Stand November 2009
Die Drei von der Schleuse
Wie von Geisterhand kommt das riesige Fahrgastschiff höher und höher, bis es schließlich ganz entspannt weiter seine Fahrt auf dem Teltow-Kanal fortsetzt. Kaum zu glauben, dass es eine einzige Person schafft, das alles zu bewerkstelligen.
„Früher waren in der Schleuse vier Mitarbeiter tätig, heute ist es nur noch einer, und vielleicht wird bald alles vollautomatisch gehen“, mutmaßt Peter Richter. „Auf den Schiffen ist es ganz ähnlich. Waren lange Zeit mindestens drei Personen nötig, so fährt die Berufsschifffahrt heute nur noch zu zweit. Irgendwann wird es wohl einer sein, der sich seine Schleuse per Fernbedienung öffnet“, ergänzen Werner Polzin und Otfried Becker.
10 000 Besucher im Jahr
Sie sind die „Drei von der Schleusnerbude“ und damit die beliebtesten Kleinmachnower. Jährlich über 10 000 Personen kommen am Wochenende zu ihnen, um hinter die Kulissen der über hundert Jahre alten Anlage zu blicken. Der 63-jährige Peter Richter kennt hier jede Schraube und jeden unterirdischen Gang. „Ich war dort schließlich 20 Jahre bis zur Pensionierung im Schichtdienst tätig.“
Heute kann er immer noch nicht von seiner Schleuse lassen, so groß ist die Faszination. Die springt schnell auf den Zuhörer über, denn die „Drei von der Schleusnerbude“ stellen sich in ihren Führungen ganz auf das Publikum ein. Dabei wissen sie manches, was sicher dem einen oder anderen Kleinmachnower bisher verborgen geblieben sein mag.
Einzigartige Technik
Etwa, dass ihre Schleuse etwas ganz Besonderes ist: „Sie ist eine von nur zwei Hotoppschen Schleusen, die es heute noch gibt“, so Werner Polzin. „Das Prinzip kennt jeder: Es fußt darauf, dass sich der Wasserspiegel in verbundenen Röhren selbst dann ausgleichen möchte, wenn das Wasser dazu nach oben steigen muss. Unsere Schleuse war als Zweikammersystem aufgebaut. Sie funktionierte so, dass das Wasser durch das nach seinem Erfinder Ludwig Hotopp benannte System von einer Kammer in die andere geleitet wurde. Das ging mittels Druckluftkammern. Damals wurden Schleusen dieser Art gebaut, wenn keine Energie für Ölhydraulik-Anlagen vorhanden war. Heute ist die Technologie immer noch modern, denn sie spart Energie, hat sich in über hundert Jahren bewährt und ist umweltfreundlich, weil sie mit viel weniger Wasserentnahme auskommt als herkömmliche Schleusen. Gerade im Sommer bei Niedrigwasser ist das für das Ökosystem sehr vorteilhaft.“
Schnell und sicher
Außerdem ist das über hundert Jahre alte System des 1854 in Üfingen, das heute zu Salzgitter gehört, geborenen Ingenieurs selbst für unsere Zeit sehr schnell: „Wir müssen einen Höhenunterschied von durchschnittlich 2,86 Meter überwinden und benötigen dafür nur neun Minuten“, lobt Otfried Becker. Allerdings, momentan hat Hotopp Ruhepause, denn an der zweiten Kammer wird noch saniert: „Sie soll aber Ende 2009 wieder in Betrieb gehen“, so Peter Richter. Natürlich haben die „Drei von der Schleusnerbude“ die eine oder andere brenzlige Situation erlebt: „Ich hatte schon mal ein Sportboot aufgehängt“, schmunzelt Peter Richter. „Die hatten die Leinen falsch befestigt, so dass sie beim Absenken des Wassers nicht mehr zu lösen waren und hingen schließlich samt Boot in der Luft!“
Einzigartige Sehenswürd igkeit
Da half nur noch Kommando zurück und das Wasser wieder nach oben.
Übrigens ist die Kleinmachnower Schleuse die einzige weit und breit, wo Besichtigungen angeboten werden. „Die nächste Möglichkeit dazu ist erst wieder in Magdeburg gegeben“, so die engagierten Rentner. Die Faszination, die von dem markanten Bauwerk ausgeht, hat Tradition: „Bereits ab der Eröffnung 1906 war sie ein beliebtes Ausflugsziel, das viele Besucher nach Kleinmachnow brachte. Rund herum gab es Ausflugsgaststätten, die meistens voll waren.“
Da wartet auf die drei technik-verliebten Rentner also noch einiges an Aufgaben, bis es wieder soweit ist. Immerhin können sie von sich sagen, dass sie Jahr für Jahr mit Rekordzahlen an Besuchern aufwarten können, wie sie kein anderer Kleinmachnower erreicht.
Infos:
Tel. 03 32 03/5 77 73
Informationszentrum:
Sa. & So. 12-18 Uhr
Schleusenführungen
finden am 1. Sonntag im
Monat um 15 Uhr statt.
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