Nackte Wahrheiten in der Galerie des Heimatmuseums

Wer sass Modell
für Falkensees sexy Gemälde?

Ein Kostverächter ist er sicher nicht – das lassen die freizügigen Bilder erkennen, die dieses Frühjahr im Heimatmuseum ausgestellt wurden. Nackte Mädchen in Lebens- oder Überlebensgröße schmückten da die Wände der Galerie. Doch welche Hübsche stand dafür Modell? Eine schöne Falkenseerin etwa? Hermann Lübbecke treffen wir im Garten seines Hauses in der Finkenkruger Waldstraße. Auch tropische 29 Grad können ihn nicht davon abhalten, mit Hacke und Spaten seinen Garten zu bearbeiten. Obwohl unangemeldet bei der Arbeit gestört, bittet er spontan aufs Grundstück. Klar, ist er zum Gespräch bereit, Falkensees momentan wohl bekanntester zeitgenössischer Maler. Er ist hier geboren, studierte in West-Berlin Architektur und Kunst, blieb nach dem Mauerbau im Westen, verlor aber nie den Kontakt zu seiner Heimat. Heute wohnt er im Haus, wo er geboren wurde. Er hat es zusammen mit seiner Frau Hedwig liebevoll renoviert. Ist sie das Modell? „Nee, bestimmt nicht. Modell gibt es gar keines. Ich male aus meiner Phantasie, nehme mir erotische Postkarten und Fotos aus den Zwanziger und Dreißiger Jahren zum Vorbild.“ Tatsächlich, bei näherer Betrachtung fällt an den plakativen Gemälden im Pop-Art Stil auf, dass sich so manche Details gleichen...
Jedenfalls ist der 64-jährige bei Sammlern gefragt. 5000 Euro, manchmal das Doppelte, investieren Fans in seine Werke. Darunter sind Berühmtheiten wie der italienische Star-Tenor Vincenzo Lascolla: „Der war mit Claudio Abato in Berlin, um dort Verdis Requiem aufzuführen. Ich hatte Bilder von mir in einem italienischen Edelrestaurant am Kudamm aufgehängt. Lascolla war so begeistert, dass er spontan zugriff!“ Fans des Finkenkruger Künstlers sind in Madeira, Paris, Bologna und anderen Orten Europas. Bis es dazu kam, dass Hermann Lüddecke von seiner Kunst leben konnte, dauerte es. „Als ich studierte, war nur abstrakte Malerei gefragt. Da ließ ich es erst mal sein, und schlug mich mit Architektenjobs durch. Nebenbei zeichnete ich Cartoons, die in Studentenzeitschriften wie dem 'Colloquium’ oder in der 'Bauwelt’ veröffentlicht wurden. In den 70er Jahren erschien von mir 'Porno-Cartoons’ im Klaus Bär Verlag. Dann kam die Pop-Art auf, meine Kunst war gefragt!“ Dass seine freizügigen Bilder, ausgestellt im Heimatmuseum in Falkensee nur positives Echo hervorriefen, freut den Künstler aus Finkenkrug. „Ich verfolge keine politischen Ziele mit meiner Malerei. Jeder kann entscheiden, ob er meine Arbeiten ansehen will. Dazu ist keiner gezwungen, wieso sollte sich dann jemand aufregen“, meint er, verschmitzt lächelnd. Und dann fällt ihm ein, dass ein einziges Mal doch ein „echtes“ Modell Vorbild war: „Das war eine Auftragsarbeit, die Frau wollte als Domina gemalt werden!“ Ob sie aus Falkensee war, das verrät er leider nicht. Schade!