Stand Oktober 2010
Orchester-Chef schaut in die Tuba
Schaut das überregional anerkannte Jugendblasorchester bald in die Röhre? Ausgerechnet zum 20. Geburtstag drücken hier gewaltige Sorgen, denn der Tuba droht die Puste auszugehen!
„Ohne Tuba kein Blasorchester“, beschreibt Orchesterleiter Martin Aust kurz und bündig das existenzielle
Problem. „In der Größe des Orchesters sind wir mit 65 Nachwuchs-Musikern an unsere Grenzen gestoßen. Mehr können es nicht mehr werden, da wir keinen geeigneten Proberaum finden. Wir üben in der Mensa der Musikschule und stoßen da schon jetzt an räumliche Grenzen. Doch unsere beiden Tubas müssen wir unbedingt wieder besetzen!“
Schule als „Feind“
Das Problem des Orchesters: „Unser größter Feind sind die Zeit und die Schule. Der Unterricht geht in den höheren Jahrgangsstufen immer weiter in den Abend hinein. Wir haben unseren Probenbeginn bereits auf 17.45 Uhr nach hinten verlegt. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass manche Orchestermitglieder das wegen der Schule nicht schaffen“, beschreibt Musiklehrer, Dirigent und
Saxophon-Spieler Martin Aust, wie der Bildungseifer zu Lasten der musischen Entwicklung gehen kann.
Ein weiteres Problem des Orchesters ist die Fluktuation: „Nach dem Abitur verlassen viele den Ort und können nicht mehr in unserem Orchester bleiben. Das ist sehr problematisch für einen Klangkörper, wo 65 Einzelpersönlichkeiten perfekt aufeinander abgestimmt musizieren sollen.“
Elternschreck Tuba
Nun fürchtet Martin Aust, dass ihm die beiden Tubas auf diese Weise verloren gehen. „Wir bräuchten dringend Nachwuchs-Spieler.“ Das Problem: „Tuba ist kein Mode-Instrument und hat wegen der Größe auf Eltern einen gewissen Abschreckungseffekt. Dabei wirkt die Tuba viel schwerer als sie ist: Sie wiegt gerade mal acht Kilogramm. Für junge Einsteiger bietet die Musikschule eine Mini-Version zum Üben, die kindgerecht zu handhaben ist.“
70 Titel im Repertoire
Das Kleinmachnower Jugendblasorchester hat sich in den 20 Jahren des Bestehens einen Spitzen-Ruf weit über Kleinmachnow hinaus erarbeitet. „Wir bieten ein breites Repertoire von bekannten Titeln bis
zu Filmmusik wie ‚Gladiator‘ oder ‚Fluch der Karibik‘.
Gerade haben wir Gustav Holst für uns entdeckt. Das war der erste Komponist, der Musik speziell für große Blasorchester komponierte. Daneben bieten wir gängige Titel aus Musical oder Pop-Musik“, so der 38-jährige Orchesterleiter. „Wir haben alle üblichen Blasinstrumente bei uns, sogar das seltene Fagott. Insgesamt haben wir 70 Titel im Repertoire und haben pro Jahr 30 bis 40 Auftritte. Dazu gehören das Schleusenfest in Kleinmachnow und das Oktoberfest in Ruhlsdorf. Allerdings bekommt man bei uns keine Bierzelt-Musik für die früher die Blasorchester in Süddeutschland standen.“
Jährlich gibt es ein Gala-Konzert mit neuem Programm. 2010 wird ein weiterer Höhepunkt der Auftritt zum 55. Geburtstag der Kreis-Musikschule sein.
1. Preis für Musiker
Die hohe Qualität des Orchesters zeigt sich immer wieder bei Wettbewerben. So gingen die Kleinmachnower beim Jugendkapellentreff im Schwarzwald in der Kategorie Oberstufe als Preisträger hervor. „Darüber gibt es nur noch eine weitere Kategorie, die für professionelle Orchester gedacht ist“, erläutert Martin Aust.
Das große Blasorchester hat noch ein kleines Brüderlein, in dem momentan 35 Kinder von der dritten Klasse an spielen. „Ab der sechsten Klasse wechseln sie dann ins große Orchester“, so Martin Aust.
Familie statt Saxophon
Für ambitionierte Jung-Musiker ist das Jugendblasorchester mit seiner 20-jährigen Geschichte ein gutes Sprungbrett für die weitere Karriere. Immer wieder steigen von hier aus Musiker ins Landesjugendorchester auf. „Viele talentierte Musiker verzichten aber mittlerweile wegen der Zeitbelastung darauf“, bedauert Aust.
Er allerdings stellt seine musikalischen Ambitionen ebenfalls zurück: „Ich habe eine Familie und zwei Töchter im Alter von fünf und acht Jahren. Da bleibt mir leider keine Zeit, mit meinem Saxophon privat in einer Band zu spielen, obwohl ich dazu durchaus manchmal Lust hätte.“
Infos:
www.jbo-kleinmachnow.de 
Tel. 03 32 03/7 98 01
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