Stand November 2012
Kunst will viele Brücken schlagen
Wenn ausgerechnet ein bundesweit und sogar international als streitbarer Geist geschätzter Künstler sich vorgenommen hat, Brücken zu schlagen, muss es schon um etwas Besonderes gehen!
Rainer Ehrt gehört zu den vielseitigsten deutschen Künstlern. Er ist bissiger Cartoonist, und Illustrator, der aktuelle politische Zustände mit treffender Grafik für führende Zeitschriften in Deutschland und der Schweiz aufgreift.
Spitze Feder und bunter Pinsel
Seine Cartoons waren im schweizer „Nebelspalter“, in der „Süddeutsche Zeitung“, im Satireblatt „Eulenspiegel“, in der „Zeit“, im „Manager Magazin“ oder in der „Frankfurter Allgemeine“ zu finden und erfreuen immer wieder die Leser der Tageszeitungen in Berlin und Brandenburg.
Zudem  ist er Maler. Um die „dritte Dimension zu erkunden“, hat er schon vor Jahren begonnen, Holzskulpturen zu schaffen.
Als wäre das nicht genug, findet man ihn immer öfters zurückgezogen in seinem Atelier wie einst die mittelalterlichen Mönchlein in der Schreibstube. Dann spitzt er die Feder, aber nicht für bissige Cartoons, sondern schreibt Bücher ab wie früher die Kopisten, als es noch keine Druckerpresse gab.
Dabei entstehen bibliophile Raritäten, deren Spektrum vom römischen Dichter Ovid bis zu pikanten Erotica aus dem Nachlass des „Dichterfürsten“ Johann Wolfgang von Goethe geht.
Sein ganz spezielles Interesse gilt aber Preußen. Und schon ist Rainer Ehrt bei seinem neuen „Hobby“, Brücken zu schlagen.
Amors Pfeile
Denn Preußen wurde ihm keinesfalls in die Wiege gelegt, schließlich stammt der 1960 geborene Künstler aus der kleinen Harzgemeinde Elbingerode. Seine schulische Bildung erfuhr er in Wernigerode. Die künstlerische Laufbahn nahm seinen Anfang mit einem Industriedesign-Studium an der renommierten Burg Giebichenstein bei Halle, die seit 1879 eine lange Tradition  in der Kunstausbildung hat. Sie übte in den 1960-er Jahren als „Hochschule für industrielle Formgestaltung“ großen Einfluss auf das Stilempfinden aus.
Für die Brücke vom Harz nach Preußen sorgte Amor mit seinen Pfeilen. So kam es dazu, dass Rainer Ehrt mit 24 Jahren seine Studienkollegin Julia Kretzschmar heiratete. Ihr Vater ist Harald Kretzschmar, der seit 1956 in Kleinmachnow lebt und in Ost und West als Karrikaturist und Porträtist geschätzt ist.
Damit war die die Brücke nach Preußen geschaffen. Das Ehepaar befruchtet sich gegenseitig, denn Julia Ehrt ist ebenso wie Ehemann und Vater eigenständige Künstlerin.
Neue Brücke
Es brauchte aber fast 30 Jahre, bis sich Rainer Ehrt dazu durchrang, seinen persönlichen Brücken einen institutionellen Rahmen zu verschaffen, im neuen Kunstverein „Die Brücke Kleinmachnow“.
Die Mehrdeutigkeit im Namen ist dabei durchaus gewollt. Schließlich  möchten die Initiatoren um Rainer Ehrt anspruchsvolle moderne Kunst unter die Leute bringen, ganz so wie es die Künstlergruppe „Die Brücke“ als Wegbereiter des Expressionismus ebenfalls tat. Ebenso wie die Brücke-Künstler von vor hundert Jahren gibt es eine „feste Klammer“, die die Kleinmachnower zusammenhält. Doch im Gegensatz zu den Dresdner Architekturstudenten um Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff ist es in Kleinmachnow kein einheitlicher Stil in der Malerei, sondern ein Haus.
Auf den Spuren der Landarbeiter
Die örtlichen „Brücke-Künstler“ eint der Gedanke, aus dem früheren und nunmehr lange leerstehenden Landarbeiterhaus im alten Dorf am Zehlendorfer Damm 200 ein neues Zentrum für Kunst und Kultur entstehen zu lassen. Das Brücke-Haus wäre dann Brücke zwischen Künstler und Publikum, zwischen historischem Dorf und „neuem“ Kleinmachnow und zwischen den Künsten. Dem Verein schwebt neben Kunstausstellungen ein breites Sammelsurium an Veranstaltungen vor.
Bilder, Jazz, Humor
Dazu hat der Verein schon wieder seinem Namen alle Ehre gemacht und eine inzwischen ziemlich belastbare Brücke zur Operetten- und Musical-Diva Christiane Heinke und ihrem mittlerweile sehr erfolgreichen Verein „KultRaum“ geschlagen. Dieser sorgt für hochkarätige Veranstaltungen von Jazz bis Kabarett, von Lesungen bis Musical und ist momentan notdürftig in einem kleinen Haus am Kapuzinerweg 16 untergebracht. „Das Landarbeiterhaus wäre ein toller Rahmen für Veranstaltungen“, sind sich Rainer Ehrt und Christiane Heinke einig.
Toiletten und Heizung
Das Gebäude gehört der Gemeinde und ist renovierungsbedürftig: „Die Toilette ist verstopft, es müsste eine Heizung eingebaut und dem Brandschutz Rechnung getragen werden. Dann wäre das Erdgeschoss bereits benutzbar. Dort würden wir gerne Wechselausstellungen machen. Der Garten wäre ideal für Plein Air Veranstaltungen mit auswärtigen Künstlern. KultRaum könnte Veranstaltungen mit bis zu etwa 60 Personen machen. Denkbar wäre außerdem eine kleine Gastronomie, die ganztags geöffnet hätte und die umliegenden Schulen mit versorgen könnte. Parkmöglichkeiten gibt es hinter dem Haus. Die Kosten würden sich auf 170 000 Euro belaufen, die die Gemeinde in ein Haus steckt, das ihr im Gegensatz zu den Kammerspielen selbst gehört“, beschreibt Rainer Ehrt. „Zudem könnte der Dachboden ausgebaut werden.“
Kleinmachnows Künstler haben das Haus bereits vorab mit „Sondergenehmigungen“ für Kunstaktionen getestet. Nach diesem Erfolg konnten dauerhaft Brücken zur Gemeinde geschlagen werden, die sich nun zur geforderten Renovierung des Hauses entschlossen hat. Um selbst als Verein handlungsfähig zu sein, denkt Rainer Ehrt an neue Brücken, die der Kleinmachnower Kunstverein schlagen könnte, etwa zu kunstinteressierten Firmen der Region.
Bei soviel Brücken in die schnöde Welt des Mammons befürchtet Rainer Ehrt, der zugleich Mitglied im BVBK ist und sich hier für die „Art Brandenburg“ als Ausstellungsmöglichkeit für unbekanntere Künstler engagiert, irgendwann den Boden zur eigenen Kunst aufgrund Zeitmangels zu verlieren.
Deshalb spielt er mit dem Gedanken, sich aus dem Vorstand von Kleinmachnows neuem Kunstverein Die Brücke zurückzuziehen – allerdings ohne die Brücken zu seinem „neuen Kind“ völlig abzubrechen!
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