Dies ist ein Archiv-Eintrag aus dem Jahre 2016!

Bürgermeister
Heiko Müller

Weichenstellung für älter werdende Stadt

Stand: Juni 2016

Falkensees wiedergewählter Bürgermeister liebt offenbar die Spannung: Obwohl es noch gar keine offizielle Baufrei­gabe gab, hielt er am Eröffnungstermin der neuen Stadthalle fest.

Erst wenige Stunden, bevor die Einweihung gefeiert werden sollte, gab es grünes Licht. Von dieser Nervenanspannung war Heiko Müller aber nichts mehr anzumerken, als er zusammen mit seiner Rock-Band „Second Nature“ am 1. April 2016 das neue Wahrzeichen von Falkensee einweihte.

Sport, Spaß, Kultur
Damit hat die Stadt eine neue wettkampftaugliche Sport­halle und einen Veranstaltungsbereich. Heiko Richter, bekannt von vielen aufsehenerregenden Festen und Veranstaltungen, wird dafür sorgen, dass ein breites Kultur­leben die schöne Halle füllen wird. Der Sportbereich wartet mit einer modellhaften Bewegungslandschaft auf, die in Zusammenarbeit zwischen TSV Falkensee und der Stadt entstand. „Sie steht den Kindern aus dem Verein sowie für Kitas und zur freien Nutzung zur Verfügung“, lädt Bürger­meister Heiko Müller ein.

Unplanmäßiger Hallenbau
Die alte Stadthalle wird bald der Abrissbirne zum Opfer fallen: „Das Problem ist, dass sie in keiner Weise mehr den heute geltenden Bauvorschriften entspricht. Um sie zu erhalten, hätte sie vollständig entkernt und neu aufgebaut werden müssen, was einfach unwirtschaftlich wäre. Die Raumaufteilung entspricht ebenfalls nicht mehr einer Nutzung wie wir sie heute haben“, beschreibt der Bürgermeister die Hintergründe. Er gibt aber gerne zu, dass er über das geplante Verschwinden der Halle persönlich traurig ist, denn daran hängen viele Erinnerungen: „Das Gebäude war unplanmäßig als Aktion von Eltern, Sportlern und auf Initiative eines Betriebs entstanden. Insbesondere Sportlehrer Günther Hauer, den alle nur als ‚Fiete’ kannten, machte sich verdient und erfand neue ‚Turnübungen’ wie Steine schleppen und Beton anrühren“, weiß Heiko Müller, der ebenfalls beim Bau Hand anlegen durfte. „1974 war Beginn, 1978 wurde der erste Teil fertig, 1984 war das Ensemble komplett“, erinnert sich Heiko Müller.

Reizvolles Quartier
Mit der neuen Stadthalle ist dort ein reizvolles Quartier entstanden, wo vorher Brachland und Baracken waren. Der Vorplatz der Halle gegenüber der Europaschule kann für Außenveranstaltungen genutzt werden und eröffnet weitere Perspektiven. Für kleinere Veranstaltungen steht das Musiksaal­gebäude gegenüber zur Verfügung. Als nächstes hat der Bürgermeister das angrenzende Bahnhofsquartier im Auge. Hier sollen neue Wohn- und Geschäftshäuser entstehen. Denn Falkensee hat ein aktuelles Problem: „Die Hauptstadtregion entwickelt sich seit dem Mauerfall, wie andere Weltstädte es schon früher konnten und wächst in Richtung Umland. Die Folge ist Wohnraumknappheit, was immer mehr spürbar wird.“

Senioren im Vormarsch
Deshalb wird Falkensee jetzt überlegen müssen, wie neue preislich attraktive Mietwohnungen geschaffen werden. „Im innerstädtischen Bereich stehen dafür kaum Flächen zur Ver­fügung. Zudem wollen wir ja den Charakter als Gartenstadt erhalten. Deshalb gibt es Überlegungen, Freiflächen, wie etwa an der Spandauer Straße, zu Bauland umzuwidmen“, gibt Heiko Müller Einblick. „Wir spüren momentan sehr stark den demografischen Wandel. Viele, die neu nach Falkensee ziehen möchten, sind im Renten­alter.“ Schnell wird diese Weichenstellung hin zu neuem Wohnraum allerdings nicht erreichbar sein, denn dafür muss erst Baurecht geschaffen werden, was bekanntlich seine Zeit dauert.

Anschub für Verkehr
Wesentlich flotter wird es mit dem bereits geplanten Umbau des Kreisverkehrs gehen, um den Dauerstau auf der Spandauer Straße zu entschärfen: „Die Aufnahmefähigkeit hängt von der Entfernung der Einfahrten ab. Wenn diese eng beisammen liegen, erkennen viele Autofahrer zu spät, ob der im Kreis befindliche Wagen herausfährt. Deshalb wird diese Anlage so erweitert, dass mehr Fahrzeuge aufgenommen werden können.“ Zudem wird die Spandauer Straße bis zur Stadtgrenze von Berlin ausgebaut. Dabei wird die Anzahl der Fahrspuren von bisher zwei auf vier verdoppelt. Zwei der neuen Trassen sind für Radfahrer gedacht. Der Bus erhält Haltebuchten, so dass der Autoverkehr auf einer eigenen Spur möglichst störungsfrei stattfindet.

Supermarkt kontra Bäume
Beim Erklären der Situation kommt der Bürgermeister ins Sinnieren: „Um ein Haar hätte hier der letzte Supermarkt geschlossen. Dann wäre das Wohngebiet komplett ohne Nahversorgung. Das wäre für die vielen Senioren eine Katastrophe. Von den anderen zahlreichen Familien sind ebenfalls viele ohne Auto und deshalb auf zu Fuß erreichbare Einkaufsmöglichkeiten angewiesen.“ Dieses Problem zeigt sich in Falkensee an vielen Stellen. Ursache ist, dass die Supermärkte sich auf die älter werdende Bevölkerung umstellen. Damit man bequem mit Rollator und anderen Hilfsmitteln stöbern kann, werden die Gänge zwischen den Regalen breiter und die Regale niedriger. „Dies erfordert mehr Platz. Steht dieser für eine entsprechende Erweiterung nicht zur Verfügung, droht eine Schließung der Filialen. Häufig ist eine Erweiterung aber nur mit Eingriffen ins Grünland möglich“, beschreibt Heiko Müller das Dilemma. „Von acht Standorten sind fünf in Gefahr.“

Wann kommt das neue Bad?
Nach wie vor in der Diskussion ist die Schwimmhalle. Wieder sind es die Senioren, die hier vernehmlich rufen. Zudem sind es Familien, die ihre Kinder gerne in den Zeiten, wo es fürs Waldbad zu kalt ist, ebenfalls ins Becken hüpfen lassen wollen. Die Stadtverordnetenversammlung hat dazu erste Weichen gestellt, indem sie mehrheitlich einem Einwohnerantrag zugestimmt hat. Als nächstes soll eine Variantenunter­suchung das Vorhaben weiterbringen.

Doppelter Müller
Die älter werdende Stadt bringt also viele neue Auf­gaben. Bürgermeister Heiko Müller hat bekanntlich mit großen Anforderungen keine Probleme, doch momentan unterliegt er der Schwierigkeit, sich täglich teilen zu müssen: Die bisherige Beigeordnete und Dezernentin Ines Jesse ist als neue Staatssekretärin im brandenburgischen Infrastrukturministerium von der Stadtverwaltung in die Landesregierung aufgestiegen. Darauf sind in Falkensee viele stolz, nur dass jetzt eine wichtige Führungsperson in der Verwaltung von einem Tag auf den anderen fehlt. So einfach besetzen kann der Bürgermeister den Posten seines weiteren Stellvertreters aber nicht: „Die Stelle muss ausgeschrieben werden. Dann müssen die Stadtverordneten entscheiden, was nicht vor Herbst 2016 sein wird. Danach sind sicher noch Kündigungsfristen einzuhalten.“ Bis dahin bleibt Falkensees Bürgermeister nichts anderes, als dieses Aufgabenfeld mit zu übernehmen. So wird aus dem „Turbo-Bürgermeister“ ein „Doppel-Bürgermeister“.