hv0977.tif
hist2053.tif
hist1052.tif

Der Wechsel ins 20. Jahrhundert muss
für die Kleinmachnower wenig
berauschend gewesen sein: Gerade mal
19 Häuser waren da auf weiter Flur zu
finden!  

Offenbar legten die Bürger damals kaum
Wert auf Privatleben. Denn trotz der
wenigen Gebäude gab es bereits 153
Bewohner, also etwa acht in jedem der
Häuser! Dies ist eine der vielen
erstaunlichen Fakten, die aus der lange
erwarteten Chronik der Gemeinde
hervorgehen. Mit ihr als „Band 1“ startete
der Heimatverein eine „Schriftenreihe“, die
nach und nach Themen aus der Geschichte
aufarbeiten will.

2500 Jahre auf 70 Seiten

Ortschronist Günter Käbelmann hat darin
zusammengetragen, was sich im
unglaublich langen Zeitraum von über
2500 Jahren hier so alles getan hat.
Außerdem haben daran Martina Bellack als
Pressesprecherin der Gemeindeverwaltung
und Dr. Axel Müller mitgewirkt. Mit dieser
Chronik konnte sich der Heimatverein zum
runden 20. Geburtstag selbst und den
mittlerweile über 20 000 Kleinmachnowern
eine große Freude machen. Das knapp 80
Seiten starke Werk bietet keinen
„normalen“ Lesetext, sondern
ausschließlich Fakten in mehreren
Verzeichnissen.

Die Chronologie von der Urzeit bis zum
Jahresende 2010 wird durch Informationen
über Verkehrsverbindungen sowie die
Aufzählung aller Landräte und
Bürgermeister ergänzt. „Wir haben davon
400 Exemplare gedruckt, die nun fast alle
vergriffen sind. Es gab eine ganze Menge
an Zusatzinformation, die wir in die
kommende Auflage einarbeiten werden“,
kündigt Heimatvereins-Vorsitzender Dr.
Rudolf Mach an.

Zu alt für die Geschichte?

Trotz dieses Erfolgs ist die Feierlaune
etwas getrübt: „Leider gab der Autor und
Ortschronist Günter Käbelmann mit
Vorstellung des Werks seine regelmäßigen
wöchentlichen Sprechstunden in
Kleinmachnow aus Altersgründen auf“,
bedauert Dr. Mach. Käbelmann, „der Mann
mit den zwölf Berufen“, über den wir in
der letzten Ausgabe von „Kleinmachnow
kompakt“ ausführlich berichteten, wohnt
im kleinen Dörfchen Wittbrietzen bei
Beelitz, da er im Zuge von Rücküber
tragungsansprüchen seine Wohnung in
Kleinmachnow verloren hat. „Er fühlt sich
mit mittlerweile 77 Jahren nicht mehr in
der Lage, jede Woche in die ‚frühere
Heimat’ zu kommen“, so Dr. Mach.

Nur zehn Aktive

Der 71-jährige Berliner, den ursprünglich
das Interesse an den Hinterlassenschaften
des geheimen „Bosch-Rüstungsbetriebs“
zum Heimatforscher an Kleinmachnow
werden ließ, sorgt sich um den Verein:
„Das Gros unserer etwa 80 Mitglieder ist
im Rentenalter. Wir müssen also unbedingt
jüngere Mitstreiter gewinnen“, schlägt er
zum 20. Vereinsgeburtstag Alarm. Obwohl
der Kern der regelmäßig Aktiven sich „auf
etwas über zehn Personen beschränkt“,
entwickelt der Verein viele Aktivitäten. So
ist die Aufarbeitung der Schicksale von
Zwangsarbeitern im Bosch-Rüstungs
betrieb ein wichtiges Thema. Das zeigt sich
daran, dass die neue Schriftenreihe einen
weiteren Band dieser Problematik widmet,
indem sie dem Ukrainer Iwan Potapenko
die Möglichkeit gibt, seine Erinnerungen
als „Ostarbeiter in Kleinmachnow“ zu
veröffentlichen. Im folgenden Heft will
Chronist Günter Käbelmann seine
Forschungsergebnisse im Zusammenhang
mit den Straßennamen darlegen.  Ein
weiterer Band wird sich mit dem „KZ-
Außenlager“ beschäftigen. „Dafür hat uns
die Ilse-Bosch-Stiftung bereits Fördermittel
zugesagt“, so Dr. Mach.

Museum als Ziel

Wichtiges Anliegen ist immer noch das
angestrebte Kleinmachnow-Museum.
„Dazu wird diskutiert, dass wir Räume in
der Karl Marx Straße 117 bekommen,
diese allerdings mit einem zweiten Verein
teilen sollen. Es stehen aber insgesamt nur
135 Quadratmeter zur Verfügung. Wie soll
man da Dauer- und Wechselausstellungen
präsentieren“, fragt sich Dr. Mach besorgt.
Schließlich hat der Verein einiges zum
Ausstellen „in petto“. Dazu gehört Material
zum historischen Dorf mit der Bäkemühle,
zum Teltowkanal, zur Villenkolonie, zum
Seeberg mit neuer Hakeburg und
Reichspostforschungsanstalt, zur
Dreilinden Maschinenbau GmbH samt
Zwangsarbeiterlager und Außen-KZ.
Weitere Dokumente und Exponate gibt es
zum Schicksal jüdischer Einwohner, zu den
Kammerspielen, dem DDR-Grenzregime,
zu wissenschaftlichen
Forschungseinrichtungen und zu den vielen
Kunst- und Filmschaffenden, die im Ort
mit seiner Nähe zu Potsdam-Babelsberg
lebten.

Erhalt von Denkmalen

Neben dieser enormen Vielfalt sieht es Dr.
Mach als wichtige Aufgabe an, um den
Erhalt von „Denkmalen“ zu kämpfen. Dass
sich ein derartiges Engagement lohnen
kann, zeigt sich am Beispiel der „Alten
Hakeburg“. Deren Grundmauern wurden
ausgegraben, die wichtigen historischen
Überreste nun durch eine Überdachung
gesichert. „Der Wiederaufbau würde eine
halbe Million Euro kosten. Allerdings
glaube ich nicht, dass dies in absehbarer
Zeit realisiert werden wird. Wir wären als
Heimatverein ja schon froh, wenn wir das
Gelände regelmäßig für Besichtigungen
offen halten könnten!“

Aber was in den ersten 20 Jahre noch nicht
ganz vollendet wurde, kann ja bis zum
nächsten runden Geburtstag des erstaunlich
aktiven Vereins noch werden!

Infos:
Tel. 0 30/8 02 87 83

Heimatverein feiert und sucht Jugendliche

Stand November 2013

dii.gif