Stand November 2009
Der Stimmverleiher!
Ein Kleinmachnower ist der Star in einem neuen Krimi. In „Der Stimmverleiher“ spielt er die Hauptrolle und lädt dazu ein, hinter die Kulissen der Welt von Hollywood-Topstars zu blicken.
Denn Engelbert von Nordhausen „war“ sie alle: Gene Hackman in Filmen wie „Superman“, „Der Harte und der Zarte“ oder „Schneller als der Tod“. Er war Jim Carter in „Shakespeare in Love“. Er war Gaius Bonus in „Asterix der Gallier“. Man hörte ihn im Kino als Bud Spencer, er war Colonel Hathi in „Das Dschungelbuch“, er gab John Larroquette in „Blind Date“ seine Stimme.
Blubberbernd und Fred Feuerstein
Kinder früherer Jahre erinnern sich noch an ihn als „Quack der Bruchpilot“ in „Duck Tales“. Noch gar nicht so lange her ist es, dass der Kleinmachnower „Blubberbernd“ und „Quatschtütenwürger“ in „Spongebob“ war. Und dann die Kultserie „Fred Feuerstein“! Sechs Jahre lang, von 1960 bis 1966 war Engelbert von Nordhausen der cholerische Clan-Chef der Steinzeit-Familie. „Desperate Housewifes“, „Kommissar Wallander“, „Ezekiel“ in Bonanza oder fast zehn Jahre lang „Perry Mason“, der Kleinmachnower war vielfach dabei, wenn es in Film und Fernsehen heiß her geht. Engelbert von Nordhausen ist der Star unter den deutschen Synchronsprechern. Er verweist auf über 1200 Produktionen bei denen er Regie führte und das Drehbuch schrieb. „Anfangs war ich Sprecher, später machte ich alles“, blickt er zurück.
Mordgelüste im Bett
Nun ist er in den letzten Zügen, sein Leben zu verarbeiten – in Form des Krimis „Der Stimmverleiher“. Obwohl der Roman viel Autobiografisches des Kleinmachnowers mit sich trägt, ist er doch fiktiv: „Es geht um einen Synchronsprecher, der von seinen Rollen so verfolgt wird, dass er Mordgelüste bekommt“, verrät von Nordhausen. „So weit ist es bei mir allerdings nicht gekommen.“
Das Buch hat schon einen Verlag gefunden und wird 2010 erscheinen. Ebenso sein Kinderbuch „Truschel“, das fast ins Kino gekommen wäre: „Ich hatte die Rechte bereits an eine Filmfirma verkauft. Die geriet allerdings in den Strudel der Kirch-Pleite, und aus war’s.“
Eigentlich wollte das Wunderkind mit dem „schönen reinen Sopran“ Schauspieler und Sänger werden. Er hatte als Mitglied der weltberühmten „Schöneberger Sängerknaben“ ausgiebig Theaterluft geschnuppert: „Wir waren bei vielen Opern-Inszenierungen mit dabei. Ich wurde immer wieder auserwählt, wenn kindliche Einzelsänger auf der Bühne gefragt waren, etwa bei Carmina Burana.“
Mit Harald Juhnke Publikumsliebling
Doch der Wunsch, Opernsänger zu werden, veränderte sich schlagartig: „Ich war bei Don Giovanni in der Deutschen Oper und erlebte, welche Leibesfülle der Giovanni aufwies. Da wusste ich, ich möchte nicht als dicker Opernsänger enden!“
Der gelernte Einzelhandelskaufmann nahm Schauspielunterricht und konnte sich bereits drei Jahre später über ein Engagement an der Landesbühne Iserlohn freuen. Es folgten das Stadttheater Saarbrücken, die Freie Volksbühne in Berlin und das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg. In Berlin spielte er Seit an Seit mit Harald Juhnke.
Heribert Sasse holte ihn als Intendant der Freien Volksbühne 1980 von Hamburg nach Berlin zurück. Von 1985 bis 1990 war Sasse übrigens als  „Generalintendant der Staatlichen Schauspielbühnen Berlin“ Herr über die Sprechtheater der Hauptstadt. Engelbert von Nordhausen spielte sich schnell ins Herz der Berliner: „1983 bekam ich den Publikumspreis der Theatergemeinde Berlin.“
201 Mal Bill Cosby
Aufgrund eines „Tipps von Kollegen“ meldete sich Engelbert von Nordhausen dennoch bei einem Berliner Synchronstudio – und hatte auf Anhieb einen klasse Nebenjob als Ergänzung des aufreibenden Theateralltags. „Einem Synchronsprecher sieht man nicht an, wenn er älter wird“, begründet er diesen Schritt. Ob er das ernst meint?
Der große Durchbruch kam 1986 durch die „Bill Cosby Show“. Von Nordhausen hatte auf Anhieb das Casting für die Synchronstimme des Haupthelden bekommen. Damit war er ganz exakt 201 Mal der amerikanische Sänger Bill Cosby, der in der Show als Familienvater Dr. Heathcliff „Cliff“ Huxtable auftrat. „Die Serie stellte einen Meilenstein der TV-Geschichte dar, denn in den USA war es damals alles andere als selbstverständlich dass Schwarze als normale Familie dargestellt wurden und Weiße diese Sendung sehen wollten.“
Alle Mörder sind schon da
Durch diese Serie war von Nordhausen plötzlich eine Größe in den Studios. Er führte daraufhin Regie im Synchronraum, er begann, immer öfter das Drehbuch zu schreiben. Von 1988 bis 1994 war er zudem „Perry Mason“. Besonders gern erinnert er sich an „Alle Mörder sind schon da“. Denn dort bekam er die Rolle von Tim Curry, „weil keiner sonst so schnell sprechen konnte“, schmunzelt er noch heute. Tim Curry war vorher durch die „Rocky Horror Picture Show“ bekannt geworden. In der Produktion von 1975 spielte er die Hauptfigur, Frank N. Furter.
Spielfilm mit Kubitschek
Seit 2002 wohnt der mittlerweile 61-Jährige mit seiner Frau in Kleinmachnow. Der ehemalige Inhaber der Theaterklause gegenüber vom Renaissance-Theater war des Stadtlebens überdrüssig geworden. Seiner Karriere hat der Umzug an die Peripherie keineswegs geschadet. So ist er immer noch häufig zu hören und oftmals ebenso zu sehen, etwa in Serien wie „Praxis Bülowbogen“ oder „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Bald können wir ihn sogar wieder in einer großen Rolle in der ARD sehen. Gerade soeben ist er nämlich von Dreharbeiten zum Spielfilm „Sommerlicht“ vom sonnigen Mallorca zurückgekehrt. Dort spielt der Kleinmachnower einen begüterten Russen, der die Hauptheldin, gespielt von Ruth Maria Kubitschek, vor der Pleite retten soll.
Kaum zurück, werden schon wieder die Koffer gepackt: Denn von Nordhausen hat nach dem sonnigen Mallorca sein Herz fürs raue Rügen entdeckt und umt davon, bei den Störtebeker Festpielen in Ralswiek aufzutreten. „Das wäre mal eine schöne Abwechslung“, strahlt er. Keine Frage, in Engelbert von Nordhausen hat Kleinmachnow einen wirklich vielseitigen Mitbürger in seinen „Mauern“. Man darf gespannt sein, wieviel Kleinmachnow er dafür in sein Buch „Der Stimmverleiher“ packt!
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