Dies ist ein Archiv-Eintrag aus dem Jahre 2016!

Zahlenjongleur aus dem Museum, Müll-Ideen fürs Klassenzimmer

Marie-Curie-Gymnasium
Marcus Wagner
Telefon:0 33 03/2 95 80
Website:www.curiegym.de

Sensationelle Ideen machen Schule

Stand: Oktober 2016

Dass Schulbänke ins Museum kommen, erlebt man ja öfters mal. In Hohen Neuendorf geht das genau anders herum. Hier kommt das Museum in die Schule und bringt ganz anders als erwartet frische Ideen, die aufhorchen lassen. Dafür gab es sogar einen bundesweiten Preis!

Ausgerechnet ein „nüchterner“ Mathelehrer im Marie-Curie-Gymnasium sorgt hier für eine neue spektakuläre Sicht auf die Stadt. Während man im Unterricht mucksmäuschenstill sein soll, bekommt von ihm jeder der es will, etwas „auf die Ohren“. Auf seine Anregung hin wurde ein Stadtrundgang der ganz anderen Art im Zuge eines Schulprojekts erstellt. Den kann sich jeder auf sein Smartphone oder andere Geräte laden, sogar kostenlos. Man kann sie bequem über „www.curiegym.de/?page=1099“ herunterladen.

Neue Töne
Was man da hört wurde von den Schülern Lia Sophie Cuba, Pia Kozinc, Marvin Werke, Ronan Kenny, Ole Straßburger, Lukas Neugebauer, Aljoscha Bäcker, Theresa Schleppach, Julien Schmitt, Noah Feuer, Sally Storch, Leonard Haake, Niclas Reiner, Sophie Grande, Tabitha Sontner, Lennart Ilgeroth und Linda Friedrich erarbeitet und vertont. Es macht Orte spannend, die auf den ersten Blick wenig spektakulär sind. Dazu gehören das Wasserwerk, eine Sonnenuhr, Eisenbahngleise, der Fahrstuhl am S-Bahnhof, Klingelschilder oder Satellitenschüsseln. Sogar Pflastersteine und Kiefern­zapfen kommen plötzlich ins Rampenlicht und offenbaren mathematische Geheimnisse, auf die man erst mal kommen muss!

Ausgezeichnet
Das Projekt ist so ungewöhnlich, dass es auf Anhieb den „Casio Vektoria Preis“ bekam und damit bundesweit Hohen Neuendorf Aufmerksamkeit bescherte. Damit ist es Mathe-Pauker Marcus Wagner gelungen, sein Fach „sinnlich erlebbar zu machen“. Dies ist dem 37-Jährigen ein Herzensanliegen. Er hat sich in das Reich aus Zahlen „verliebt“, weil er damit Ordnung und Struktur in seinen Alltag bringen wollte. Nur sein Wuschelbart scheint da nicht ganz mitzumachen. Doch Marcus Wagner fand selbst hierfür eine Lösung und wirkt der Unstrukturiertheit im Gesicht mit einem mathematischen Tattoo am rechten Arm entgegen. Wo andere die Freundin oder Sehnsüchte verewigen, kommen bei ihm parallele Linien und rechte Winkel zum Tragen!

Zahlen für Mathemuffel
Die guten Ideen, um so ein abstraktes Fach wie Mathematik „normalen“ Mathemuffeln, wie es sicher die meisten von uns sind, nahezubringen, hat Marcus Wagner aus dem Museum. Er war am „Mathematikum“ in Gießen tätig. „Dies ist das weltweit einzige Mitmachmuseum rund um Zahlen und Formeln“, klärt er auf. Offenbar hat er seine Arbeit dort so gut gemacht, dass ihn die Stadt Pirmasens anschließend sogar als Museumsleiter für ihr neues „Dynamikum“ engagierte, das in Rheinland-Pfalz einmalig ist.

Beliebtes Gymnasium
Dem vor Ideen sprühenden Zahlenjongleur war auf Dauer der beschauliche Pfälzerwald wohl etwas zu einsam. So ergriff er die Gelegenheit, sich in die Hauptstadtregion zu verändern. Jetzt sorgt er in Hohen Neuendorf für Wirbel. Er wurde in kurzer Zeit Fachbereichsleiter für Mathematik am Marie-Curie-Gymnasium, das gerade das runde 25. Jubiläum feiern konnte. Mit knapp 800 Schülern und über 50 Lehrern ist es eine der beliebtesten Schulen der Region. Leiter ist Dr. Gerd Meusling, der als gelernter Naturwissenschaftler immer offen für neue Ideen ist.

Sparen mit Abfall
So ist eine Schülergruppe um Andreas Scheuermann, der Mathematik und Physik unterrichtet, gerade dabei, den Schulalltag, zumindest was die Hinterlassenschaften angeht, zu revolutionieren. Das Team, zu dem Rebecca Schönknecht, Josephine Wernicke und die erst 14-jährige Henriette Bäßler gehören, macht eine Langzeit-unter­suchung über den „Müll im Klassenzimmer“. Kurz vor Abschluss ist das Ergebnis sehr eindeutig: „Fast alles, was anfällt, ist wiederverwertbarer Wertstoff. Den Löwenanteil machen Verbundstoffe von Verpackungen und Papier aus. Würde man in den Klassenzimmern ebenfalls Mülltrennung machen, blieben im Wesentlichen organische Stoffe wie Bananen- oder Orangenschalen übrig. Die Krönung wäre also ein Komposter. Dann könnte man erheblich Geld bei der Müllentsorgung sparen“, rechnen die findigen Mädchen vor. Sie wollen ihre Erkenntnisse bei „Jugend forscht“ einbringen, wo das Gymnasium in Hohen Neuendorf regel­mäßig Spitzenplätze belegt. Schulleiter Dr. Gerd Meusling ist von der Idee, mit der „sein“ Gymnasium Zeichen setzen könnte, begeistert. Schließlich würde so eine gute Tradition in der Stadt weitergeführt, Umweltschutz und Kostensenkung zusammen­zubringen. Dafür steht die unter Ägide des ehemaligen Bürgermeisters Klaus-Dieter Hartung entstandene „Grundschule in der Niederheide“, die mehr Energie erzeugt, als sie verbraucht.

Kaum Unterrichtsausfall
Schon jetzt kann Dr. Gerd Meusling mit einem aufsehenerregenden Rekord aufwarten: „Unter Leitung meiner Stellvertreterin Lisette Noack haben wir ein System ausgeklügelt, das den viel­beklagten Unterrichtsausfall auf gerade mal ein Prozent im Jahr reduziert“, strahlt er. Damit sieht man, was Mathematik im praktischen Leben erreichen kann, denn „Stundenplan-Akrobatin“ Lisette Noack unterrichtet ebenfalls dieses Fach. Zudem hat sie viel Sinn für Beweglichkeit, wie ihr Zweitfach „Sport“ unschwer erkennen lässt. Darin ist sie übrigens landesweit gefragt, als Schulsport-Koordinatorin von Brandenburg. Im November 2017 hat das Marie-Curie-Gymnasium übrigens einen weiteren Grund zu feiern. Dann sind es genau 20 Jahre, dass das Gymnasium sich nach der Nobelpreisträgerin benannt hat. Diese könnte an diesem Tag ihren 150. Geburtstag feiern.