Dies ist ein Archiv-Eintrag aus dem Jahre 2016!

Tänzerinnen
Irene Höft, Karin Hirschberg, Yolanda Guido, Elisabeth Rosenke, Ruth Michael, Anne Gieloff, Ivanka Ruhs, Gerhard Krause
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Zu wenig auf die Ohren!

Stand: Juni 2016

Normalerweise liebt die ältere Generation verhaltene Töne, doch in Falkensee wollen sie mehr auf die Ohren.

Gerhard Krause, Kultur- und Diplom-Theaterwissenschaftler ist zarte 86 Jahre jung und sauer, dass die Bässe „nur“ aus dem Ghetto-Blaster kommen: „Wir bräuchten unbedingt Klavierbegleitung oder zumindest jemanden, der uns am Akkordeon einheizt!“ Dafür bekommt er von seiner Crew sofort Beifall. Diese liebt nämlich singen und tanzen, wie das eben bei Mädchen so der Fall ist.

Ungewöhnliches Ensemble
Allerdings hat dieses Ensemble so seine Besonderheiten. So ist „Choreografin“ Irene Höft mit 53 Jahren die Jüngste. Die Altersspanne im „Seniorentheater“ geht momentan bis zum runden 75. Geburtstag, den Karin Hirschberg gerade feiern konnte. Doch sie ist ebenso agil und fit, wie die mexikanisch-stämmige Ex-Zahnärztin und langjährige Hausfrau Yolanda Guido mit gerade mal 69 Jahren. Weiter mit dabei sind die Ex-Sozial­pädagogin Elisabeth Rosenke, 66, Ruth Michael, 64, die Sachbearbeiterin war und Anne Gieloff, 63, die als technische Zeichnerin arbeitete. Ivanka Ruhs, 67, aus Tschechien stammende frühere technische Angestellte, rundet das internationale Flair des ungewöhnlichen Ensembles ab.

Vom Zirkus ins Theater
Sie alle „tanzen nach der Pfeife“ von Gerhard Krause, der auf eine schillernde Biografie zurückblicken kann und daher viele Impulse ins Theater einbringt. „Ich war Stall­bursche im Zirkus, habe in einer Cowboy-Show mit Pferden gearbeitet, war Goldschmied, habe Kulturwissenschaften studiert und eine Fachausbildung als Dramaturg in Leipzig erhalten“, zählt er einige der vielen Stationen auf. Dem interessierten Fach­­­- pub­likum ist der rührige Senior sogar als Buchautor von Werken „über die Schönheit der Zirkuskunst“ bekannt.

Zwei Stücke ohne Ende
Die agile Truppe kommt seit nunmehr fast fünf Jahren einmal in der Woche in einem Kellerraum vom ASB zum Üben zusammen. Dabei haben sie mittlerweile schon zwei Stücke angegangen. Den Anfang machte „Trudes Geburtstag – ohne Putzen keine Feier“, worin auf humorvolle Weise der Seniorenalltag auf die Bühne kommen könnte. Dann machte sich die Truppe an „Nur ’ne Handvoll Tausender“. Allerdings kommen die spielfreudigen Senioren kaum dazu, pures Theater zu machen, schon allein aus Männermangel: „Wir müssen alle Stücke erstmal so umschreiben, dass nur Frauen darin auftreten. Dann kommt dazu, dass wir keine Bühne und keine Requisiten haben. Wir schaffen es nur selten, ein Stück komplett zu zeigen. Wir behelfen uns mit einzelnen eingängigen Szenen. Damit sind wir in Senioren- heimen, bei Weihnachtsfeiern oder beim ‚Tag der Offenen Tür’ vom ASB zu erleben“, bedauern die ungewöhnlichen Theatermacher. Ein wenig scheint hier zudem die „Reklame“ zu fehlen, denn wer die musikalischen Probeauftritte erlebt, wird sofort vom Schwung des unnachahmlichen Bühnenvergnügens hingerissen, selbst wenn die heißen Töne dafür aus dem Ghetto-Blaster kommen!