußischen Königsberg
hatte früh das Potenzial der noch weitgehend brachliegenden Felder vor den Toren der aufblühenden
Industriestadt Spandau mit Großbetrieben wie AEG und Siemens erkannt. So erwarb er 1888 das
verkehrsmäßig günstig gelegene Rittergut Seegefeld, das sich zwischen dem gleichnamigen Bahnhof und
dem Bahnhof Finkenkrug erstreckte. Er nutzte es erst zusammen mit seiner Frau Ottilie Ehlers als
Sommersitz, später dann ganzjährig. Bereits 1891 entwickelte er Pläne zu einer
Villenkolonie, die von 1895 an entstand.
Bauhaus bewegt
Fünf Jahre später wird die kleine Ottilie als fünftes Kind der Familie geboren. Sie erhält den Vornamen der
Mutter. Mit 19 Jahren beginnt sie ein Kunststudium in Berlin. Ihre Lehrer kommen aus der Bauhaus-
Bewegung um Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe. Sie weisen den Weg zu einer Kunstform, die
sich in der Entwicklung von Logos und Buchillustrationen ausdrückt.  
Partyliebe
Mit 20 heiratet sie Hans Kollwitz. Sie hat ihn bei Partys eines gemeinsamen Freundes von ihr und ihren
Schwestern in Ferch kennengelernt. Bei dessen Mutter Käthe Kollwitz gibt es diverse lobende
Eintragungen: „Braun und heiß und stark, eine wahre Augenfreude. Die Ehlerschen Mädchen kommen.“
Aus der Ehe gehen vier Kinder hervor. Die Familie macht Druck auf Ottilie, sich lieber der Erziehung des
Nachwuchses als ihrer Kunst zu widmen.
Späte Wiederentdeckung
Ottilie Ehlers-Kollwitz widmet sich Holzstichen, die sie handcoloriert. Viele der Arbeiten gehen im Zweiten
Weltkrieg verloren. Erst als ihr Sohn, der mittlerweile pensionierte Berliner Mediziner Professor Arne
Kollwitz sich daran macht, den Nachlass der 1963 verstorbenen Mutter zusammen zu stellen und 2010
erstmals in einer Ausstellung präsentiert, wird die Kunstwelt erneut aufmerksam. 2014 erschien seine
Monographie über das Leben der Mutter. Nun endlich präsentierte das Käthe-Kollwitz-Museum in Köln eine
Werkschau mit den mühsam zusammengestellten Arbeiten der Finkenkrugerin. Gabriele Helbig gelang das
Kunststück, diese Ausstellung nach Falkensee zu holen, und das ausgerechnet im geschichtsträchtigen
Jubiläumsjahr von Seegefeld, wo Bernhard Ehlers als letzter Rittergutbesitzer Geschichte geschrieben hat.
Von 25. September bis 29. November 2015 lädt die Ausstellung „Nähe und Distanz“ mit Malerei und Grafik
von Ottilie Ehlers-Kollwitz ein.
Sandmännchen und Malerei
Vorher spricht die Schau „Sandmann im Märchenland“ Fans unterschiedlicher Generationen an. Ab 4.
Dezember 2015 gibt es dann eine spannende Gemeinschaftsausstellung. Darunter sind unter anderem
Bilder der renommierten zeitgenössischen Falkenseer Maler Sabine Ostermann und Thomas Schindler zu
sehen.  
Infos:
Museum und Galerie Falkensee
Falkenhagener Straße 77
14612 Falkensee
Tel. 0 33 22/2 22 88  
www.museum-galerie-falkensee.de
Stand Juni 2015
Kasperle aus Finkenkrug
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