Dies ist ein Archiv-Eintrag aus dem Jahre 2016!

Eichhörnchenhilfe
Eichhörnchenhilfe Karin Grusdat
Adresse:Seepromenade 84, 14612 Falkensee
Telefon:01 72/3 01 56 31

Alle zwei Stunden Fütterung!

Stand: Juni 2016

Ein Schreck mit Folgen: Wer würde nicht zusammen­zucken, wenn sich ein vermeintliches Häufchen Laub auf der Motorhaube plötzlich zu bewegen beginnt?

Dieses „Schlüsselerlebnis“ hatte für eine Psychotherapeutin so einschneidende Wirkung, dass sie Wohn-, Ess- und Schlafzimmer ihres Einfamilienhauses geräumt hat, um es Eichhörnchen zur Verfügung zu stellen. Seit der Milleniumswende kümmert sich Karin Grusdat um verletzte Vertreter dieser Waldtiere.

Gute Nacht mit Hörnchen
Dafür opfert sie Geld, Wohnhaus und viel Schlaf: „Die Babys müssen in der ersten Zeit alle zwei Stunden gefüttert werden. Ich stelle sie neben mein Bett und versorge sie in diesem Rhythmus“, klärt sie auf. Damit wird klar, dass eine normale Familie, die sich kaum Nacht für Nacht um die Ohren schlagen kann, mit einer derartigen Aufgabe heillos überfordert ist. „Am besten ist, die Leute melden sich möglichst gleich, wenn sie ein aus dem Nest gefallenes oder verletztes Tier gefunden haben und bringen es dann zu mir“, bietet sie an.

Menschen haben das Nachsehen
Die Falkenseerin hat sich längst damit abgefunden, aus diesem Grund nur mehr sehr selten menschliche Patienten in ihrer Gemeinschaftspraxis im benachbarten Spandau betreuen zu können. Stattdessen benötigt sie oft selbst ärztliche Hilfe. „Die meisten Tierärzte haben von diesen Wildtieren wenig Ahnung, da sich ihre Ausbildung auf Haustiere konzentriert. Deshalb bin ich froh, auf eine Ärztin in Lichterfelde gestoßen zu sein, die auf Hörnchen spezialisiert ist.“

Panorama aus dem Wohnzimmer
Karin Grusdat berichtet, dass sie in ihrem Haus das bisher bewohnte Erdgeschoss ihren kleinen Schützlingen zur Verfügung stellt. Die Käfige gehen teilweise ans Fenster, so dass die Nager besten Panoramablick haben. Pro Jahr sind es an die 100 Tiere, denen sie versucht, das Leben zu retten. Gar manche danken es ihr so, dass sie danach nicht mehr loszuwerden sind: „Ich versuche selbstverständlich, meine Schützlinge, wenn sie gesund und kräftig sind, auszuwildern, doch manche bleiben einfach lieber bei mir!“

Sauer auf Prinz Charles
Die verwitwete Psychotherapeutin, die Menschen und Eichhörnchen liebt und betreut, ist übrigens stinkesauer auf den englischen Prinz Charles: „Der gibt sich zwar als Naturschützer aus, hat aber einen Riesenwirbel verursacht, als er dazu aufrief, graue Hörnchen, die aus den USA stammen, abzuschießen, weil sie angeblich die roten Hörnchen aus Europa durch Übertragung eines bestimmten Virus gefährden würden. In Deutschland gibt es gar keine grauen Eichhörnchen, aber natürlich können unsere heimischen Tiere in unterschiedlichen Färbungen auftreten.“ Nun wünscht sich die ungewöhnliche Falkenseerin mehr Engagement der Menschen: „Die Eichhörnchen sind in Gefahr, weil im Stadtraum immer mehr Bäume abgeholzt werden und Nistplätze verloren gehen. Deshalb sollte man an verbliebenen Stadtbäumen oder unterm Dach Nistkästen aufstellen, um diese Tiere dauerhaft bei uns zu halten.“