Auf der Rennbahn zum Liebesglück

Irgendetwas muss dieses Falkensee haben, dass seine Bürger immer wieder für Schlagzeilen sorgen. Letztes Jahr konnte man stolz auf eine Miss Germany verweisen, dieses Jahr ist es ein Rennsieg auf dem Lausitzring.Dort holte sich der 33-jährige hauptberufliche KFZ-Meister Rico Richter den Sieger-Pokal. In der Formel 2000, der Amateur-Vorstufe zu den Profis von der Formel 1. Die Boliden, die hier um die Wette rasen, sind fast immer Eigenentwicklungen. Das erfuhr Reporter Andreas Schönstedt, als er Rico Richter in seiner Werkstatt in Falkensee besuchte und ihn ein wenig ausfragen konnte.

Kommt man sich eigentlich nicht blöd vor, immer nur im Kreis zu fahren?
Rico Richter (lachend): Nee, nee, denn das Rennen ist ja nur ein ganz kleiner Teil des Hobbys. Und es ist schon spannend, zu sehen ob die ganze Arbeit sich gelohnt hat, ob die letzte kleine Veränderung am Motor oder Fahrwerk wirklich erhoffte Zehntel bringt. Schaun Sie, andere spielen Fußball oder gehen saufen – für mich ist Rennfahren Sport und eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung.

Wie sind sie zum Rennsport gekommen?
Rico Richter: Das hat vor zwanzig Jahren angefangen. Da habe ich Kart-Wagen im Dresdener Pionierpalast gefahren. Damals habe ich auch Ronny Melkus kennengelernt, den Sohn von Ulli Melkus, den wohl bekanntesten Rennwagenbauer der DDR. Später hat mich das Hobby einfach nicht mehr losgelassen.

Lenken Sie die hübschen Boxengirls beim Rennen nicht ab?
Rico Richter: Nein, natürlich nicht. Wobei es ein toller Anblick ist... Aber ich bin glücklich verheiratet, da lenkt das nicht mehr so ab.

Was sagt Ihre Frau zu Ihrem gefährlichen Hobby?
Rico Richter: Die kommt regelmäßig mit zu den Rennen. Und ich habe sie auf der Rennstrecke kennengelernt, als vor neun Jahren ihr Vater bei der Konkurrenz geschraubt hat. Durch sie bin ich übrigens auch nach Falkensee gekommen.

Was für ein Auto fahren Sie?
Rico Richter: Das ist ein Eigenbau. Die Basis ist übrigens von Ulli Melkus entwickelt worden, der leider 1990 auf der Autobahn tödlich verunglückt ist. Ab 1991 haben wir den Faden dieser Entwicklung wieder aufgenommen und das Fahrzeug stetig weiterentwickelt. Der Motor ist ein zwei Liter 16V von Opel, denn der hat ganz gut zu unserem Getriebe gepaßt.

Wie finanzieren Sie Ihr teures Hobby?
Rico Richter: Vorwiegend durch Sparsamkeit und dadurch, daß wir alles selbst konstruieren und bauen. Wir sind ein kleines Team, das gemeinsam tüftelt und die Ideen auch selbst umsetzt. Hervorzuheben ist dabei mein Monteur Andreas Broczinsky. Natürlich suchen wir immer Sponsoren. Praktischerweise ist unser Hauptsponsor mein Arbeitgeber. Der hat auf dem Avus-Rennen 1996 Feuer gefangen und ist dankenswertrweise dabei geblieben.

Was sind ihre wichtigsten Erfolge und wohin soll es gehen?
Rico Richter: Natürlich ist der letzte immer der wichtigste Sieg. Aber ich war 1998 deutscher Formel-2000-Meister und habe das letzte Avus-Rennen, das ausgetragen wurde gewonnen. Da bin ich schon stolz drauf. Ja, wo soll es hingehen? Ich möchte auf keinen Fall Profi werden, sondern möchte den Sport noch eine Weile als Hobby betreiben.

Wie geht es privat weiter?
Rico Richter: Ich bin gerade dabei, unser Haus auszubauen, das kostet einiges an Kraft und dann wollen wir natürlich noch mindestens zwei Kinder, wenn es dann passiert.