Zehn Jahre Kammerkonzerte im Kulturhaus

Kaffeehaus Atmosphäre
mit erstklassigen Künstlern

Ein rundes Jubiläum könnte das Kulturhaus feiern. Seit zehn Jahren werden dort regelmäßig Kammerkonzerte veranstaltet. Erst relativ unbemerkt von der Öffentlichkeit, doch mittlerweile sehr oft ausverkauft. Zu danken ist dies einem Musiker aus Potsdam, der international gefragt ist und der sich in Falkensee verliebt hat. „Irgendwie kam die Kulturhausleiterin Barbara Thiel auf mich. Ich fand die Idee reizvoll, und sagte zu“, erinnert sich der weltbekannte Pianist Werner Scholl an die Anfänge. „Damals kamen gerade mal 15 Leute. Wir sorgten uns vor jedem Konzert, ob überhaupt jemand kommt. Doch seit drei Jahren erleben wir einen regelrechten Boom. Ich denke, das liegt an den vielen neuen Bürgern. Darunter sind eben doch etliche, die sich für klassische Musik interessieren!“ Deshalb bangt man nun, dass zu viele kommen: „Die Reihe steht unter dem Motto: 'Klassik zum Kaffee’. Also sitzt man an Tischen, es ist eine gemütliche Kaffeehaus-Atmosphäre. Aber dadurch haben wir nur 60 Plätze, und die sind schnell gefüllt. Mittlerweile kommt es vor, dass Besucher stehen müssen“, berichtet Christel Tamme, die als stellvertretende Kulturhaus-Chefin die Entwicklung genau verfolgt hat. Praktisch denkend wie die Falkenseer sind, haben sie damals, vor zehn Jahren, mit ihrem Künstler einen ebenso klaren, wie einfachen Vertrag gemacht: „Ich organisiere jährlich mindestens sechs Konzerte. Für jedes bekomme ich 500 Mark.“ Klingt erst mal gut, wenn man davon absieht, dass die Summe nach zehn Jahren immer noch die gleiche ist, die Ansprüche aber gestiegen sind und der Wert des Geldes gefallen ist. Von der Pauschale muss Scholl die Künstlergagen, Kosten für die Anfahrt oder Stimmen des Flügels bezahlen. „Oftmals kostet es mich große Überredungskunst, Kollegen, die ganz andere Gagen gewöhnt sind, nach Falkensee zu bringen. Und manchmal gerate ich in die roten Zahlen. Dann muss ich eben das nächste Konzert alleine bestreiten, damit keien Fremdkosten entstehen“, berichtet der 67-jährige Pianist. Werner Scholl ist ein Künstler, das sich nicht so leicht einordnen lässt. Weil er kein Arbeiterkind war, wurde er trotz seines Talents in der DDR nicht zum Studium zugelassen. Da die Grenzen in den 50er Jahren noch offen waren, konnte er auf die Musikhochschule in Westberlin ausweichen. Er schaffte es gerade noch, dort vor dem Mauerbau sein Examen zu machen. Irgendwie kriegte er es doch noch hin, in Leipzig zusätzlich einen Abschluss als Kapellmeister zu erlangen. Doch die DDR misstraute dem Künstler ohne Parteibuch. „Reisen außerhalb des sozialistischen Lagers wurden mir nie gestattet. Mit einer Ausnahme: Ich durfte einmal in Syrien und Jordanien spielen.“ Nach der Wende kam der Durchbruch: Konzertourneen in USA, Jugoslawien, Dänemark, Finnland, Österreich. „Die Tournee durch Japan dauerte sechs Wochen. Ich hatte 31 Konzerte! Das war kaum durchzustehen. Danach war ich völlig leer, total geschafft, das würde ich nie mehr machen!“ Für Künstler ungewöhnlich, war Werner Scholl lange Zeit aktiv in der Politik tätig. Achteinhalb Jahre bestimmte er als SPD-Stadtverordneter in Potsdam die Geschicke der Landeshauptstadt mit: „Die SPD war nach der Wende die einzige neue Partei. Alle anderen gab es ja bereits in der DDR. Darin waren die selben Leute, die uns damals schikaniert hatten!“, begründet er seinen Partei-Eintritt. Neben den Auftritten in Falkensee ist Werner Scholl regelmäßig als Organist in der Schlosskirche in Köpenick zu erleben.

Werner Scholl organisiert seit zehn Jahren Klassik im Kulturhaus.