Lebendige Geschichte ist spannend

Es ist schon ein quirliges Häuflein, das da erwartungsvoll dem Eingang des Heimatmuseums zustrebt. Heute sind es die Kleinen aus der Kita, die einen interessanten Ausflug in das auffällige Fachwerkhaus in der Falkenhagener Straße unternehmen und wir dürfen sie begleiten.

Soviel sei vorab gesagt, für jedes Alter ist hier etwas Interessantes zu entdecken. Immerhin werden bereits etwa fünfzig Jahre lang Exponate gesammelt. Angefangen hat es 1947, als der damalige Mitarbeiter in der Gemeindeverwaltung, Fritz Müller, den Auftrag erhielt, ein Archiv für Heimatgeschichte zusammenzutragen. An ein Museum dachte da wohl noch niemand. Doch einmal Feuer gefangen, ließ Fritz Müller diese Sache nicht mehr los. Schließlich konnte 1968, Fritz Müller stand inzwischen der Grafiker Gerhard Zimmermann zur Seite, eine Heimatstube eröffnet werden. Seit dem 30.11.1993 nun präsentiert sich das Museum nebst einer Galerie mit wechselnden Ausstellungen in dem imposanten Fachwerkhaus, das 1901 an dieser Stelle errichtet wurde.

Ursprünglich hatte das Gebäude seinen Platz in der Spandauer Altstadt, mußte dort aber anderen Bauvorhaben weichen. Heute nun begrüßt Museumschefin Gabriele Helbig ihre jungen Gäste. Ganz mäuschenstill wird es vor Spannung, als die 33jährige Falkenseerin die Kinder in eine andere Welt entführt. Was es da alles zu sehen gibt! Mammutknochen und Zähne, so groß wie zwei Fäuste. Ohh, solche Tiere sollen hier mal rumgelaufen sein? Ist ja sogar ein bißchen gruselig! Da sind die vielen ausgestopften Vögel und anderen Tiere schon besser. Nur schade, anfassen ist nicht. Na ja, vielleicht sind die doch nicht ganz tot? Huh, sogar eine Ratte zeigt Gabriele Helbig. Der Maikäfer ist auf jeden Fall niedlicher. Ob es die wirklich in der Natur gibt? „Wir kennen die bloß aus Schokolade!“ Und weiter geht die Reise, aus der Natur rein in die gute Stube. Das heißt erstmal in die Küche.

Komisch sieht die schon aus, keine Mikrowelle, kein Geschirrspüler und olle Töpfe, dafür jede Menge komische Geräte. Nun nimmt Gabriele Helbig mit einem Haken den Ofen auseinander und erklärt, daß in das Loch da die Töpfe reingestellt wurden, damit das Feuer bis an den Topf ran kam. Und weil es große und kleine Töpfe gibt, kann man das Loch mit verschieden großen Ringen groß oder klein machen. Praktisch. So ein Ofen wäre ein prima Spielzeug, mit richtigem Feuer drin, das muß Uroma doch Spaß gemacht haben...

Und die komische Riesenkaffeemaschine? Was ist das? „Eine Zentrifuge“, erklärt Gabriele Helbig. Ist das ein schweres Wort! Jedenfalls kann man damit aus Milch Sahne und dünne Milch machen und aus der Sahne Butter. Da braucht man aber noch so eine Art Faß. Uij, da gehen wir doch lieber mit Mama zum Supermarkt.

Eine riesengroße Uhr zeigt Gabriele Helbig noch im Nachbarraum, die kann Musik machen. Die Uhr hat nämlich Blechscheiben mit vielen Löchern im Bauch und wenn die sich drehen, kommt Musik raus. Und wenn man andere Musik will, muß man nur einfach andere Platten reinmachen, fast wie beim CD-Player. Nur geht’s da schneller und die Platten haben keine Löcher und glitzern tun sie auch besser. Doch am besten ist der Kurzzeitwecker. Der ist in einer Uhr versteckt, muß mit einer Kette aufgezogen werden und scheppert unheimlich. Mama würde sich bestimmt doll erschrecken!

Nun sehen wir noch unsere Stadt als sie noch gar keine Stadt war in einem großen Glaskasten und Gabriele Helbig zeigt uns die beiden Dörfer von ganz früher. Manches erkennen wir sogar wieder. Schade, daß der Rundgang schon vorbei ist. Hier müssen wir mit Mama und Papa nochmal her. Und alles haben wir ja auch noch nicht gesehen.

„Besucht uns doch mal im Herbst, wenn wir Brot in unserem Backofen im Garten backen. Der Ofen ist schon zweihundert Jahre alt, aber das Brot, das wir dort backen ist knusprig frisch und lecker. Also bis zum nächsten Mal“, verabschiedet die Museumschefin die Rasselbande. Da kann man schon verstehen, daß Gabriele Helbig sagt, sie hätte den schönsten Job der Welt.