NACH SECHS JAHREN WAR ES AUS

Bahngeschichte ist Zeitgeschichte – dafür ist Falkensee ein exzellentes Beispiel. Denn hier ist man nun schon seit Jahren dabei, Verbindungen zu bauen, zu kappen, zu verlegen, zu bauen, rückzubauen…
„Warum hat Falkensee keinen S-Bahn-Anschluss“, das fragen sich viele. Gibt es doch sogar mehrere S-Bahn-Bahnhöfe! Allerdings ließ die Stadt den in Finkenkrug zu Gunsten der Straße nach der Wende zurückbauen. Insgeheim ärgern sich viele nun über diese Entscheidung!

Im Gespräch ist die Anbindung Falkensees ans Berliner S-Bahnnetz schon seit über 50 Jahren. Erst sollte das im Dritten Reich geschehen, da kam der Krieg dazwischen. Dann sollte es gleich danach geschehen, da kam die Politik dazwischen. Gleich 1945 versuchte die Gemeinde angeblich, nach Berlin eingemeindet zu werden, doch dagegen legte der SED-Vizelandrat Karl Bernau mit einer Stellungnahme sein Veto ein. Schließlich wollte man nicht Teil der britischen Zone werden, zu der Spandau gehörte.

Der Bahnhof Finkenkrug war für die Entwicklung Falkensees wichtig.

Fünf Jahre später war zumindest der Bahn-Anschluss geschafft. Die S-Bahn pendelte alle zwanzig Minuten von Königs Wusterhausen nach Falkensee – gut für die Arbeiter, die bei Siemens oder anderen Firmen in Westberlin arbeiteten. Doch mit dem Mauerbau am 13. August 1961 war Schluss damit – bis heute. Die sechs Jahre junge S-Bahnverbindung wurde damals gekappt, an die 2000 Beschäftigten aus der Ostzone kamen nicht mehr zu ihrem Arbeitsplatz. Als Ersatz für die nun verwaisten S-Bahnhöfe wurde der Bahnhof Falkenhagen gebaut. Und als Trostpflaster für die von der Großstadt abgekoppelte Gemeinde gab‘s das Stadtrecht. Bürgermeister Schuch, der im Juni 1961 den Antrag formuliert hatte, war nicht mehr mit von der Partie – er hatte sich nach Westberlin abgesetzt. Deshalb mußte ein schnell eingesetzter SED-Bürgermeister, „Genosse Buchholz“, die Urkunde entgegennehmen. Das wird dieses Jahr groß gefeiert. Bürgermeister Jürgen Bigalke wünscht sich nun neben Seegefeld, Falkensee und Finkenkrug sogar noch eine zusätzliche Station an der Rosenstraße. Ob die S-Bahn überhaupt nochmal nach Falkensee kommt, steht aber in den Sternen – die Bahn knausert mittlerweile sehr am Nahverkehr! Andreas Schönstedt