Essen wie am Zarenhof, Jungbrunnen für die Gesundheit

Vom Plattenbau zum Märchenschloss

Kartoffeln, Paprika und andere Gewürze sind aus der Küche nicht mehr wegzudenken. Wie fad muss ein Essen ohne diese Zutaten sein? Unsere Vorfahren im Mittelalter müssen also ziemlich bescheiden gespeist haben. Denn sie kannten nur einen kleinen Teil der Lebensmittel, von denen wir heute profitieren. Musste damals also selbst ein König wie der sprichwörtliche Bettler essen?

Essen wie der Zar
„Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich werde beweisen, dass das Essen vor 1000 Jahren
lecker war“, macht sich nun ein Arzt aus Schönwalde daran, ausgerechnet von Falkensee aus der Welt zu beweisen, dass in der Küche weniger mehr sein kann. Das Mittelalter-Restaurant mit Menüs aus dem Speiseplan der Zaren ist aber nur eine der Überraschungen, die der gebürtige Bulgare Latchezar Behrendt der Stadt vor den Toren Spandaus bieten will. Er sorgt zugleich für eines der ungewöhnlichsten Gesundheitszentren, die es in Deutschland gibt. Der Allgemeinmediziner mit Praxis in Spandau hatte einen schmucklosen Plattenbau an der Seepromenade ersteigert.

Als Arzt an den Brennpunkten des Orients
Der romantische Arzt und seine deutsche Ehefrau, die Physiotherapeutin Ursula Behrendt, haben einen Traum. Sie wollen die Märchenarchitektur „zwischen Kunst und Kitsch“, wie Behrendt selbst sagt, die sie im Kleinen am eigenen Einfamilienhaus in Schönwalde gegenüber der Seniorenwohnanlage ausprobiert hatten, auf ein großes Gebäude übertragen. „Damit möchten wir Orient und Okzident zusammenbringen“, erklärt Latchezar Behrendt eines seiner Motive. Bekanntlich stellt seine Heimat Bulgarien selbst eine Brücke zwischen den beiden Welten dar. Der in der Hauptstadt Sofia aufgewachsene Mediziner hatte, bevor er nach Deutschland kam, in vielen Ländern Erfahrungen gesammelt. Dazu gehörte das Studium in Leningrad, dem heutigen St. Petersburg. Als Arzt arbeitete Behrendt in Kuwait und im umkämpften Jemen. „Auf Inseln im Indischen Ozean waren wir zur Bekämpfung der Cholera im Einsatz.“ Der Mediziner war in der Türkei tätig und im Bosnien-Krieg gefragt.

Heiße Liebe an der Schwarzmeer-Küste
Zuletzt arbeitete er als Intensivmediziner in Sofia. Bei einem Ausflug an die Schwarzmeerküste fiel ihm am Strand von Varna eine hübsche Deutsche auf. „Es war Liebe auf den ersten Blick!“ Aus der spontanen Romanze wurde eine glückliche Ehe. Der erfahrene Mediziner fand in Berlin schnell eine Anstellung. Er arbeitete in der renommierten Virchow-Klinik, im Krankenhaus Zehlendorf und war später in der Kurklinik in Bad Wilsnack tätig. Seit 2002 ist er Facharzt für Allgemeinmedizin mit eigener Praxis.

Träume im rauen Norden
Das Träumen hat er im rauen Klima Norddeutschlands nicht verlernt. Sein Eigenheim in Schönwalde fällt mit Türmchen und Verzierungen auf. Der Garten ist eine Feng Shui Oase mit Pavillon, Teich, Ruhezone und Ziehbrunnen. Für die Bewohner des benachbarten Senioren-Wohnparks ist das Haus eine Augenweide.
Die Impulse fürs neue Gesundheitszentrum an der Seepromenade von Falkenhagen bezieht Behrendt „von Gustav Klimt und Friedensreich Hundertwasser. Dazu kommen orientalische Einflüsse. Noch im Sommer 2007 soll das Haus bezugsfertig sein und neben der Physiotherapiepraxis von Ursula Behrendt „eventuell eine Arztpraxis, Wohnungen und wenn möglich ein Mittelalter-Restaurant beherbergen, in dem es nicht um Show, sondern um eine Küche wie am Hof des Zaren geht“, so Latchezar Behrendt. Damit bekommt Falkensee also gleich mehrere ungewöhnliche Attraktionen an einem Ort.

Menschenverstand kontra Bürokratie
Die Banken übrigens konnten den märchenhaften Träumen des Mediziners und bekennenden Havelland-Fans wenig abgewinnen: „Ich finanziere alles selbst aus Ersparnissen. Deshalb geht es ein wenig langsam.“ Während „normale“ Investoren erst mal einen Architekten eingesetzt hätten und sich ums komplizierte Baurecht gekümmert hätten, ging der Bulgare mit südlichem Temperament und in Deutschland leider längst abhanden gekommenem gesunden Menschenverstand den umgekehrten Weg: „Ich hatte einen Traum und fing an, ihn umzusetzen. Erst als die Behörden kamen, kümmerten wir uns um die bürokratischen Fragen. Hätte ich von vornherein abgeschätzt, was hier alles auf mich zukommt, hätte ich wahrscheinlich gar nicht den Mut gehabt“, sinniert Latchezar Behrendt.

Infos Tel. 01 78/5 31 67 90

Jedes Detail ist ein Wunder für sich:
Die Beleuchtung bewegt sich mit dem Wind und erzeugt damit ein unwiederholbares Lichtkunstwerk.

Latchezar Behrendt verwandelt einen Plattenbau-Schandfleck an der Seepromenade in ein ungewöhnliches Märchenschloss.

Aus den langen dunklen Fluren des Plattenbaus wurden farbige Gänge und ein romantisches Treppenhaus.

Zuhause spielt der verspielte Garten eine große Rolle – das soll in Falkensee ebenfalls seine Entsprechung finden.