Bürgermeister plant Verschiebung

Grüne Ländervereinigung in Falkensee?

Als Gartenstadt und Scharnier zwischen Großstadt und Havelland ist Falkensee für Ruhe und Beschaulichkeit beliebt. Doch im Rathaus ging es nun äußerst hektisch zu: Denn in der Rekordzeit von nur acht Wochen erarbeitete man dort die Bewerbung zur Landesgartenschau 2009, für die sich manche Mitbewerber ein Jahr oder länger Zeit ließen. Trotz zwölf Konkurrenten kann sich Falkensee gute Chancen ausrechnen!
Der Grund: „Die grüne Brücke der Sympathie“, so das Motto, könnte ideal ins politische Bild passen. Denn Falkensee schloss sich für die Bewerbung mit dem angrenzenden Spandau zusammen. „2009 ist die Länderfusion angedacht, wir feiern 20 Jahre Maueröffnung und es wird die Landesgartenschau geben. Falkensee-Spandau kann als einzige der Bewerberorte diese Ereignisse gleichzeitig symbolisieren. Schließlich werden wir durch die Fusion zusammen kommen und die Maueröffnung haben die beiden Städte ja selbst miterlebt. Ich kann mich persönlich an diese Tage noch bestens erinnern“, nennt Bürgermeister Jürgen Bigalke überzeugende Argumente.
Je 20 Millionen Euro haben Bigalke und sein Spandauer Kollege Konrad Birkholz für das Projekt ins Auge gefasst. Dafür stehen erhebliche Fördermittel bereit.
Nun gilt es gespannt auf die Entscheidung zu warten, die mit Beginn der Grünen Woche im Januar 2005 bekannt gegeben werden soll. „Die grüne Brücke der Sympathie“ wird sich dann vom Gutspark Falkensee bis ins Herz von Spandau erstrecken. „Von Rathaus zu Rathaus“ können sich die Besucher auf einer Fläche von 319 Hektar tummeln. In Falkensee ist dafür unter anderem ein Eventzentrum am Neuen See in Falkenhagen vorgesehen, das später für vielfältige Kulturerlebnisse sorgen könnte. Die Bahnhofstraße wird natürlich mit dazugehören und zeigt sich nach Abschluss der meisten Straßenbauarbeiten im vergangenen Jahr nun größtenteils mit neuem Geh- und Radweg sehr schmuck. Der Platz vor der Stadthalle soll ebenfalls bald fertig sein: „Hier gilt es noch den Brunnen zu versetzen. Außerdem sind Sitzmöglichkeiten vorgesehen“, erklärt Bürgermeister Bigalke. Ein Problem ist die Stadthalle selbst: „Die Gastronomie soll nächstes Jahr neu ausgeschrieben werden. Wir hoffen, dass dann mehr Leben ins Haus kommt“, berichtet Bigalke weiter. Allerdings, nicht zu übersehen ist, dass die Stadt an dem Gebäude selbst noch einiges tun müsste. Aber bis zur Landesgartenschau ist ja noch Zeit, und wer den langjährigen Bürgermeister und seine engagierten Stadtverordneten kennt, weiß, dass das Haus dann rechtzeitig im zeitgemäßen Glanz erstrahlen könnte.
Gleich in der Nähe ist die Europa-Schule Am Gutspark: Das Gebäude hat nun gut vierzig Jahre auf dem Buckel. „Erst mal geht es darum, einen zweiten Rettungsweg zu schaffen, wie ihn die neue Brandschutzverordnung vorschreibt. Das wird im Anbau geschehen. Wenn wir schon dabei sind, stocken wird das Haus um eine Etage auf und gewinnen damit zusätzliche Klassenzimmer!“
Man merkt, die Falkenseer denken praktisch und kostenbewusst. Und sie unterscheiden sich in einem wesentlichen Punkt von den meisten Städten Brandenburgs. Während man im Land mit immer weniger Bewohnern und noch weniger Kindern kämpft und folglich Schulen schließen muss, wird Falkensee immer größer. „Wir haben mittlerweile fast 39000 Bewohner. 75 Prozent sind neu hinzugezogen, darunter sind, erfreulicherweise viele junge Familien mit Kindern“, blickt Bigalke in seine „etwas andere Statistik“. Deshalb hat er nun Probleme, seine vielen Schulen und Kitas bei weitgehend leeren Kassen in Stand zu halten. Viele davon sind in nicht mehr taufrischen Gebäuden. Die Lessing-Schule konnte beispielsweise gerade ihr 100. Jubiläum feiern. Und bei den Kitas ergibt sich das Problem: „Kaum haben wir eine neue Kita eröffnet, bauen sich schon wieder Wartelisten auf!“ Die Lebenshilfe beispielsweise hat letztes Jahr ihr „Entdeckerland“ in Betrieb genommen. 90 Plätze bietet die Integrations-Kita, die also auch Kindern mit Behinderung offen steht, und alle sind belegt.
Leiterin Gerlinde Ihrke freut sich, den Bürgermeister durchs Haus führen zu können. „Hier gibt es täglich was zu entdecken, kein Raum ist wie der andere“, zeigt sich Bigalke selbst nach wiederholtem Besuch zu Recht fasziniert. Und er weiß, dass noch mehr Platz gefragt ist: So denkt der Bürgermeister bereits daran, die alte Friedrich-Engels-Grundschule und das leerstehende Obdachlosenheim für die Kinder umzubauen. Und hofft insgeheim: „Wenn wir mal auf Dauer zuviel Plätze hätten, dann könnten wir die eine oder andere Villa, die jetzt als notdürftige Kita dient, auflösen und damit eine Menge Geld sparen.“ Denn natürlich sind diese kleinen Einrichtungen überproportional teuer.
„Gelber Sand kann warten“, beschreibt der Bürgermeister den Fahrplan beim „heißen Eisen“ Straßensanierungen. „Wenn wir Kanalarbeiten machen, versuchen wir gleich drei bis vier Anliegerstraßen mit zu befestigen. Mehr gibt der Haushalt nicht her. Luchstraßen, die sich mit ihrem dunklen Boden schnell in Schlammwüsten verwandeln, haben dabei Vorrang.“ Immerhin, bis 2008, also rechtzeitig vor der angestrebten Landesgartenschau, sollen
alle möglichen Grundstücke ans öffentliche Wasser- und Abwassernetz angeschlossen sein. Und das bei, man höre und staune, sinkenden Gebühren: „Wir haben gut gewirtschaftet und konnten nun den Kubikmeterpreis von früher 3,60 Euro auf nunmehr drei Euro senken. Das soll Falkensee mal einer nachmachen!“

Bürgermeister Jürgen Bigalke hat mit dem Brunnen schwer was vor!

Hier soll der Brunnen hin.

Jürgen Bigalke und Konrad Birkholz wollen Brücken schlagen.

Nach dem Rundgang lässt sich Jürgen Bigalke in der Kita verwöhnen.

Hier gibt es was zu entdecken!