Speedway: Schneller als die Formel Eins auf dem Motorrad

Rasend schnell und ohne Bremse

Mit 90 Stundenkilometer fühlt sich ein richtiger Motorradfahrer nicht besonders schnell. Außer – er muss in eine Haarnadelkurve und kann nicht bremsen!
Ein 19-Jähriger aus Hohen Neuendorf kann von derart brenzligen Situationen gar nicht genug bekommen. Fast jedes Wochenende riskiert er sein Leben – als einziger Speedway-Pilot der Stadt.

Rennstar aus Hohen Neuendorf
Denis Wienke ist ein Star unter den halsbrecherischen Fahrern, die auf getunten Gefährten ohne Schaltung und ohne Bremsen um die Wette rasen. Er ist in Deutschland drittbester Fahrer unter 21 Jahren und in der Bundesliga ganz oben. „2007 ist sein bestes Jahr“, strahlt Frank Jörke. Denn er ist Betreiber des Rennstalls „Speed Driving“, für den der Mechatroniker-Lehrling während der Saison von Frühjahr bis Herbst so ziemlich jedes Wochenende unterwegs ist.

Rennzirkus quer durch Deutschland
Die Rennen führen von Flensburg bis München, von Frankfurt am Main bis Polen. Und das oftmals an einem einzigen Wochenende. Die Regel sind denkbar einfach: Vier Fahrer ermitteln auf einem Oval von 350 bis 650 Meter Länge, wer der Beste ist. „Meist finden fünf Läufe statt, gegebenenfalls gibt es noch ein Stechen“, berichtet Frank Jörke. Die Rennmaschinen sind Eigenbau.
„Wir beziehen die Rahmen aus Tschechien und die Motoren aus Italien. Die werden dann von Spezialisten in Hannover getunt.”

Methanol statt Benzin
Die Fahrer verwenden Methanol statt Benzin. „Damit erreichen die Maschinen mit ihren Einzylindermotoren bei einer Leistung von etwa 75 PS eine Beschleunigung, die über der von Formel Eins Fahrzeugen liegt“, so Frank Jörke. Am Start geht es mit Vollgas los. „Entscheidend ist das fahrerische Können. Die Piloten driften allein durch Gewichtsverlagerung ohne Gas wegzunehmen um die Kurven.“

Entscheidung auf Leben und Tod
Gefährlich wird es, wenn es zu Unfällen kommt. So wie letztes Jahr in Teterow: „Ein Mitfahrer kam zu Fall, ich versuchte auszuweichen, um ihn nicht zu überfahren. Dadurch kam ich ins Schleudern und kollidierte mit der Bande“, erinnert sich Denis Wienke.

Lebensretter in Lebensgefahr
Er rettete mit dem waghalsigen Manöver dem Kollegen das Leben, lag selbst aber mit drei angebrochenen Wirbeln im Krankenhaus. Denis Wienke war um Haaresbreite an einer lebenslangen Lähmung oder noch Schlimmerem vorbeigeschrammt. Ein derartig einschneidendes Ereignis ist für jeden ein Grund, über die Zukunft nachzudenken. Doch der Hohen Neuendorfer hat offenbar wirklich Renn-Benzin im Blut. Der Erfolg gab ihm recht. Nun ist Denis Wienke siegreicher denn je zuvor.

Mutter mit dabei
Bei jedem Rennen ist übrigens Mutter Anette Wienke mit dabei. Wer nun denkt, sie steht mit jeder Sekunde bangend um ihren Sohn an der Bande, der irrt allerdings gewaltig. Mutter Wienke bangt zwar, aber vor allem um den Sieg. Sie gehört ebenso wie Papa Frank Jörke zum „Schrauber-Team“. Die Mechaniker in der Box sorgen ganz wie bei der Formel Eins dafür, dass der Fahrer beste Bedingungen hat. So muss eines der beiden Motorräder das ganze Rennen über einsatzbereit sein. Defekte müssen schnell behoben werden. Natürlich fiebern sie mit — für den Sieg! Die beiden Nachrichtentechniker haben selbst übrigens keine aktive Erfahrung mit Zweirädern.

Mit neun ins Renngetümmel
Sie störte, dass ihr Sohn als kleiner Bengel dauernd vorm Fernsehen hing. „Wir haben versucht, ihn für Fußball zu interessieren, doch das ging gründlich schief. Dann hörten wir von einem Motorradverein, und das begeisterte Denis sofort!“ Seit dem zarten Alter von neun Jahren ist der Hohen Neuendorfer nun auf dem Feuerross aktiv. „Dabei hat er sogar in spätem Alter angefangen. Die jüngsten beginnen mit sechs Jahren!“, so Frank Jörke. Aber nur wenige werden so erfolgreich wie der Hohen Neuendorfer. Um seinen Sohn professionell zu betreuen gründete Frank Jörke einen Rennstall, der mittlerweile vier Teams, eines sogar aus England, unter seinen Fittichen hat. Damit ist Hohen Neuendorf nun ein fester Begriff unter den waghalsigen Speedway-Piloten. Der Erfolg von Denis Wienke ist übrigens einer ganzen Reihe von örtlichen Firmen mit zu verdanken, die als Sponsoren das ungewöhnliche Hobby unterstützen und damit dafür sorgen, dass die Stadt vor den Toren Berlins überregional Bekanntheitsgrad erwirbt.

Infos Tel. 0 33 03/40 62 18

Frank Jörke und Anette Wienke sind das „Schrauber-Team“ in der Box, um ihrem Sohn Denis Wienke (unten) Erfolge zu ermöglichen.