Dies ist ein Archiv-Eintrag aus dem Jahre 2016!

Seglerin
Annika Bochmann
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E-Mail:annikabochmann@gmx.de

Nach Partnertausch auf Erfolgskurs!

Stand: Juni 2016

Olympia findet diesmal mit Beteiligung von Falkensee statt. Obwohl es im Ort wassermäßig eher bescheiden zugeht, beherbergt die Stadt im Grünen eine ambitionierte Seglerin, die Deutschland in Rio vertreten wird.

Um Annika Bochmann in ihrer Wohnung beim Bahnhof Falkensee anzutreffen, muss man dieses Jahr viel Glück haben. Denn die deutsche Olympia-Hoffnung ist fast ununterbrochen „auf Achse“. Sie ist dort anzutreffen, wo andere Urlaub machen. Gerade war sie im südfranzösischen Hyères, dann kurze Zwischenstation daheim in Falkensee und schon wartet das Flugzeug nach Rio de Janeiro.

Als Kind auf dem Wasser
„Leider können wir die schönen Orte kaum genießen. Wir haben jeden Tag hartes Training. Danach ist man erschlagen und müde“, schildert die 24-Jährige. Die Liebe zum Wasser hatte sie bereits als kleines Kind entwickelt. „Die Großeltern hatten in Neuruppin ein Boot liegen, mit dem wir oft unterwegs waren. Meine Eltern waren ebenfalls gerne auf dem Wasser“, denkt sie zurück. Bald zeigte sich, dass in der süßen Kleinen großes Talent ruhen könnte. Wind, Wellen, Gischt und Segel wurden ihr zur großen Leidenschaft.

Alles geopfert
2008 war sie vom „Optimist“ in die nächst größere „470er-Klasse“ gewechselt. Damit wird sie bei Olympia antreten. Großer Unterschied: Hier ist man zu zweit an Bord. Genau dies hätte der Junior-Weltmeisterin von 2011 um ein Haar die Karriere gekostet: „Ich erkannte, dass ich mit Segelpartnerin Karoline Göltzer das ehrgeizige Ziel einer Olympia-Teilnahme mit gutem Abschneiden in Rio verfehlen würde. Als wir uns 2014 als Team trennten, fiel ich aus der Sportförderung. Ich stand plötzlich ohne Trainer da. Ich hatte nicht mal das Geld für eine eigene Wohnung. Ich gab deshalb notgedrungen mein Studium der Geowissenschaften in Kiel auf, zog zurück zu den Eltern in Falkensee“, beschreibt Annika Bochmann, wie für sie aufgrund ihrer Entscheidung eine Welt zusammenbrach. Das war kurz vor den entscheidenden Wettkämpfen zur Olympia-Qualifikation.

Mit neuer Partnerin erfolgreich
Annika Bochmann fand in der 30-jährigen Marlene Steinherr eine Partnerin, die zum Glücksfall wurde. Die Berlinerin war zuletzt als Trainerin tätig und „wurde mir als Vorschoterin aufs Boot gesetzt“, strahlt Annika Bochmann. Quasi im letzten Moment konnte das neue Duo die entscheidenden Punkte sammeln und sich den Traum von der Olympiateilnahme erfüllen: „Man geht für diesen Zeitraum eine Zweckehe ein, wo man sich noch mehr als in einer richtigen Ehe unbedingt verstehen muss. Wir sind viel auf Reisen zusammen und müssen vor Ort gut harmonieren. Im Boot ist man unbedingt darauf angewiesen, dass man sich ohne große Worte versteht. Ansonsten verliert man wertvolle Zeit, was den Erfolg kosten kann“, beschreibt die Falkenseerin, wie wichtig das „Zusammenleben auf Zeit“ ist.

Wasser und Schnee
Spannend dürfte das Rennen in Rio auf jeden Fall werden: „Im Gegensatz zu anderen Sportarten hat man beim Segeln ja immer andere Wettbewerbsbedingungen, bedingt durch Witterung, Wind und Strömung, so dass Improvisieren gefragt ist. Dafür scheinen die Brasilianer allerdings ebenfalls viel Sinn zu haben. Jedenfalls ist unser Wettbewerbsgelände nach wie vor unfertig. Noch immer schwimmt hier allerlei Unrat auf dem Wasser“, bestätigt Annika Bochmann die bekannten Probleme. „Warum man in einem so armen und unstabilen Land derartige Großereignisse ausrichtet, kann ich nicht nachvollziehen.“ Trotz der großen Erfolge im Wassersport ist die Falkenseerin den Freuden des Winters ebenfalls zugetan: „Ich liebe Schnee und bin früher jedes Jahr auf die Skipiste gegangen. Jetzt muss ich allerdings wegen Verletzungsgefahr pausieren!“