Stand Juli 2011
Vom Zimmermädchen zur Managerin
proZ20017.tif
Sie schaffte die Traumkarriere, sozusagen vom Zimmermädchen zur hochgeachteten Auto-Managerin. Das brachte die Hohen Neuendorferin dazu, beim Berufsstart zu helfen.
Angela Morisse erinnert sich noch gut, dass sie Hotelfachfrau werden wollte, um ihrem Wunsch, viel reisen zu können, näher zu kommen. „Nach der Ausbildung hätte ich aber nicht mal 1000 Mark verdient. Das sah ich nicht ein.“ Also ergriff sie die Gelegenheit, die Branche zu wechseln. Sie wurde Expertin für den weltweiten Re-Import von Neuwagen. Anschließend warb sie ein Reinickendorfer Autohaus als
„Assistentin der Geschäftsführung“ ab. „Ich war über dieses Angebot mehr als erstaunt, denn klassische Büro-Qualifikationen hatte ich wenige. Ich konnte kein Steno und nicht besonders gut Maschinenschreiben.“  
Kein halber Chef
Doch ihr Chef sah ihre Manager-Qualität. Bereits nach kurzer Zeit war sie die Chefin eines großen Opel-Autohauses und dort für 120 Beschäftigte verantwortlich.
Mit der zweiten Ehe kam Nachwuchs in Form von Tochter Alessandra, die heute 19 Jahre alt ist. „Ich wollte für meine Tochter da sein, erleben wie sie aufwächst. Allerdings, Manager kann man nicht halb sein, das erfordert mehr als einen Acht-Stunden-Tag. Also entschied ich mich, meine Karriere zu beenden.“ So avancierte Angela Morisse zur IT-Fachfrau mit eigenem Unternehmen in Hohen Neuendorf.
Jugend-Probleme
Das Aufwachsen der Tochter, die täglichen Einblicke ins Leben von Firmen, die sie betreute und die Erzählungen ihres Manns Dieter
Morisse, der Lehrer in einem Oberstufenzentrum in Berlin ist, brachten Angela Morisse zur Erkenntnis, dass viele Jugendliche daran scheitern, überhaupt herauszufinden, was ihr Traumberuf sein könnte. „Die Folge sind Studienabbrüche, Lehrausbildungen, die freudlos durchgestanden werden oder schließlich ein unerfülltes Leben, weil man im Beruf unglücklich ist!“ Die Frau, die gewohnt ist, Probleme zu erkennen, zu benennen und einer Lösung zuzuführen, zögerte nicht lange. So entstand das „Projekt Zukunft“, vielen unter dem eingängigen Kürzel „Pro Z“ bekannt. Es wird von
einem kleinen Verein mit zehn Mitgliedern getragen, lebt von den Zuwendungen der Förderer und neuerdings aus den Einnahmen der Tombola des Herbstfests, für die der Verein nach Auflösung des ursprünglichen Veranstalters die Verantwortung übernahm.
Berufs-Camp
Kernstück der Aktivitäten ist ein jährliches „Berufsfindungscamp“. Das findet allerdings nicht, wie der Name vermuten lassen wird, in einem Zeltlager, sondern an unterschiedlichen für Seminare geeigneten Orten statt. „Es erstreckt sich über ein verlängertes Wochenende. Das stellt für manche schon eine erste Hürde dar, denn gerade Jungs sind oft schwer davon zu überzeugen, dass sie soviel Freizeit ‚opfern‘ sollen. Im Rahmen des Camps sind  professionelle Trainer aktiv, die aus Frankfurt am Main kommen. Sie finden mit den Jugendlichen nach einer erprobten Methode heraus, wo ihre Stärken und Schwächen liegen und kommen mit ihnen schließlich zu einem Berufsbild. Wir führen diese Camps seit über zehn Jahren durch, in 80 Prozent der Fälle haben sie dauerhaft geholfen. Oft kommen dann Jugendträume zur Realisierung. So erinnere ich mich an ein Mädchen, das als Kind immer Tierarzt werden wollte. Das wurde dann lange vergessen. Das Camp fand heraus, dass sie gerade für diesen Beruf besonders gut geeignet wäre“, so Angela Morisse. Es kann sich jeder bewerben, die Teilnahme ist kostenlos.
Geld zum Verteilen
Nach dem Ende des „Gewerbe- und Bürgervereins“ GuBV haben die Aktivisten um Angela Morisse einen Teil von dessen früheren Aufgaben nun zusätzlich übernommen. Neben der
Tombola fürs Herbstfest geht es vor allem um die Unterstützung von Jugendlichen. So wurden 1000 Euro an Zuschuss für die Norddeutschen Meisterschaften der Tischtennis-Spieler ausgegeben. 2500 Euro bekommen die Fußballer für ein Jugendsportfest und mit 1000 Euro wurde bisher das Projekt „Stolpersteine“ unterstützt.
Tochter Alessandra steht übrigens schon in den Startlöchern, um diese Arbeit weiterzuführen. Sie strebt ein Studium im Veranstaltungs-Management an. Das erfordert viel Organisationstalent und beste Nerven, was bei den Aktivitäten von Mutter Angela Morisse ja wichtig ist.
dii.gif