Opa-Alarm!

Schwierige Suche nach Wunsch-Grosseltern

Gerade junge Familien lieben die grüne Lage und die erschwinglichen Grundstückspreise um Hohen Neuendorf und Birkenwerder. Zudem sind Kitas, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten vorhanden und Berlin ist nahe. Doch vielen, die zuziehen, fehlen die Großeltern um die Ecke, die sich mal entspannt mit den Kleinen beschäftigen. Eigentlich schade!
„Andererseits klagen viele Senioren über Langeweile und fehlenden Lebenssinn”, weiß Helga Würdisch. Die pensionierte Bankangestellte wohnt zusammen mit ihrem Ehemann Dr. Hanswolfgang Würdisch seit zehn Jahren im schmucken Eigenheim in Hohen Neuendorf. Sie freut sich, trotz junger 60 Jahre für ihre achtjährige Enkelin Milena „Oma” spielen zu dürfen. „Das bringt soviel Lebensfreude“, strahlt sie. Also überlegte sich Helga Würdisch, anderen Senioren diese Lebensfreude ebenfalls zu ermöglichen. Und zugleich Familien mit Kindern und Berufsstress durch Wunsch-Großeltern aus der Nachbarschaft Erleichterung zu bieten. „In Berlin gibt es einen Großelterndienst, der funktioniert klasse“, hat sie herausgefunden. Im Stadtverein fand sie eine Organisation, die von der Idee ebenso begeistert war wie sie. Und siehe da, kaum gab es den ersten Presseartikel über die gute Idee, stand das Telefon nicht mehr still. In kurzer Zeit hatten sich Familien aus dem ganzen Umkreis gemeldet. Allerdings, wo blieben die Großeltern nur? „Gerade sechs Seniorinnen“ bekundeten Interesse. „Opas“ sind absolute Mangelware! Und von den sechs Bewerberinnen wohnen zwei relativ abgelegen in Oranienburg und können dadurch wegen schlechter Verkehrsverbindung kaum eingesetzt werden. „Die anderen waren regelrecht erschrocken, weil sich bei uns nur Familien mit mehreren Kindern gemeldet hatten. Das war bisher allen doch zu viel Aufwand!“
Dem Stadtverein sei Dank, manchen jungen Familien konnte dennoch geholfen werden. Denn bereits früher waren vier Schülerinnen zu Babysitterinnen ausgebildet worden, und die springen nun dort ein, wo es den Senioren an Engagement fehlt. Jetzt hofft Oma Würdisch, dass sich ihre Altersgenossinnen doch noch einen Ruck geben und denkt sogar darüber nach, das bisherigen Höchstalter von 65 Jahren für die „Wunsch-Großeltern“ im Dienste der Sache zu kippen. „Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass man mit 70 noch die Kondition hat, Kinder zu betreuen.“
Über die Zurückhaltung der Senioren ist Helga Würdisch auch deshalb traurig, weil sie selbst ohne Großeltern aufwachsen musste. „Dabei gehören Großeltern mit ihrer Ruhe und der Zeit, sich mit den Kindern zu beschäftigen, zum Aufwachsen doch einfach dazu!”
Aber vielleicht sind Senioren in Hohen Neuendorf heutzutage einfach zu aktiv, um Oma und Opa spielen zu wollen? „Wir sind begeisterte Radsportler und laufen regelmäßig. Im Seniorensportverein haben wir tatsächlich noch niemand von unserer Idee überzeugen können“, kommt Helga Würdisch ins Grübeln. Momentan warten jedenfalls 27 Kinder im Alter von zwei bis elf Jahren auf Großeltern, und täglich werden es mehr.
Info: Helga Würdisch
Tel. 0174/1692778 oder Tel. 03303/406052

Wer möchte diese beiden süßen Mädchen haben? Victoria, 7 und Henriette, 4, wünschen sich ebenfalls eine Wunsch-Großmutter.

Ab und an springt Helga Würdisch selbst ein.

Milena freut sich über ihre Oma.