Vorbereitung auf die Kita

Jede „Mama“ hat fünf Kinder

Falkensee ist die Stadt der Kinder. Und die Stadt hat allerlei Sorgen mit den Kindern. „Kaum haben wir eine neue Kita eröffnet und denken, jetzt ist der Bedarf gedeckt, schon baut sich eine neue Warteliste auf“, sagt der Bürgermeister. Engagierte Muttis helfen da aus der Klemme.
Als Tagesmütter betreuen sie kleine Gruppen von bis zu fünf Kindern.
„Wir können generell ab dem Babyalter betreuen“, berichtet Sonja Graf-Wasmann. Die 29-jährige Musikpädagogin steht mit Manuela Heldt dem Verein mit dem markigen Namen „Hosenscheisser“ vor. „Als Tagesmutter steht man oftmals ziemlich allein da. Deshalb haben wir uns als Netzwerk zusammengefunden. Auf diese Weise betreiben wir gegenseitigen Erfahrungsaustausch und springen ein, wenn es mal Probleme gibt“, beschreibt Graf-Wasmann den Ansatz. Dadurch können die Tagesmütter gewährleisten, dass eine Vertretung organisiert werden kann, wenn eine Betreuerin mal selbst betreut werden muss, etwa weil sie krank ist.
Wir treffen uns bei Suzanne Henkel. Sie hat den Garten ihres neuen Einfamilienhauses zum Kinderspielplatz umgestaltet. Eindeutig tummeln sich hier mehr als fünf Kinder! „Das ist ein weiterer Vorteil unseres Netzwerks. Wir kommen untereinander mit unseren Kindern öfters zusammen. Dadurch lernen die Kleinen den Umgang mit anderen Kindern und können sich besser entfalten“, erklärt die 33-Jährige, warum es heute bei ihr wie in einer „richtigen“ Kita zugeht. Schließlich hat Jeanette Huse ebenfalls ihre Schützlinge, darunter ihrezweijährigeTochter Jamie Lee mitgebracht.
Suzanne Henkel hat als gelernte Erzieherin mit der neuen Aufgabe ihren „Traumjob“ gefunden. Denn nun ist sie im Gegensatz zu ihrer früheren Kita-Tätigkeit die Chefin, und vor einer Entlassung braucht sie auch keine Angst zu haben!
Was unterscheidet nun die Tagesmütter von den Kitas? „In der Regel betreuen wir die Kinder bis zum Alter von drei Jahren. Dann bekommen sie einen Kita-Platz zugewiesen. Da es in Falkensee immer noch Wartelisten gibt, greifen die Eltern sofort zu, um den Anspruch nicht zu verlieren“, beschreibt Sonja Graf-Wasmann die Situation. Dabei würden die Tagesmütter ihre Kleinen durchaus länger behalten: „Wenn die weggehen, ist das immer eine sehr traurige Sache. Vom Gesetz her könnten wir die Kinder bis zur Hortzeit betreuen“, meint Suzanne Henkel.
Reich werden kann man als Tagesmutter aber nicht: Wie in der Kita gibt es feste Sätze, die die Stadt mit den Tagesmüttern abrechnet. „Für eine tägliche Zehn-Stunden-Betreuung sind das 345 Euro pro Kind und Monat!“ Dennoch sind die Tagesmütter für die Kommune eine kostengünstige Lösung: Denn sämtliche Sachkosten, die eine Kita erfordert, von den Spielgeräten bis zum Gebäude und dessen Unterhalt, werden den Tagesmüttern nicht extra erstattet. Was ist, wenn das Kind mal krank ist – für berufstätige Eltern die Horrorvorstellung? „Da haben wir die gleichen Vorschriften wie die Kitas: Die Kinder müssen mindestens 24 Stunden fieberfrei sein, bevor sie wieder kommen können“, beschreibt Sonja Graf-Wasmann. Und wenn das eigene Kind der Tagesmutti krank ist, müssen dann alle fremden Kinder zuhause bleiben? „Das ist noch nie vorgekommen!“, wehrt Suzanne Henkel ab.
Unter den etwa 40 Tagesbetreuern in Falkensee ist übrigens kein einziger Tages-„Papi“. Zufall oder Absicht? „Ob ich mein Kind einem Mann anvertrauen würde? Ich glaube kaum“, umreißt Suzanne Henkel eine Seite des Problems.

Infos Tel. 03322/3935

Zusammen haben Suzanne Henkel (r.) und Jeanette Huse zehn Kinder!