Dies ist ein Archiv-Eintrag aus dem Jahre 2016!

Entwickler
Eva Wellmer, Judith Löcke
Telefon:0 33 22/21 25 16

Kleine Mädchen mit großer Erfindung!

Stand: Juni 2016

Die Welt ächzt unter Rohstoffproblemen. Um an wertvolle Stoffe zu gelangen, müssen immer schwierigere Wege gegangen werden. Eine gerade mal 13 Jahre alte Schülerin aus Falkensee entwickelte mit ihrer ein Jahr älteren Cousine ohne Beteiligung von Schule oder kommerziellen Labors einen Roboter, der weltweit Aufsehen erregte!

„Es ging uns darum, eine umweltverträgliche Möglichkeit zu finden, um Mangan in der Tiefsee abzubauen“, umreißt Eva Wellmer ihre selbst gestellte Aufgabe. Das chemische Element wird in großen Mengen für die Stahlproduktion benötigt, da es zu einer Verbesserung der Härte führt.

Aufwändige Technik
Die damals erst 13-jährige Eva Wellmer konstruierte zusammen mit ihrer 14-jährigen Cousine Judith Löcke 2015 ein Szenario, um dieses Problem zu lösen: „Ein Boot mit einer Ultraschallsonde erstellt ein Höhenbild des Meeresbodens und sendet die Daten an einen speziell programmierten Zentralrechner. Im Mutterschiff befindet sich ein Roboter der auf dem Meeresboden fahren kann und dort entsprechend der Anweisungen aus dem Rechner das magnetische Mangan einsammelt. Dazu ist das Schiff mit einer ausfahr­baren Plattform und einem Kran ausgestattet. Unser ‚Mangan Crawler‘ hat außerdem eine Kamera, um bisher unbekannte Tiefseefischarten zu dokumentieren, die es ebenfalls zu schützen gilt“, beschreibt die ungewöhnliche Jung-Forscherin das komplexe von ihnen „erfundene“ und in allen Details konstruierte System.

Doppelte Programmierung
Um ihr Szenario vorzuführen, mussten die Mädchen neben dem Roboter als Kernstück alle Wasserfahrzeuge und nötigen Geräte sowie zusätzlich ein transportables Aquarium konstruieren. „Unseren Hauptcomputer haben wir in ‚EV 3’ programmiert. Für die Fotos wurde ein Raspberry Pi verwendet, für den wir die Software in ‚Pyton’ schrieben“, gibt die Falkenseerin weiteren Einblick. Das Ganze wurde in einer 15-seitigen Dokumentation in deutsch und englisch beschrieben. „Zudem haben wir darüber einen Film erstellt, von dem es ebenfalls eine deutsche und eine internationale Fassung gibt. Er ist im Internet zu finden“, so die Schülerin am Lise-Meitner-Gymnasium.

Weltklasse-Roboter aus dem Kinderzimmer
Es ist kaum zu glauben, dass die Jung-Forscherinnen dies alles in wenigen Monaten ganz alleine zusammen brachten. Schließlich ging es darum, sich alles zu überlegen, dann um die technische Umsetzung, bei der ein System-Baukasten zwar hilfreich war, aber viele Probleme offen ließ. „Bei der Anfertigung von speziellen Einzelteilen half uns die Universität Paderborn mit einem 3D-Drucker“, berichtet Eva Wellmer. Schließlich mussten die Programme geschrieben werden und alles in Funktion kommen. „Viele Probleme, die wir vorher nicht bedacht hatten, ergaben sich, weil die Anlage transportabel sein musste. Das ist bei einem so großen Wasserbecken schwierig.“ Auf Anhieb erfolgreich Die geniale Erfindung der Schülerinnen überzeugte auf Anhieb die kritischen Fachleute der weltweiten Roboter-Olympiade „WRO“, die von renommierten internationalen Konzernen wie IBM, SAP oder Google unterstützt wird. Beim Deutschlandausscheid in Dortmund erhielten sie zwei erste Plätze und gewannen damit das Ticket für den Weltausscheid im fernen Emirat Katar. So groß die Freude war, wie sollten zwei kleine Mädchen ans andere Ende der Welt kommen? „Zumindest ein Elternteil musste wohl mitkommen“, sah Mutter Renate Wellmer ein. Als Wissenschaftlerin, die im Hauptberuf klinische Studien leitet, weiß sie ebenso wie Vater Hans-Jürgen Wellmer, der Software-Berater für einen Weltkonzern ist, wie wichtig internationale Wettbewerbe sind.

Neue Perspektiven
Doch so ein Flug inklusive Aufenthalt ist nicht gerade preiswert und kaum aus der Familienkasse so mal nebenher zu finanzieren. „Wir mussten uns nach Sponsoren umsehen, wobei uns die Wirtschaftsförderung sehr unterstützt hat“, blickt Renate Wellmer zurück. Vor der eigentlichen „Olympiade“ legte die Technik-Delegation entsprechend einer Einladung noch einen Zwischenhalt in Dubai ein. „Dort konnten wir unsere Erfindung bei einer Firma und bei der ‚Gems International School’ vorführen. Wir waren sehr beeindruckt von der Ausstattung der Schule mit Elterncafé, Spielzimmer für Geschwisterkinder, elektrischen Türen, Fahrstühlen, Smartbords und Laptops für jeden Schüler“, so Eva Wellmer.

Pech und Pannen
Dann kam Doha, die Stadt am Persischen Golf. Für die Delegation aus Falkensee bot die in die Wüste gebaute Metropole allerdings erst mal keine Höhenflüge, sondern eine kaum enden wollende Strähne aus Pech und Pannen. „Als wir am Flughafen ankamen, war von unseren elf Koffern ausgerechnet der mit dem Roboter, den Programmen und allem Zubehör unauffindbar. Als die Sachen endlich aufgetaucht waren, hatten wir viel kostbare Zeit verloren, die wir für den Standaufbau benötigt hätten. Bei dem Wettbewerb ging es neben der Erfindung ebenso um die Präsentation. Schließlich schafften wir es doch noch und waren logischerweise total geschafft. Gerade als wir aufs Zimmer gehen wollten, gab es einen lauten Knall. Wir drehten uns um und sahen, dass der Stand zusammengebrochen war!“, beschreibt Eva Wellmer das Horror-Szenario.

Als Deutsche benachteiligt
„Ich war den Tränen nahe und hätte an dieser Stelle aufgegeben. Doch die Mädchen ließen sich nicht beirren und schafften es tatsächlich, bis zum nächsten Morgen alles zu rekonstruieren“, blickt Mutter Renate Wellmer zurück. Die Mühe lohnte sich, denn die jungen Schülerinnen konnten einen heiß-ersehnten Pokal erringen. Allerdings mussten sie einsehen, dass sie als Deutsche generell benachteiligt waren: „Länder wie Japan, Katar, Saudi-Arabien und Singapur waren mit total professionellen Präsentationen vertreten, da dort die Schulen mitmachen und die Staaten einfach unheimlich viel Geld in Bildung stecken, während wir alles neben der Schulzeit in unserer Freizeit und mit eigener Finanzierung machen mussten. Einzige Unterstützung erfuhren wir durch das Schülerforschungszentrum Paderborn, wo meine Cousine wohnt“, fassen die Forscherinnen die Erfahrung zusammen.

Zu jung?
Dennoch lassen sie sich nicht abbringen, schließlich haben sie bereits einiges an Erfahrung sammeln können. So hatte das Forscherteam aus Eva Wellmer und Cousine Judith Löcke ein Jahr zuvor mit einer „Nagellacktestmaschine“ den ersten Preis bei „Jugend forscht“ in Brandenburg gewonnen. Weitere Erfolge waren damals verbaut, denn „zum Bundeswettbewerb wurden wir nicht zugelassen, weil wir zu jung waren“, so Eva Wellmer.

Grundschüler im Forschungseifer
Vor diesem Problem könnte Bruder Frank Wellmer ebenfalls schnell stehen. Er hat sich vom Forscherdrang anstecken lassen. Zusammen mit seinem Freund Konrad Reisinger konstruierte er erst eine „Abfallsammelmaschine“ und nun einen Roboter, der Walnüsse vom Boden aufliest. Beide Schüler der Europaschule von Falkensee sind gerade mal elf Jahre alt! Man kann also ziemlich sicher sein, dass die Stadt im Grünen vor den Toren Berlins noch mehr als Jung-Forscher-Metropole überregional und vielleicht wieder einmal weltweit von sich reden macht!