100 Jahre Feuerwehr in Borgsdorf

Hilfe! Ein Schwan blockiert die Strasse!

Hilfe, ein Schwan sitzt auf der B96! Da ist selbst die Polizei machtlos, denn weder durch Drohung mit Strafzettel, noch Blaulicht oder gut zureden ist dem Tier beizukommen. Wer kann da helfen? Die Feuerwehr Borgsdorf!
„Wir haben über das Tier eine Decke gestülpt und es zur Havel gebracht“, schmunzelt Schriftführer Peter Schuldes. Der 28-jährige, der hauptberuflich Drucker in der Bundesdruckerei ist und damit auch für unsere schönen Euro-Scheine sorgt, ist gerade riesig im Stress. Denn es gilt, einhundert Jahre Feuerwehrgeschichte zu ergründen und in Worte zu fassen. Dabei ist Peter Schuldes auch noch mit den Fundamenten seiner Familiengründung beschäftigt: „Ich bin gerade dabei, ein Haus zu bauen.“ Wenn das fertig ist, dann geht es an die Suche nach der geeigneten Frau...
Der Termin dafür steht allerdings noch in den Sternen. Ganz anders ist es mit den Feierlichkeiten zum Feuerwehr-Jubiläum. Obwohl die Borgsdorfer Wehr eigentlich erst im Oktober 1904 ins Leben gerufen wurde, wird dieses Jahr bereits im September gefeiert. Schließlich wollen sich die über 50 Brandlöscher beim Durstlöschen und Feiern nicht vom eventuell schlechten Spätherbst-Wetter die Laune verregnen lassen!
Ein Grund für die damalige Feuerwehr-Gründung war das Vorbild der anderen Gemeinden. Alle hatten schon eine eigene Löschtruppe, nur die Borgsdorfer nicht. Als sich dann der Nelken-Papst Kurt Moll als großzügiger Unterstützer anbot und die Erstausstattung übernehmen wollte, war der Weg geebnet. Mit zehn Aktiven und ebensovielen Fördermitgliedern ging es am 24. Oktober 1904 offiziell los. Kurz darauf wurde ein Spritzenhaus mit Steigerturm errichtet. 1910 wurde die handbetriebene Spritze durch einen „richtigen“ Wasserwagen ergänzt, hat Schuldes weiter herausgefunden. Die erste „Wasserprobe“ gab es bereits vorher zu bestehen: 1907 drohte ein Großfeuer Pinnow zu zerstören. Die Wehr zeigte, was sie gelernt hatte. Mit dem Anwachsen der Siedlung am Bahnhof und dem Anstieg der Bevölkerung entwickelte sich die Feuerwehr weiter. Nach dem Desaster des zweiten Weltkriegs mussten die Brandlöscher von vorne beginnen. Wieder war es die alte Handpumpe, die den Anfang machte. So stand die Feuerwehr fast wehrlos da, als es 1946 zu einem Großfeuer kam. Fast der gesamte Wald südlich der heutigen B96 stand in Flammen, weil dort lagernde Munition sich entzündet hatte. „Kaum ein Haus am Bahnhof, in dem damals die Fensterscheiben heil blieben“, so Peter Schuldes. Peinlich war die 50 Jahr Feier 1954. Niemand interessierte sich für das Ereignis! Der Rat der Gemeinde entschuldigte sich später damit, man hätte es nicht gewusst.
Richtig zum Schwitzen kamen die Wehrmänner, als es die Auswirkungen des schweren Sturms vom 13. November 1972 und der Schneeflut vom Februar 1979 zu begegnen galt. Als am 13. Juli 1985 ausgerechnet im Feuerwehr-Gebäude Feuer auf dem Dach war, mussten die Borgsdorfer allerdings klein beigeben: „Der Steigerturm brannte ab und wurde nie mehr aufgebaut“, so Feuerwehr-Chronist Schuldes.
1992 hatten die Borgsdorfer einen heißen Einsatz zu bestehen. Damals brannte eine Woche lang der Summter Wald. Außerdem war die Truppe bei der Oder- und Elbe-Flut mit im Einsatz. Zum 100. Jubiläum kann Wehrführer Helmut Hennings auf 27 Aktive, die 15-köpfige Jugendfeuerwehr und die vielen Ehrenmitglieder stolz sein. Mit einer beziehungsweise zwei Personen ist das „zarte Geschlecht“ allerdings nur als Minderheit am Schlauch vertreten. Etwa 75 Einsätze führt die Truppe im Jahr aus, „die meisten davon gelten Verkehrsunfällen, technischen Hilfeleistungen oder einem Ölfilm auf der Havel“, so die Statistik.
Wenn nötig, wird schon mal eine Katze aus der Baumkrone gerettet.
Infos Tel. 03303/404812

Peter Schuldes legt sich mächtig ins Zeug, um hundert Jahre Borgsdorfer Feuerwehr in den Griff zu bekommen.