Wasserwerk feiert Geburtstag

Heisse Rock-Röhren, cooler Koch!

Harter Rock aus zarten Kehlen – in Hohen
Neuendorf steht nun eine Fast-Mädchenband in den Startlöchern zum Erfolg. „Curse Prophecy“ kommt beinahe ganz ohne Männer aus. Sogar das Schlagzeug ist fest in weiblicher Hand. Dafür ist Steffie Cierskie zuständig. Einziger Mann in der Band um Laura Pham und Julia Lorenz ist Markus Haase, und der kann sich damit geborgen wie das Häschen in der Grube fühlen!
Entgegen dem Mainstream hat sich der aufgehende Stern am Hohen Neuendorfer Bandhimmel „Black-Jazz-Metal“ verschrieben. Zum klaren Sound kommt Klartext: „Sozialkritische Inhalte und eigene Erfahrungen“ sollen in den selbst komponierten Liedern rüberkommen. Klingt spannend und bleibt es: An öffentliche Auftritte denken die jungen Musiker leider noch nicht. Stattdessen soll noch viel geübt werden, in Hohen Neuendorfs „Star-Schmiede“, dem Bandraum im Jugendzentrum „Wasserwerk“. Dabei hätte das Team um Leiterin Monika Bendska, Marion Czarlinksi und Markus Schiansky die neue Band zu gerne bei der großen Geburtstagsfeier am 27. August 2005 auf die Bühne geholt: „Wir feiern, dass wir seit fünf Jahren im Wasserwerk sind!“ Das Jugendzentrum selbst blickt übrigens auf eine noch längere Tradition zurück und war ursprünglich im Herzen der Stadt.
Heute zählt man im Wasserwerk weit über hundert feste Besucher im Alter zwischen zwölf und 24 Jahren. Sie können sich im Computer- und Kraftsportraum betätigen oder basteln, töpfern und malen, kochen, quatschen und feiern. Außerdem bietet das Team Hausaufgabenhilfe und ganz neu, Unterstützung bei der Job-Suche.
Ordnung muss sein, das gilt auch, oder erst recht, im Jugendzentrum. Also steht Aufräumen und Putzen ebenso auf der Agenda wie Renovieren, Reparieren, Malern und Gartenarbeit. Egal um was es geht, die „Wunderwaffe“ ist „Joker“, der seit acht Jahren mit von der Partie ist: Dem gelernten Koch wurde es während der Lehre in der Küche zu heiß, so dass er sich vorläufig dazu entschloss, den Großteil seines Lebens dem „Wasserwerk“ zu widmen: „Ich fahre nachts von Null bis sechs Uhr Zeitungen aus. Dann schlafe ich bis Mittag und bin pünktlich bei Öffnung um 13 Uhr taufrisch im Jugendzentrum“, schildert der 23-Jährige, der im bürgerlichen Leben Christian Mielke heißt, sein Traum-Ehrenamt. So ein Glück, dass Freundin Maria Heß ebenfalls gerne ihre Zeit in der Birkenwerderstraße 16 verbringt! Dem Engagement von „Joker“ ist es maßgeblich zu verdanken, dass das Jugendzentrum sogar am Sonntag geöffnet hat. Um den Überblick zu behalten, hat er dafür eigens die ungeliebte Schulbank gedrückt, um bei Dirk Buder die Juleika-Card zu erwerben.
Diese Befähigung zum ehrenamtlichen Jugendleiter hat die 18-jährige Aileen Schomacker gerade erst erworben. Dabei kennt sie schon weitaus höhere Weihen. Machte sie doch als Bürgermeisterin bereits tiefgründige Erfahrungen mit dem Regieren. „Die Probleme hörten gar nicht auf. Am schlimmsten waren die Mitarbeiter, die nach kurzer Zeit keine Lust mehr hatten und massenweise kündigten!“, erinnert sie sich mit Schaudern an die Zeit, als im Wald von Zühlsdorf die „Young City“ unter ihrem Regiment stand. „Das war ein Projekt in dem Jugendliche in einem ehemaligen Militärobjekt im Wald eine Stadt mit allen Institutionen wie Rathaus, Arbeitsamt und Behörden simulieren sollten. Daran waren viele Jugendzentren aus der Region und 200 Jugendliche beteiligt. Nun ist an eine Wiederholung gedacht“, erläutert Marion Czarlinski. Hohen Neuendorfs Bürgermeisterin Monika Mittelstädt kann sich allerdings wenig Hoffnung machen, dass ihr in Aileen Schomacker eine potenzielle Nachfolgerin erwächst: „Nie mehr!“, hat die 18-Jährige vom Regieren die Nase schon nach einer Woche gründlich voll und will sich nun eine Lehrstelle als Sozial-Pädagogin suchen.
„Wasserwerk-Opa“ ist übrigens Frank Czarlinski: Der 42-Jährige ist ältester Dauer-Besucher und gern gesehener Gast im Kraftraum – sorgt er im Gegenzug doch dafür, dass sein Autokran mal anfasst, wenn es schwere Aufgaben zu erledigen gilt! Ein ungeschriebenes Gesetz im Jugendzentrum Wasserwerk ist, dass alles, soweit möglich ohne weitere Zuschüsse der Stadt erledigt wird. Denn die stellt ja schon das Haus inklusive Unterhalt und bezahlt das dreiköpfige Betreuerteam. Und damit werden selbst so aufwändige Arbeiten wie das Pflastern des Hofs in Eigenarbeit erledigt: „Normalerweise hätte das 4 500 Euro gekostet“, weiß Joker.

Tolle Feier am 27. August
Am 27. August wird ab 14 Uhr den ganzen Tag gefeiert. Das bunte Programm beinhaltet Hüpfburg, Bungee-Jump, Auftritte verschiedener Gruppen, einen Sprayer Wettbewerb und als Hit am Abend, nein leider nicht die heißen Girls von „Curse Prophecy“, aber immerhin die gestandenen „Kollegen“ von Brotherhood. Aber nicht traurig sein, in fünf Jahren ist zehnter Geburtstag vom „Wasserwerk“, und bis dahin werden die rebellischen Rockerinnen vielleicht schon die richtigen Riffs an der Gitarre drauf haben!

Infos Tel. 0 33 03/21 24 13

Marion Czarlinski macht sich für die Jugend stark.

„Joker“ Christian Mielke wurde es als Koch in der Küche zu heiß. Jetzt fährt er nachts Zeitungen aus und sorgt tagsüber im Jugendzentrum ehrenamtlich für richtigen Schliff.

Laura Pham schwimmt mit ihrer Fast-Mädchen-Band Curse Prophecy bewusst gegen den musikalischen Mainstream.

Als „Bürgermeisterin“ vertiefte sich Aileen Schomacker in Akten. Doch mit Hohen Neuendorfs Bürgermeisterin Monika Mittelstädt will sie nicht konkurrieren.