Stand Oktober 2011
Neuer Freund, neue Platte
Blaue Augen, blonde Haare, und ein bisschen Geld. Diese Beschreibung des Traummannes würde klasse in einen Schlagertext passen.
Ines Adler ist Schlagersängerin und hat sich mit diesem Profil im Internet selbst einen der Träume wahrgemacht, von denen sie ihren vielen Fans auf der Bühne, im Fernsehen und auf unzähligen Veranstaltungen immer wieder vorschwärmte. Ihr neuer Traummann, der Tischler Robert Schulze, brachte sie nach Kleinmachnow.  
Rosenkrieg ums Sorgerecht
Nach schmerzhafter Trennung von ihrem zweiten Ehemann Thorsten Goljat, langem zermürbendem Rosenkrieg und Kampf ums Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Naima hat sie hier nun ein ganz neues Leben begonnen. Sie kann wieder lachen, strahlen – und wollte sich eigentlich aus dem Show-Geschäft, für das sie so lange gekämpft hat, zurückziehen. „Dann erhielt ich überraschend einen Anruf von meiner Plattenfirma, mit der ich schon 2006 mein letztes Album „Wie ein Film“ gemacht hatte. Sie boten mir an, nach nunmehr sechs Jahren eine neue Produktion mit mir zu machen. Da konnte ich einfach nicht nein sagen.“
Freche Göre aus der Stahlarbeiterstadt
Und so können sich die Fans der frechen Göre aus der Stahlarbeiterstadt Hennigsdorf zu Jahresbeginn 2012 auf das Comeback der mittler-weile 48-jährigen Sängerin mit dem unverwechselbaren Timbre freuen. Ein Erfolg ist Ines Adler zu wünschen, denn sie kämpfte wie kaum jemand für den Aufstieg in den Pop-Himmel. Sie kam 1963 zur Welt, die Eltern arbeiteten beide, wie es sich für die Stahlarbeiterstadt Hennigsdorf gehörte „im Werk“. Dort fertigt heute „Bombardier“ Eisenbahntechnik. Schon mit sechs Jahren wusste Ines, dass sie unbedingt Sängerin werden wollte. Besonders der verbotene Blick ins West-Fernsehen bestärkte sie darin. „Ich sah mir jede Ausgabe der Hitparade von Dieter Thomas Heck an“, strahlt sie noch heute. Ursprünglich konnte man dort die aktuellen Bands mit ihre Hits sehen, die Konzentration auf deutsche Schlager erfolgte erst viel später.
„Richtiger Beruf!“
Ines Adler sang im Chor, nahm Musikunterricht, trat im Kulturhaus der Stadt auf. Nicht mal volljährig, begann sie Band-Erfahrung zu sammeln. Erst mal nebenbei, denn die Eltern bestanden auf einen „richtigen Beruf“, was für Ines Adler eine Ausbildung zum „Facharbeiter für Schreibtechnik“ bedeutete.
Trotz Fördervertrag nach einem Talentwettbewerb wollte sie allerdings die renommierte Hochschule Hanns Eisler nicht als Studentin haben: „Ich glaube, ich war denen einfach zu frech. Die Begründung war, dass ich nicht aus der Arbeiterklasse kommen würde, was ja gerade bei mir nun wirklich blödsinnig war.“
Mit 16 erste Band  
Dennoch erlebte sie viel Applaus: Mit 16 tourte sie mit ihrer ersten Band „Solaris“ durch die Region. „Wir hatten jedes Wochenende Auftritte. Pro Abend gab es 20 Mark, das waren im Monat 160 Mark und sehr viel für die DDR, wo meine Mutter als Ökonomin im Stahlwerk ein Gehalt von 400 Mark hatte. Ich erinnere mich noch gut, dass ich ihr von meinen ersten Gagen geschliffene Sektgläser kaufte, die sie sich immer gewünscht hatte.“
Nach Abschluss der Lehre ging es weiter aufwärts, die Profi-Band „Peter Rosenhahn“ wollte die hübsche Göre aus der Stahlarbeiterstadt haben. „Sie spielten ein denkbar breites Spektrum, ich war für die aktuellen Tageshits zuständig“, erinnert sie sich.
„Hottentotten-Musik“
Doch dann schlug die Obrigkeit zu: „Ich hatte mich für den obligatorischen Berufsausweis beworben. Die schriftliche Prüfung bestand ich problemlos, doch mit meinem Vorsingen war man nicht einverstanden. Ich hatte ein Lied von Tina Turner mit einbezogen, das lehnten man als westlich dekante ‚Hottentotten-Musik‘ ab. Ich sprach in meiner Wut den Prüfern die Befähigung ab, weil die auf klassische Musik spezialisiert waren und knallte ihnen die Türe zu. Das Ergebnis war ein Auftritts-Verbot im damaligen Bezirk Potsdam.“
Gefragt im Fernsehen  
Doch der Ruf der aufmüpfigen Musikerin hatte sich herumgesprochen. Die Band „Kontex“ aus Frankfurt/Oder war auf der Suche nach einer Sängerin und wollte sie engagieren. Beziehungen mögen geholfen haben, beim nächsten Anlauf zum Berufsausweis stand die Begleitband von DDR-Super-Star Dagmar Frederic parat, um den Erfolg zu befördern.
Nun endlich mit offiziellem Ausweis ausgestattet, konnte es so richtig losgehen. Sie durfte nun sogar als Solistin auftreten und bis 130 Mark Gage je Abend bekommen. Es folgten Tourneen mit Stars wie Andreas Holm und Thomas Lück. Das „ungeliebte Kind aus Hennigsdorf“ hatte es trotz Widerstand geschafft. Das DDR-Fernsehen riss sich um die attraktive Blondine, sie hatte Auftritte in den angesagten Unterhaltungssendungen des DDR-Fernsehens, war Gast in  „Klock acht“, „Sprungbrett“ und „Musik und Snacks“.
Es kam zur Ehe mit dem Musiker Dietmar Schmidt, bald darauf, 1987, kam Tochter Saskia auf die Welt. Das Ehepaar war bis zur Wende auf den Bühnen der DDR gefragt.
Imbiss-Verkäuferin  
„Mit der Wende waren plötzlich alle Auftrittsmöglichkeiten weggebrochen“, erinnert sich Ines Adler. Daran zerbrach ihre Ehe, sie jobbte vorübergehend als Imbiss-Verkäuferin am Treptower Park. „Ich nahm immer mehr zu, wog 92 Kilogramm.“
Schließlich kam sie in Kontakt zu Neumi Neumann, dem legendären Karat-Mitbegründer, der später die DDR verließ und nun erfolgreicher Musikproduzent war. Er nahm sie unter seine Fittiche, ließ sie in seinem Berliner Studio Lieder proben, die er für Mireille Mathieu geschrieben hatte. „Er sah in mir eine Trude Herr, das hat mich aber gar nicht begeistert.“
Doch Neumann war von seiner „Neu-Erwerbung“ überzeugt. „Zwei Tage vor Weihnachten erhielt ich einen überraschenden Anruf aus München. BMG-Ariola bat mich ins Studio, sie wollten mich unter Vertrag nehmen.“
Weltweit gefragt  
Das Album „Ich schleich mich in Dein Herz“ wurde sofort ein Erfolg. Über Nacht war Ines Adler wieder ein Star. Sie trat wahlweise mit einem Trio
auf, war auf Galas gefragt und
hatte mit dem Orchester „The Right Idea“ Auftritte in Los Angeles, Finnland, Frankreich und Österreich.
Sie nahm Kontakt mit Celine Dion auf, da sie unbedingt eine deutsche Cover-Version ihres Hits „Think twice“ machen wollte. Darauf entstand „Nimm einmal noch meine Hand“, wofür Ines Adler 1996 mit der „Goldenen Stimmgabel“ ausgezeichnet wurde. Zwei Jahre später erschien ihr zweites Album „Ich war so lange nicht verliebt“. Der Titelsong wurde Erkennungsmelodie für die Sat1-Serie „Die Unbestechliche“ von Dieter Wedel.
Liebe bei der Hit Parade  
Und dann erfüllte sich ein weiterer Traum: Ines Adler landete mit einem dritten Platz ganz vorne bei der ZDF-Hitparade, der Sendung, der sie verdankt, dass sie unbedingt Sängerin werden wollte. Sie tingelte mit der Sendung durchs Land, und verliebte sich in den Techniker Thorsten Goljat. 1999 kam Tochter Naima auf die Welt.
2007 fühlte sich Ines Adler ziemlich am Ende: Die Ehe zerbrochen, der Vater gestorben, ein zermürbender Scheidungskrieg um das Sorgerecht für Tochter Naima.
Glücklich in Kleinmachnow  
Nun lebt die Sängerin auf, in Kleinmachnow, an der Seite von Robert Schulze, der selbst geschieden ist und seinen Sohn Liou mit in die neue Beziehung brachte. Tochter Saskia steht mittlerweile auf eigenen Füßen und ist deutschlandweit für ein Internet-Portal unterwegs. Naima geht in Kleinmachnow in die Maxim-Gorki-Gesamtschule, von der Ines Adler
total begeistert ist: „Dort herrscht soviel Offenheit und Freundlichkeit, dass Naima trotz der schlimmen Scheidungserlebnisse sichtlich aufblüht.“
Sie möchte übrigens gerne beruflich in die Fußstapfen der Mutter treten, als Sängerin. Saskia dagegen hat schon Bühnenerfahrung mit der berühmten Mama im Duett gesammelt, „will Musik aber nur als Hobby betreiben“, so die dennoch stolze Mutti.
Sie ist trotz aller Erfolge das nette freche Mädchen von nebenan geblieben. So tritt sie gerne im neuen Heimatort Kleinmachnow auf, vor den Rentnern oder zum Weihnachtsfest im Rathaussaal.
Infos: www.ines-adler.de
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