Stand Oktober 2010
Star auf dem „Grünen Hügel“
Wenn der grüne Hügel ruft, dann strömt die Prominenz aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Show und Gesellschaft ins fränkische Bayreuth.
Wagner-Festspiele haben eine ungebrochene Anziehungskraft und vereinen Menschen, die sich sonst gar nicht grün sind wie beispielsweise Politiker unterschiedlichster Parteien. Für einen Opern-Sänger ist es eine Krönung seiner Karriere, hier eine Hauptrolle spielen zu dürfen.
Der Kleinmachnower Ralf Lukas ist hier mit seinem Bassbariton als Heldendarsteller einer der ganz großen Stars. Seit mittlerweile fünf Jahren tritt er dort als Solist in Opern wie „Ring des Nibelungen“ oder „Tristan und Isolde“ auf.  
„Nur nicht Musiker!“
Kurioserweise stammt Ralf Lukas aus der Wagner-Stadt Bayreuth: „Mein Vater war Kirchenmusiker. Da war für mich klar, dass ich niemals Musiker werden wollte“, erinnert sich der heute gefeierte Sänger in seinem Kleinmachnower Haus zurück. Fast wie in der Oper war es die holde Weiblichkeit, die bei ihm zu einer unverhofften Schicksals- Wende führte: „Ich spielte beim Schultheater in einer Goldoni-Komödie mit. Darin kam eine Serenade vor, die zwei Mädchen vortrugen. Das hat mich so fasziniert, dass ich Gesangsunterricht nahm.“
Vom Statist zum Star  
Ralf Lukas schaffte es mit seinem Talent bereits als kleiner Junge auf den Grünen Hügel: „Ich war Statist bei den Nibelungen und später im Extra-Chor.“ Allerdings, der ganz große Durchbruch in seiner Heimatstadt sollte ihm erst als Kleinmachnower gelingen!
Zuvor lagen Studienjahre in Berlin und erste Anfänge an der Deutschen Oper. Dabei lernte Ralf Lukas auf der Hochschule der Künste weit mehr als tiefe Einblicke in die Feinheiten der Musik kennen. Neben Opernarien verzauberten ihn die Reize seiner Kommilitonin Gundula Hintz. So kommt es, dass heute in einem mit viel Stil renovierten Altbau von 1937 gleich zwei bekannte Opern-Größen unter einem Dach zu finden sind. Wenn die Interessen in einer Beziehung so deckungsgleich sind, muss dann das Glück nicht perfekt sein?  
Die Opern-Familie
Tatsächlich kam bald Nachwuchs in Form von Tochter Leonie, die in Kleinmachnow zur Schule ging und die Faszination der Bühne geerbt hat. Doch die Familie hat ein Problem: „Wir haben beide weltweite Engagements. Es gab schon Jahre, da war ich zusammengerechnet zehn Monate auswärts an Bühnen. Da erfordert es schon eine exakte Terminplanung, dass man sich überhaupt sieht.“
Das scheint der Liebe keinen Abbruch getan zu haben: „Ich freue mich riesig auf den kommenden Sommer.
Ab 2011 werden wir das erste Mal zusammen auf der Bühne stehen. Das Staatstheater Darmstadt hat uns für Hauptrollen im ‚Ring des Nibelungen‘ engagiert. Ich trete als Wotan auf, Gundula als meine Göttergattin Fricka. Dann können wir unsere private
Liebe auf der Bühne spielen.“
Geheimnisvolle Schwingungen
Offenbar stimmen die Schwingungen, selbst wenn die beiden Opern-Stars getrennt sind: „Das Haus in Kleinmachnow hatten wir
unabhängig voneinander angesehen und waren beide trotz des maroden Bauzustands sicher, dass wir es haben wollten. Es hatte  eine ganz besondere Ausstrahlung“, schildert Ralf Lukas, wie es die Familie bald nach dem Mauerfall in den „grünen Vorort von Berlin“ verschlug. Erst später fanden die beiden Opern-Enthusiasten dafür die Erklärung: „Das Haus hatte die Opern-Sängerin Elisabeth Kunz 1937 erbauen lassen.“
Star-Dirigenten
Ralf Lukas machte 1991 Schlagzeilen, als er den „1. Preis“ beim „Internationalen Vocalisten Concours ‘s-Hertogenbosch“ gewann. Er wurde Mitglied im Ensemble der Deutschen Oper. Dort arbeitete er mit Star-Dirigenten wie Claudio Abbado, Sir Colin Davis, Seiji Ozawa, Esa-Pekka Salonen oder Wolfgang Sawallisch zusammen.  
Er bekam Hauptrollen und avancierte in Mozart-Opern zum Publikumsliebling.
Schließlich entdeckte er den Romantiker Richard Wagner für sich.
Berührende Musik
„Es gibt große Fans und große Kritiker dieses Komponisten. Mich fasziniert der Zauber seiner Musik. Es gibt Menschen, die hören Wagner unvoreingenommen, ohne jemals etwas von ihm gekannt zu haben und sind tief berührt.“ Ralf Lukas fällt dazu ein eigenes Erlebnis ein: „Wir hatten in Frankreich die Walküre inszeniert. Zur Generalprobe waren 400 Schüler, alle im pubertierenden Alter, geladen. Ich dachte, das kann doch nur schief gehen. Die Probe dauerte bis 24 Uhr. Alle waren geblieben, am Ende gab es stehende Ovationen. Das hätte ich mir kaum träumen lassen.“
Weltweit engagiert
Ralf Lukas und Ehefrau Gundula Hintz könnten sich gelegentlich aus dem Jet zuwinken: Bühnen in Tokio, Rom oder Toulouse sind ihnen oftmals ein zweites Zuhause. Die Verständigung erfolgt dann per Internet-Chat zwischen Auftritt und Proben.
Dennoch sind die beiden keine abgehobenen Stars. Ein Interview-Termin ist kein Problem, wenn sie denn da sind, im privaten „Opern-Haus“ in Kleinmachnow. Dort übrigens werden die Grundlagen für die vielen Auftritte, darunter auf dem Grünen Hügel, gelegt.
Im Obergeschoss gibt es ein Musikzimmer mit Gartenblick. Die Nachbarn haben es gut, denn sie können
dadurch hochkarätige Opern-Arien ganz ohne teure Eintrittskarten genießen!
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Biterolf-Tannhäuser Rom.tif
Papageno-Zauberflöte Enschede.tif
Gundula und Ralf.tif
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