Kultur, die Geschichte machte

Weltuntergang im Kulturhaus

Das kunstsinnige Falkensee kann dieses Jahr gleich mehrere
Jubiläen feiern: Das beliebte Kulturhaus ist seit 25 Jahren Treffpunkt für die unterschiedlichsten Veranstaltungen. Und einer der treuesten Nutzer, das „Kleine Theater“, feiert sogar das 40. Jubiläum des Bestehens.
Zu danken ist dies alles der gefeierten Bühnenkünstlerin Erna Offeney. In den 20er Jahren hatte sie als „Tänzerin, Pianistin, Schnellmalerin und Kunstschützin“, so die Berliner Zeitung in einem Artikel von 1923, von sich reden gemacht und zeitweise das Berliner Kabaratt „Schall und Rauch“ geleitet. Nach dem Tod ihres Mannes, der Chefarzt im Krankenhaus in Spandau war, wollte sie der Kunst im damals sehr beschaulichen Falkensee einen festen Platz sichern. Sie räumte einen Teil ihrer schönen Villa um im Erdgeschoss Raum für Veranstaltungen zu schaffen. Sie selbst beschränkte sich auf zwei Räume in der oberen Etage. Unter anderem rief sie damals einen Schauspielzirkel für Kinder ins Leben. Der bot Spaß und Freizeitgestaltung in einem, fast so, wie man es heute vom Haus am Anger kennt. Eine der bühnenbegeisterten Knirpse war die kleine Heidi. Sie sollte vom Theater nicht mehr loskommen! Und so kam es, dass 1963 nach mehreren Anläufen, in Falkensee ein Theaterzirkel gegründet wurde.
Endlich war es damit Heidi Steinicke gelungen, eine Gruppe ähnlich Begeisterter um sich zu versammeln. Nun sind es bereits vierzig Jahre, dass Falkensee für ambitioniertes Amateur-Theater in der ganzen Region sorgt: „Wir erarbeiten in der Regel pro Jahr eine Inszenierung. Die Premiere und drei bis vier Vorstellungen finden in Falkensee im Kulturhaus statt. Weitere Vorstellungen veranstalten wir als Gastspiele. In letzter Zeit sind es sehr viele Gymnasien, die uns einladen“, berichtet Dietrich Groß als Nachfolger von Heidi Steinicke an der Spitze des „Kleinen Theater“, wie sich die Truppe nun nennt. Das Repertoire ist vielfältig und reicht von Molière über Anton Tschechow bis Peter Hacks, vom „Clown August mit der Knollennase“ bis zur modernen Ödipus-Interpretation des ungarischen Autors István Eörsi. „Sehr gut besucht waren in den 80er Jahre die Frauenmonologe, die die in der DDR-lebende Österreicherin Maxi Wander herausgebracht hatte und die bei uns von Heidi Steinicke überzeugend interpretiert wurden“, beschreibt Dietrich Groß, der ebenso wie seine Vorgängerin Theaterwissenschaftler ist, die bisherige Arbeit. Nach vielen umjubelten Erfolgen und einem tragischen Jahr 2002, in dem innerhalb der Truppe gleich mehrere Todesfälle und Abgänge zu bedauern waren,
haben die Bühnen-Fanatiker sich im 40. Jahr ihres Bestehens etwas ganz besonderes vorgenommen. „Weltuntergang“ heißt die Satire des österreichischen Kabarettisten Jura Soyfer, der 1939 mit 26 Jahren im KZ Buchenwald umkam.
„Wir haben das Ganze als Revue inszeniert“, berichtet Theater-Macher Groß, der bewusst „ins zweite Glied zurückgetreten“ ist, um seinem designierten Regie-Nachfolger, dem 35-jährigen Andreas Baranowska, freie Hand zu lassen. Premiere ist am 10. Oktober 2003, wenn das Kulturhaus sein 25-jähriges Bestehen begeht.
Damit schließt sich der Kreis um Falkensees Kultur. Denn zu verdanken hat die Stadt ihr Johannes R. Becher-Kulturhaus der ehemaligen Kabarett-Leiterin Erna Offeney. Sie vermachte nach ihrem Tod 1977 das Gebäude der Stadt mit der Auflage, es ausschließlich kulturell zu nutzen! Mit einer Kabarett-Revue wird man sich nun an die Revue-Tänzerin erinnern.
Infos Tel. 0 33 22/22 86 80
Veranstaltung-Heinweise

Heidi Steinicke interpretierte...

die von Maxi Wander...

herausgebrachten Frauenmonologe.

Dietrich Groß sorgt dafür, dass Falkensees Amateur-Theater immer in einem guten Licht erscheint.

Mit der Ödipus-Adaption bewies man Sinn für komplexe Werke.