Der Schlüssel dreht sich im Zündschloss, doch es fehlt das Motorengeräusch. Stattdessen bewegt
sich der schmucke Kleinwagen flüsterleise aus der Parkbucht. Sogar die Katze am Straßenrand
wundert sich. Soll sie vor so etwas ausweichen?
Der Elektro-Renault Zoe der Stadtverwaltung ist jüngster sichtbarer Ausdruck fürs Bemühen von Hohen
Neuendorf, weiterhin eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz zu spielen. Bereits vorher überzeugte die Stadt
im Grünen mit einer neuen Grundschule in der Niederheide, die mehr Energie erzeugt als verbraucht.
Während die Schule „ernstzunehmende“ Erfolge in der Praxis zeigt, ist das kleine Auto, obwohl im
Gegensatz zur Schule keine Einzelanfertigung sondern Industrieprodukt, nur begrenzt einsatzfähig. „Es hat
eine Reichweite von 130 Kilometer“, erläutert Malte Stöck. Seiner Ansicht nach reicht das für viele
Einkaufsfahrten. Leider hängt das Auto dann für relativ lange Zeit an der Steckdose, bis der Akku voll ist.        
Geduld fürs Klima
Es lässt sich an diesem kleinen Beispiel ermessen, dass die Aufgabe eines „Klimaschutzmanagers“ Geduld
erfordert. Hohen Neuendorf hat sich diese Position neu „geleistet“ und kann sich über Fördermittel aus der
nationalen Klimaschutzinitiative freuen. Der Kontakt zum Bürger gehört zu den Hauptaufgaben von Malte
Stöck, obwohl sein Büro im Erdgeschoss der Außenstelle des Bauamtes nur schwer zu finden ist. Doch
Gegenwind ist er gewohnt. Als Hanseat aus Hamburg weiß er mit einer frischen Brise umzugehen. Stöck
war als Jugendlicher in der Umwelt-Bewegung aktiv und machte das Engagement zum Beruf, als er Natur-
und Sozialwissenschaften studierte, um als „Diplom-Umweltwissenschaftler“ abzuschließen. „Ich wollte
mehr, als nur auf Demos dagegen sein“, fasst er zusammen, wie er, statt Energie im Protest zu verlieren,
damit begann, Energie im Einsatz für erneuerbare Energien aufzuwenden.
Gegenwind gewohnt
Der heute 37-Jährige wurde von der Naturschutzjugend engagiert, die damals noch ihren Hauptsitz in Bonn
hatte, dann aber nach Berlin umzog. Auf diese Weise kam Malte Stöck wieder seiner norddeutschen
Heimat näher. Er wurde schließlich nach Hamburg entsandt, als „Klimaschutzmanager“. Schwerpunkt
waren die über 1000 städtischen Kitas. Anschließend engagierte ihn die in der Nähe gelegene Stadt
Lüneburg als Gebäudemanager. „Da hatte ich sehr viel Berührung mit bautechnischen Feinheiten. Es ging
um Wärmedämmung und Solaranlagen“, beschreibt er seine Weiterentwicklung, die ihm in Hohen
Neuendorf zu Gute kommt.
Gute Vorarbeit der Stadt
Denn in der Stadt vor den Toren des idyllischen Berliner Stadtteils Frohnau ist der seit September 2014
aktive Umweltfachmann Generalist für alles, was Klimaschutz und Umwelt fördert: „Die Stadt hat hier
bereits gute Vorarbeit gemacht. So gibt es ein ‚Integriertes Klimaschutzkonzept’, das mir nun als eine Art
Leitfaden meiner Arbeit dient.“ Dazu gehört beispielsweise die Förderung von Elektroautos durch öffentliche
Aufladestationen. Dabei dürften hier kaum schnelle Erfolge zu erreichen sein. „Momentan gibt es drei
Elektroautos in Privatbesitz. Ich kenne aber jemanden, der mit dem Gedanken ebenfalls spielt. Wenn der
sich dafür entscheidet, hätten wir schon 25-prozentigen Zuwachs“, weist Malte Stöck humorvoll auf die
relative Aussagekraft von Statistiken hin. Er weiß, dass die Hauptlast der Klimaschutz-Bemühungen auf
privaten Schultern liegt: „Gebäude-Wärmedämmung spielt eine wichtige Rolle.“ Allerdings sind gerade hier
seine „Hilfswerkzeuge“ beschränkt. „Ich kann nur eine allgemeine Aufklärung bieten und im konkreten
Einzelfall auf unsere Liste von spezialisierten Energieberatern verweisen. Für die Kosten dafür kann es
Förderung geben, bei der ich gerne behilflich bin.“ Damit bleibt ihm zum Glück erspart, in die aufgeflammte
Diskussion eingreifen zu müssen, ob es überhaupt ökologisch sinnvoll und gesundheitspolitisch
erstrebenswert ist, atmende Mauern in eine dicke Plastikhülle möglichst luftdicht einzupacken. „Optimalere
Effekte kann man sicher mit einer vorgehängten Fassade erzielen. Das nützt aber nur, wenn man ein
abgestimmtes Paket an Maßnahmen durchführt, zu dem die Abdichtung von Dach und Fenstern gehört“,
gibt Klimaschutzmanager Malte Stöck als Tipp.
Energie für Veränderungen
Viel einfacher ist es da, sich für energiefreundliche Wärmepumpen, Solaranlagen und Fahrradfahren
einzusetzen. Selbstverständlich lebt Malte Stöck das gerne vor und legt als „Kostverächter“ was Fleisch
betrifft, noch einen oben drauf! Dabei müssen doch gerade Pedalritter viel Energie für die eigene Fort
bewegung aufbringen, wenn sie nicht so schnell schlapp machen wollen, wie die „umweltfreundlichen“
Elektroautos. „Aufladezeiten“ von mehreren Stunden würde wohl weder die Kantine des Arbeitgebers noch
„Mutti zuhause“ akzeptieren!
Infos:
Tel. 0 33 03/5 28 13
www.klimaschutz-hn.de
Stand August 2015
Neue Energie fürs Energiesparen
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