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Wie wird man ein Superstar? Kaum jemand kann diese Frage so gut beantworten wie eine Lehrerin
aus Kleinmachnow.  
Karin Müller-Grunewald erfüllte sich in Kleinmachnow den Kindheitstraum vom Lehrerberuf. Sie
unterrichtete ab 1965 an der heutigen Eigenherd-Grundschule. „Ich hatte in meiner eigenen Schulzeit eine
so fantastische Lehrerin, dass ich ihr nacheifern wollte“, nennt sie als Grund. Von der Schule in
Kleinmachnow wechselte sie 1980 als „pädagogische Betreuerin“ zur DEFA nach Potsdam-Babelsberg.  
Nachwuchs im Griff
Zu den prominenten Regisseuren, für die sie tätig war, gehörte Rolf Losansky, einer der erfolgreichsten
Kinderfilm-Regisseure der DDR. „Meine Aufgabe war es, Kinder und Jugendliche für Filme zu entdecken
und auf die Drehtage vorzubereiten“, schildert sie. „Im Gegensatz zu heute war die Aufgabe noch viel
schwieriger, denn es galt der Grundsatz, dass die Kinder nur bei einer einzigen Produktion auftauchen
sollten“, gibt die Kleinmachnowerin Einblick hinter die Film-Kulissen der DDR. Es sollte vermieden werden,
dass aus „normalen“ Jugendlichen unkontrolliert vom DDR-Staat ambitionierte Stars werden. In zehn
Jahren betreute sie zahlreiche Produktionen. „Pro Jahr waren es jeweils zwei bis drei Spielfilme“,
erinnert sie sich. Sie schrieb sogar ein wenig Filmgeschichte: „Mein letzter Film für die DEFA war
‚Wunderjahre‘ von Regisseur
Arend Agthe. Der Film kam 1991 ins Kino und war damit die letzte
Produktion vor der Abwicklung.“    
Wiege für Stars
Die Ex-Lehrerin gründete 1994 ihre Nachwuchsagentur „Gesichter“. 2007 wurde daraus die „Agentur by
Karin Müller-Grunewald“. Ihr verdankt beispielsweise
Josefine Preuß die Entdeckung. Die heute 29-
Jährige aus Zehdenick war in der Kika-Serie „Schloss Einstein“ zu sehen. Den Durchbruch hatte sie mit der
Erfolgsserie „Türkisch für Anfänger“. Heute zählt sie zu den gefragten Stars.
Kino-Geschichte
Weitere Stars, die durch Karin Müller-Grunewald zur Karriere kamen, waren unter anderem
Anna Hausburg, Frederick Lau, Hannes Wegener, Ludwig Trepte, Patrick Baehr, Paula Schramm,
Paul Maximilian Schüller, Sebastian Urzendowsky, Shawn Karlborg, Thomas Drechsel,
Tim Oliver Schultz
und Tobias Schenke aus Kleinmachnow. Filmschaffende wie Volker Schlöndorff,
Thomas Draeger, Claudia Prietzel und Andreas Kleinert setzen auf ihr „Fingerspitzengefühl für neue
Talente“. Sie erinnert sich gut an die Zusammenarbeit mit Stars wie
Bruno Ganz und Christian Blümel,
den sie für die 1994 erschienene Produktion „Heller Tag“ gewonnen hatte. „Mit
Armin Mueller-Stahl habe
ich ein halbes Jahr intensiv für „Der Kinoerzähler“ von
Bernhard Sinkel zusammengearbeitet. Er ist ein
immer präzise vorbereiteter Schauspieler ohne jegliche Star-Allüren!“
Neues Leben
Trotz dieser Erfolge nahm Karin Müller-Grunewald 2008 Abschied vom „neuen Hollywood“. Sie entschied
sich für ein Leben als Künstlerin. Auslöser war die Fotografie. Diese hatte sie für sich als Talentsucherin
durch den Regisseur Rainer Simon entdeckt. Für dessen Film „Fernes Land Pa-Isch“ war sie das erste Mal
mit eigener Videokamera unterwegs. Nach dem Abschied vom Filmleben wollte sie mehr als Fotos, nämlich
gemalte Bilder schaffen, die plastisch wirken und Lebendigkeit ausstrahlen, so wie es Spielfilme machen,
die uns fesseln. „Ich fand dafür eine eigene Technik. Aus Fotos wurden abstrakte Werke, die durch eine
spezielle Präsentation den Betrachter auf eine Entdeckungsreise mitnehmen“, beschreibt sie ihren
Ansatz.Diese ungewöhnlichen Bilder sind mittlerweile in Galerien und bei Sammlern in der Region und
darüber hinaus gefragt. So war sie gerade auf der „Berliner Liste“ im „Kraftwerk“ Berlin-Mitte vertreten und
ist regelmäßig auf der „Stahnsdorfer Kunstmeile“ sowie beim Teltower „Kunst-Sonntag in der Biomalz-
Fabrik“ zu sehen. Einziges Problem: Die ungewöhnlichen Kunstwerke sind so empfindlich, dass sie nur mit
„Glacéhandschuhen“ berührt werden können, und das, obwohl sie soviel Gewicht in die Waagschale
bringen, dass die Künstlerin damit regelrecht ins Schwitzen gerät.          
Infos:
Tel. 01 73/6 00 63 03
http://www.mueller-grunewald.de
Stand November 2015
Wiege für Superstars, Kunst für die Welt
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