Stand Juli 2010
Den Stars auf die Füße gesehen
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Ob Rolling Stones, Nena, Allmann Brothers Band, Madonna, Pink, Lady Gaga, Liza Minelli oder Robby Williams, ein Hohen Neuendorfer ist es gewohnt, nah bei den ganz Großen zu sein!
„Es gibt kaum einen Pop-Star, den ich noch nicht aus der Nähe erlebt habe“, kann Roland Owsnitzki zu Recht von sich sagen. Er ist gefragter Konzert-Fotograf, der in Berlin regelmäßig die Stars hautnah vor der Kamera-Linse hat. „Es geht mir darum, den Künstler in meinen Fotos möglichst
authentisch, ungeschminkt, so wie er wirklich während des Konzerts ist, herüberzubringen“, beschreibt der gelernte Speditionskaufmann, der heute hauptberuflich halbtags in einer Kita als Erzieher arbeitet, seinen künstlerischen Ansatz. Der wird ihm allerdings von Jahr zu Jahr mehr erschwert.
Aufpasser für Fotografen
„Als ich 1983 mit der Konzertfotografie begann, konnte man einfach reingehen und fotografieren, wie man wollte. Heute ist das anders: Da muss man sich beim Management akkreditieren, darf nur bei ein paar bestimmten Titeln für wenige Minuten fotografieren.
Da steht dann ein Aufpasser daneben, der das überwacht. Dann muss man oftmals sogar seine Kamera abgeben, wenn man weiter im Konzert bleiben will. Die Bilder darf man dann häufig nur in einer bestimmten Zeitung in einer bestimmten Ausgabe veröffentlichen.“
Stars gegen Pressefreiheit?
Allgemein bekannt wurde das Problem, als Robby Williams 2006 die Pressefreiheit so einschränken wollte, dass die Fotografen schließlich seine Deutschlandtournee boykottierten. Das Management von Britney Spears erzwang 2009, dass die Fotos von Roland Owsnitzki nur in einer Zeitung erscheinen durften. Die „taz“ druckte deshalb einen weißen Fleck und machte auf das Problem aufmerksam. Als „Rammstein“ im Vorfeld der Festivals „Rock am Ring“ am Nürburgring und „Rock im Park“ in Nürnberg die Fotografen zwingen wollte, die Rechte an den Fotos an die Band für ihre Internet-Seite abzutreten, warnte der Deutsche Journalisten Verband die Bildjournalisten davor, derartige „Knebelverträge“ zu unterschreiben. Der Passus wurde schließlich gestrichen.
Verständlich, wenn bei diesen Beschränkungen und dem juristischen Hick-Hack selbst erfahrene Star-Bildreporter wie der Hohen Neuendorfer Roland Owsnitzki nur noch wenig Spaß an den so dünnhäutigen, immer eitleren und geldgierigeren „Stars“ auf der Bühne haben.
Roland Owsnitzki liebt deshalb mehr die kleinen Clubs: „Dort treten oft Bands auf, die ganz klasse sind, wirklich ihr Letztes geben. Das macht dann Spaß.“
Stars von unten
Der Hohen Neuendorfer beobachtet aber nicht nur Stars, er ist selbst auf dem Weg, zum Star zu werden. So schickte die britische Tageszeitung „The Guardian“ extra einen Reporter nach Hohen Neuendorf, um den „seltsamen Mann“ ausfindig zu machen, der – Füße fotografiert.
Roland Owsnitzki hat nämlich mittlerweile eine breite Sammlung von Fotos von Füßen der Popstars. „Auf die Idee kam ich beim Arbeiten. Man steht ja vor der Bühne und hat erst mal ganz groß die Füße und Schuhe der Künstler im Auge. Das geht uns Fotografen so und das geht vielen Zuschauern so. Da kam mir die Idee, dass Füße und Schuhe durchaus interessantes über den Menschen berichten können. Ich begann also, gezielt das mit zu fotografieren.“
Neuer Trend in der Fotografie
Dadurch entwickelte Roland Owsnitzki eine ganz neue Sichtweise in der Fotografie, die mittlerweile
immer mehr Fans und Nachahmer findet.
Tatsächlich kann man dadurch manchen Star in einem ganz neuen Licht
sehen: „Mick Jagger tritt oft mit Reebook- oder Turnschuhen auf. Das finde ich ziemlich schrecklich. Bei
Liza Minelli kann ich mich an Schuhe erinnern, wo die Zehen richtig furchtbar
herausquollen. Mein Lieblingsbild ist von Björk. Das war etwa 1985. Sie steht da barfuß vor dem Mikrofon und hatte ein Riesen-Loch in der Strumpfhose. Das zeigt gelebte Musik, ist authentisch.“
Authentische Lady Gaga
Aufgestoßen ist ihm dagegen Howard Carpendale in Gesundheitsschuhen. Der sonst so eitle Robby Williams dagegen tritt, so die Beobachtung von Roland Owsnitzki, bevorzugt mit „normalen bequemen Schuhen“ auf. Von den großen Stars besonders authentisch findet Owsnitzki Lady Gaga: „Die ging nach ihrem Konzert in Berlin anschließend ins Bergwerk, hat dort aufgelegt und mitgefeiert. Schließlich hat sie in dieser Disko bis zur Atemlosigkeit mit dem Füßen und den Händen Klavier gespielt.“
Roland Owsnitzki selbst legt übrigens keinen Wert auf  besonderes Schuhwerk: „Ich besorge mir ab und an Blundstone Schuhe aus Australien. Auf die bin ich bei einem Aufenthalt dort gestoßen. Die werden auf dem fünften Kontinent zum Arbeiten getragen, weil sie stabil und bequem sind.“
Infos: www.votos.de
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