Gropius und Rilke unter einem Dach

Probewohnen im Museum

Sie war jung, hübsch und begehrt. So sehr, dass selbst berühmte Männer ihre Formen den Zeilen vorzogen, die sie der Welt hinterlassen wollte.
Maria Benemann war der Schwarm von Walter Gropius, Rainer Maria Rilke, Franz Mackensen, Ernst Ludwig Kirchner, Stefan Zweig und vielen anderen Künstlern des ausgehenden Kaiserreichs. Durch sie war Finkenkrug gefragt – als Treffpunkt von Künstlern und Kulturschaffenden. Ihr Traum war, in Neu-Finkenkrug eine Künstlerkolonie nach dem Vorbild von Worpswede entstehen zu lassen.
Leider kam es nicht dazu. Nachdem 1914 ihr Ehemann Gerhard Benemann an den Folgen einer Kriegsverletzung gestorben war, leidet die hübsche Witwe zusehends unter Geldnot. Nach nur drei Jahren verlässt die erst 28-Jährige mit ihren beiden Kindern 1915 die geliebte Idylle im Haus „Insel Poel“ in Finkenkrug.
In ihrer Autobiografie „Leih mir noch einmal die leichte Sandale“ beschreibt sie die Zeit in Finkenkrug als schönste Ära in ihrem Leben.
Dieses Jahr steht das Haus der Familie Benemann mit anderen sieben Landhäusern in Falkensee im Mittelpunkt des Interesses. Denn die Bauten sind als deutschlandweit beachtete Musterhäuser aus einer Ausschreibung der Zeitschrift „Die Woche“ vor hundert Jahren erstellt worden. „Viele Städter hatten für sich die Natur als Erholungsraum entdeckt. Doch die Sommerfrische bedeutete viel Unbequemlichkeit, brachte Abstriche am gewohnten Komfort und viel Rummel mit sich. Die Idee war nun, als Alternative ein Sommerhaus im Grünen zusätzlich zur Stadtwohnung zu erstellen. Nun ging es darum, wie so ein Sommerhaus aussehen sollte. Es wurde ein Wettbewerb ausgerufen, an dem sich namhafte Architekten beteiligten“, so Gabriele Helbig als Leiterin des Falkenseer Heimatmuseums.
Von den prämierten Häusern wurden Musterhäuser deutschlandweit nur an zwei Standorten gebaut.
Das war in Finkenkrug am Elsterplatz und in Wandlitz an den Heiligen Pfühlen. „Erfreulicherweise haben alle diese Häuser den Krieg überlebt“, so Gabriele Helbig. Sie lädt bis 10. September 2006 in eine Sonderausstellung zum „Probewohnen“ ein. Denn ein maßstabsgerechter Aufriss kann selbst möbliert werden, so dass anschaulich wird, dass die von außen sehr reizvoll wirkenden Gebäude für ganzjährige Wohnansprüche ziemlich eng waren. „Doch die Höhe der Baukosten und die Grundstückspreise sorgten schon damals dafür, dass die Eigentümer dort von vorn herein ganzjährig wohnten!“
So war es auch mit Benemanns, deren Spuren in Falkensee sich verloren haben. „Maria Benemann ist 1980 gestorben. In Falkensee gibt es keine Nachfahren. Ihre Enkel leben in Übersee“, bedauert Gabriele Helbig, die produktiven Jahre der schönen Lyrikerin nicht genauer beleuchten zu können.
Eines der wenigen Zeugnisse, die ausgestellt sind, gibt allerdings beredtes Zeugnis von der Anziehungskraft: „Ich gab mich Dir, und es war schön und rein“, steht in einem Brief des so sachlichen Bauhaus-Architekten Walter Gropius, der dann noch schwärmerisch mit „Deine Sternschnuppe“ unterzeichnet.

Infos: Tel. 0 33 22/2 22 88

Veranstaltungen und Ausstellungen

28. April-10. September 2006:
Acht Eigenheime in Neu-Finkenkrug
Sonderausstellung zum Architekturwettbewerb der Zeitschrift „Die Woche“ aus dem Jahr 1906

10. September 2006:
10. Backofenfest zum Tag des offenen Denkmals

3. November 2006-Januar 2007:
„Die Bilder meines Vaters“, Dr. Thomas Mohr präsentiert Arbeiten von Prof. Arno Mohr

10. November 2006-Februar 2007:
Bildberichter Heinz Krüger Falkensee dokumentarische Momentaufnahmen 1949-1979

17. November 2006, 19 Uhr:
Präsentation des neuen Jahrbuches

10. Dezember 2006, 19 Uhr, Kirche Falkenhagen:
„Exodus - keiner bricht uns Gott entzwei” ein musikalisch-lyrischer Abend anlässlich des 112. Geburtstages von Gertrud Kolmar, vertonte Lyrik für sechs Cellisten und eine Sopranistin

Gabriele Helbig lädt ins Heimatmuseum zum „Probewohnen“ in die prämierten Landhausvillen.

Die Lyrikerin Maria Benemann war heiß umschwärmt und zog viele bekannte Stars wie Walter Gropius, Rilke oder Kirchner an.

In ihrer Autobiografie „Leih mir noch einmal die leichte Sandale” beschrieb Maria Benemann ihre Zeit in Finkenkrug mit viel Liebe.